Kreis Schleiz Mödlareuth

Der kleine Ort Mödlareuth hat nicht nur historisch gesehen eine äußerst interessante Geschichte - schließlich verlief 40 Jahre lang mitten durch das Dorf die Staatsgrenze der DDR - in Form einer drei Meter hohen Mauer. Aber über den außergewöhnlichen Namen des Ortes gibt es Interessantes zu erfahren.

Der Ortsname "Mödlareuth" ist ein sogenannter Mischname: Das Grundwort "-reut(h)" stammt aus dem Deutschen, der erste Teil aus dem Slavischen.

Die Rodung durch Ausgraben der Wurzelstöcke heißt althochdeutsch, mittelhochdeutsch "riuten", später "rüten" und "reuten". Das Substantiv mittelhochdeutsch "riute", deutsch "Reut" hat eine Entsprechung in "-rod", althochdeutsch "rot", "rod" "Rodung", das zum mittelhochdeutschen Verb "roten", "roden", "urbarmachen" gehört.

Beide bedeuteten zur Zeit von Ostsiedlung und Landesausbau "Siedlung auf gerodetem Land". Ortsnamen auf "-reuth" sind besonders in Oberfranken und Nordbayern sowie im sächsischen Vogtland verbreitet, Namen auf "-rod(e)" im mitteldeutschen Gebirgsland und den nördlich daran angrenzenden Gebieten. Die Namen auf "-reuth" häufen sich besonders um Hirschberg.

Der erste Teil gehört wahrscheinlich zu einem slavischen Personennamen *Modlota, einer Kurzform von Vollnamen wie "Modlirad" und "Modilbog" zu urslavisch *moliti - "beten", "flehen", ferner ist ein Suffix "-ota" hinzugetreten. Allerdings erwägt E. Schwarz aufgrund des -ö- in Mödlareuth einen alten Vornamen *Modlita aus *Modljuta, weil nur ein folgendes -i- oder -j- ein -o- zu -ö- verändert haben kann. Wahrscheinlicher ist aber doch wohl "Modlota". Also die "Siedlung eines Modlota".

Die Dokumentation des Namens:

1374 zu Modelotenreut (UBV II, Nr. 215)

1502 Modlenreut (Germania Sacra, 2. Abt., Band 1, Teil 2, 1966, S. 253)

1509 Modelreut (Brückner, S. 819)

1576 Mödlareuth (kaum Originalschreibung) (Brückner, S. 819)

1634 Mödlenreuth (AGO 1855, 1, 233)

1692 Modlareuth, Mödlareuth (AGO, 1853, 2, 86. 97)

1750 Madlareuth (Karte 1750)

Ergänzung: Tannbach bei Mödlareuth

Landschaftsschutzgebiet und Flussname bei und in Mödlareuth; Nebenfluss der Thüringischen Saale

Heißt bei E. Ulbricht, Das Flußgebiet der Thüringischen Saale (= DS. 2), Halle 1957, S.  72 "Tannen-Bach",dort auch Flurname "Tannen-Berg". Auch auf der Topographischen Karte 1:25.000 von 1908 heißt er "Tannen-Bach".

Der Name ist leicht zu erklären: Er enthält "Tanne" und "Bach".

Literaturangaben "Die Ortsnamen des Kreises Schleiz in den Grenzen von 1989"
T. Hecklau
Magisterarbeit Leipzig, 2008
Seiten 80f.

"Sprache und Siedlung in Nordostbayern"
E. Schwarz
Nürnberg, 1960
Seite 295

Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2015, 09:46 Uhr