Ansicht des Ortes Scherbda bei Creuzburg im Wartburgkreis.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wartburgkreis Scherbda

Die ehemalige Gemeinde Scherbda ist ein nördlicher Stadtteil von Creuzburg und gehört zum Wartburgkreis.

Ansicht des Ortes Scherbda bei Creuzburg im Wartburgkreis.
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Historische Belege

  • 1248-1249: Scerbede (Dobenecker III, Nr. 1688 S. 270)
  • 1251: (Kopie) Henricus de Schirve (UB DOB Thüringen, Nr. 116 S. 89)
  • 1258: Heinricus de Scirbede (UB DOB Thüringen, Nr. 139 S. 103)
  • 1261: (Kopie) Heinricus de Schirbede (UB DOB Thüringen, Nr. 163 S. 121)
  • 1317: (Frau von) Scherbede (Möller, Reinhardsbrunn, S. 94)

Namensbildung

Der Ortsname enthält ein altgermanisches Bildungselement, das in vielen geographischen Namen zu finden ist: es ist das Endelement -ithi. Die damit gebildeten Ortsnamen gehören nach übereinstimmender Ansicht der Namenforscher der ältesten germanischen Namenschicht an, die uns überliefert ist.

Es besagt so viel wie: das, was im ersten Teil steht, ist hier vorhanden, zum Beispiel Grohnde aus Gron-ithi - hier ist es grün, Lengede aus Lang-ithi - hier es es lang, der Ort ist lang. Hierher gehören auch Meschede, Sehnde, Sömmerda, 876 Sumiridi item Sumiridi.

Bedeutung

Die Kirche des Ortes Scherbda.
Die Kirche in Scherbda. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Lauf der Geschichte verändert sich -ithi zumeist über -ide zu -ede, manchmal auch zu -de. Somit kann man den Namen Scherbda auf eine Grundform *Skarb-ithi zurückführen. Der erste Teil des Namen kann verbunden werden mit mittelhochdeutsch scherbe, schirbe, althochdeutsch scirbi. Weiter gehören hierzu althochdeutsch scarbōn, mittelniederdeutsch scarven, scherven, altenglisch scearfian "zerschneiden" (wohl als "das Scharfkantige, Schneidende").

Man darf daher die ursprüngliche Bedeutung der Benennung etwa als "Stelle am Hang, Abhang, an einer (scharfen) Kante" ansetzen. Das passt offenbar auch noch zur heutigen Lage. In einer Beschreibung heißt es: "Scherbda liegt auf einer schwer zugänglichen Hochebene".

Literatur-Angaben: "Die Ortsnamen auf -ithi, in: Probleme der älteren Namenschichten"
Jürgen Udolph
Heidelberg 1991, S. 85-145.

"Namenkundliche Beiträge zur Siedlungsgeschichte des Saale- und Mittelelbegebietes bis zum Ende des 9. Jahrhunderts"
H. Walther
Berlin 1971, S. 287.

"Die Ortsnamen des Landkreises Wolfenbüttel und der Stadt Salzgitter"
K. Casemir
Bielefeld 2003, S. 438-446

"Dentalsuffixe in niedersächsischen Siedlungs- und Flurnamen in Zeugnissen vor dem Jahre 1200"
R. Möller
Heidelberg 1992

"Namenkundliche Studien zum Germanenproblem"
Jürgen Udolph
Berlin - New York 1994, S. 258-288.