Eine verlassene Straße und ein sanierungsbedürftiges Haus im Ort Kleinvargula, der neu in das Thüringer Dorferneuerungsprogramm aufgenommen wurde.
Straße in Kleinvargula Bildrechte: MDR/Veit Malolepsy

Unstrut-Hainich-Kreis Großvargula und Kleinvargula

Großvargula und Kleinvargula sind Nachbarorte östlich von Bad Langensalza. Sie sind erfüllende Gemeinde beziehungsweise Ortsteil von Herbsleben.

Eine verlassene Straße und ein sanierungsbedürftiges Haus im Ort Kleinvargula, der neu in das Thüringer Dorferneuerungsprogramm aufgenommen wurde.
Straße in Kleinvargula Bildrechte: MDR/Veit Malolepsy

Historische Belege

Zunächst wurden die beiden Orte nicht unterschieden:

(um 750-779) (Kopie 12. Jh.)
(um 750-779) (Kopie 12. Jh.)
[780-802] (K. 12. Jh.) Fargalaha
876 (Kopie 10. Jh.) Fargenloh
876 (Fälschung 11. Jh.) Fargeloha
876 (Fälschung 10. u. 11. Jh.) Fargeloha, Variante: Fargelaha
977 (Fälschung 11. Jh.) Vargelao
zw. 1015-1025 (K. um 1160) De Vargalaha (2mal), Variante Vargelah, Wargelaha
(um 1050) (Kopie um 1160) Fargelaha
(11. Jh.) (Kopie um 1160) Vargala
(11. Jh.) (Kopie um 1160) Vargalaha
11./12. Jh. (K. um 1160) Fargalaha
11./12. Jh. (K. um 1160) Fargalaha
1134 Vargalaha
1138 Vargelaha
(12. Jh.) (Kopie um 1160) Vargalahlaha
(12. Jh.) (Kopie um 1160) Fargalaha
(12. Jh.) (Kopie um 1160) Fargaha
(12. Jh.) (Kopie um 1160) Fargahamarcha
(12. Jh.) (Kopie um 1160) De Vargala
(12. Jh.) (Kopie um 1160) Fargalaha
(12. Jh.) (Fälschung Eberhards, angeblich Urk. Karls d. Gr.) in Vargalaha
1183 Vargala
1197 Vergelaha
1214 pincerna de Fariola
1221 Vargelar
1223 Vargelan
1267-1288 Vargala, Vargalaha, Vargelan, Vargelar, Farila, Fariola, Vergelaha
1341 herscaft zcu Varila … zcu Varila … zcu Varila
1487 Fargila, Vargila(mehrfach), Varila

Großvargula

1341 zcu Groaen Varila
1833 Groß-Vargula

Kleinvargula

1288 Klein-Varila
1304 in Minori Varila
1833 Klein-Vargula (König 2,17)
1347 wenigenvarila

Zur Bedeutung des Ortsnamens

Der Ortsname trägt einen schwierigen, kaum lösbaren Namen. Heute heißen die beiden Orte Vargula, aber diese Form ist relativ jung. Die alten Belege weisen ziemlich sicher auf eine Grundform Vargalaha oder Vargalaha. Die gelegentliche Annahme, dass im zweiten Teil -loh"Wald" vorliegen könne, dürfte verfehlt sein; eher ist von -aha "Wasser, Fluss" auszugehen sein. Dazu passt die Lage von Großvargula in einer Schleife der Unstrut sehr gut. In dieser Schleife, also in der geschützten Lage, wurde die von Wassergräben umgebene Burg Großvargula 1281 erwähnt.

Die größten Probleme bereitet das Bestimmungswort, der erste Teil des Namens. Man dachte an eine -l-Bildung zum althochdeutschen und altsächsischen Wort für "Schwein, Ferkel", das als *farg angesetzt werden kann und in mittelhochdeutsch varch "Schwein, Ferkel" weiter lebt, aber auch an ein Wort für "Fähre", althochdeutschverigo,mittelhochdeutsch verge. H. Walther schreibt: "kaum ahd. farjo, ferjo‘Fähre, Fährmann’ oder germ. *farjōn ‘Fähre’, eher asä. ahd. *farg ‘Schwein’".

Aber vielleicht führt das "Schwein-, Ferkelwort" doch weiter. Es gehört nämlich zu einer alten Wortsippe um ahd. furuh, furh"Furche", latein. porcus "Schwein" (engl. pork), worin eine Wurzel *perk- "aufwühlen, aufreißen" verborgen ist  (das Schwein ist also "der Aufwühler"). Wir wissen, dass in den germanischen Sprachen aus einem alten *-k- sowohl -g- wie auch -ch- entstehen können. Wenn man diese Basis heranziehen kann, dann darf man in Vargula aus altem *Farg-al-aha vielleicht einen "aufreißenden, die Ufer beschädigenden Fluss" sehen. Die Karte scheint dafür zu sprechen, dass die Unstrut, die hier dann einen anderen Namen getragen hat (sogenannte Teilabschnittsnamen sind nicht selten; sie leben dann oft in den Ortsnamen am Fluss weiter), in einem Bachbett verläuft, dessen Ufer relativ steil sind.

Das ist eine riskante Deutung …

Literatur-Angaben E. Förstemann, Altdeutsches Namenbuch, Bd. 2: Orts- und sonstige geographische Namen, 1. Hälfte, hrsg. von H. Jellinghaus, Bonn 1916, Sp. 851.

1487 (B. Lex, Ortsnamen der ‘Thüringischen Landeschronik’ (Codex Gothanus Chart. B 180), Mag.-Arbeit Jena 2001 (s. Internet), S. 64f.).

J. Udolph, Namenkundliche Studien zum Germanenproblem, Berlin - New York 1994, S. 533.

H. Walther, Namenkundliche Beiträge zur Siedlungsgeschichte des Saale- und Mittelelbegebietes bis zum Ende des 9. Jahrhunderts, Berlin 1971, S. 289.

A. Werneburg, Die Namen der Ortschaften und Wüstungen Thüringens, Nachdruck Köln-Wien 1983, S. 13f.