Die Wasserburg Heldrungen ist die einzige, vollständig erhaltene, befestigte Wasserburg französischer Festungsbaukunst in Deutschland und stammt aus dem 12. Jahrhundert.
Bildrechte: IMAGO

Kyffhäuserkreis Heldrungen

Heldrungen liegt im thüringischen Kyffhäuserkreis. Bekannt ist der Ort durch die Wasserburg Heldrungen mit vier Bastionen. Den Ortsnamen selbst prägte wahrscheinlich die Lage der Siedlung.

Die Wasserburg Heldrungen ist die einzige, vollständig erhaltene, befestigte Wasserburg französischer Festungsbaukunst in Deutschland und stammt aus dem 12. Jahrhundert.
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H. Walther hat den Namen Heldrungen in seinem Werk behandelt. Er geht davon aus, dass der Gewässernamen für den Ortsnamen ausschlaggebend war: germanisch *Haldira, *Heldara zu althochdeutsch halda, helde - was bedeutet: "Bergabhang gestellt".

Etwas anders sieht A. Greule, Autor des Gewässernamenbuchs die Lage: er erwägt, auch bei den Namen Heldra mit dem Heldrastein am Heldrabach in Hessen bei Treffurt auch einen Geländenamen. Diesen Weg geht auch J. Udolph, der sich ausführlich mit den hessischen Namen befasst hat. Entscheidend ist die ungewöhnliche und exponierte Lage des Heldrasteins, die ihm Beinamen "Krone des Werratales" eingebracht hat.

Auf Heldrungen und Oberheldrungen übertragen kann man dem folgen, denn der der Hügelzug im Südwesten von Heldrungen, der bis Oberheldrungen reicht, dürfte das namengebende geographische Objekt gewesen sein.

Heldrungen ist ein alter Flurname

Heldrungen und Oberheldrungen sind daher am ehesten von dem inzwischen verschwundenen ursprünglichen Namen "Haldira" für diesen Hügelzug abzuleiten. Dieser enthält ein -r-Element (sprachwissenschaftlich: -r-Suffix). Wörter und Namen, die dieses enthalten, gehören zur frühesten Namenschicht germanischer Stämme, da das einfache Element -r- in späterer Zeit nicht mehr in der Sprache lebendig war und damit auch keine Namen mehr gebildet werden konnten.

In einer ausführlichen Studie habe ich gezeigt (Udolph, Germanenproblem S. 162-199), wie oft, wo und seit wann diese Ortsnamen wie etwa Artern bei Sangerhausen, Badra, Diever,  Drüber, Groß-, Klein-Fahner bei Langensalza, Gitter (OT. von Salzgitter), Gummer usw. vorkommen. Sie enthalten im ersten Teil, also vor dem -r-,fast immer einen Hinweis auf die Geographie, die Landschaft, Senken und Tiefen des Geländes usw. Es sind im Grunde genommen alte Flurnamen.

So auch bei Heldrungen. Allerdings ist an die ursprüngliche Grundform, am ehesten *Hald-ira, noch -ungen, anfangs -ung-, hinzugetreten. Dieses Element kennen wir gut auch aus thüringischen Ortsnamen, man denke an Birkungen, Bliedungen, Faulungen, Hallungen, Gerstungen, Salzungen u.v.a.m.

Die Bedeutung der Endung -ung(en)

Die Endung -ung(en) bedeutet so viel wie "Stelle, an der es das gibt", bei Birkungen die Birke, bei Salzungen Salz und bei Heldrungen *Haldira "eine Stelle an einem Hang, Abhang, einer Schräge". Das Ganze also etwa: "Siedlungsstelle an einem Hang, Abhang, an einer Schräge“.

Histor. Belege (nach E. Ulbricht und anderen Quellen)

  • 874 Heltrunga
  • 1003 in Haldrungin
  • 1128 Heldorongon
  • 1143 Helderingen
  • 1169 Heldrungen
  • 1186 Helderungen
  • 1197 Heldrungin, Halderunge
  • 1199/1233 Heldrunch
  • 1202 Haldrungen
  • (1203) Heldrugin
  • 1266 Hildrung
  • 1310 Helderingen ...

Südlich von Heldrungen liegt Oberheldrungen:

  • 1229 (Kopie) Gerboto de Hilderunge Minori (UB. Kloster Walkenried I, Nr. 161 S. 193)
  • 1294 Ober-Heldungen (Mencke, SRG I, S. 628)
  • 1414 daz dorff Obirn Helderungen (Horn, Friedrich UB, Nr. 190, S. 794)

Literatur-Angaben: * E. Förstemann, Altdeutsches Namenbuch, Bd. 2: Orts- und sonstige geographische Namen, l. Hälfte, Bonn 1913, Sp. 1334.

* J. Udolph, Bei den Siedlern am Hang. Die Bedeutung der Namen Heldra und Heldrastein, in: Das Werraland 51(1999), H. 1, S. 4-6

* J. Udolph, Namenkundliche Studien zum Germanenproblem, Berlin - New York 1994, S. 156.

* E. Ulbricht, Das Flußgebiet der Thüringischen Saale, Halle 1957, S. 74.

* H. Walther, Namenkundliche Beiträge zur Siedlungsgeschichte des Saale- und Mittelelbegebietes bis zum Ende des 9. Jahrhunderts, Berlin 1971, S. 232.