Luftbildaufnahme von Ellrich
Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo

Landkreis Nordhausen Ellrich

Ellrich ist die nördlichste Stadt Thüringens. Sie liegt im Landkreis Nordhausen.

Luftbildaufnahme von Ellrich
Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo

Historische Belege:

  • 876: (Kopie 10.Jh.) Alarichi (MGH DLdDt Nr. 170, S. 240)
  • (876) (Fälschung 11. Jh.): Alarici, Variante Adalrici  (MGH DLdDt Nr. 185, S. 270)
  • 12. Jh. (K. um 1160): Alrichestat (Trad. Fuld. (ed. Meyer zu Ermgassen), II, S. 284)
  • (1217/18-1226): de Elrike (UB. Walkenried I, Nr. 100, S. 147)
  • 1229: e Elrike (UB. Walkenried I, Nr. 158, S. 190)
  • 1230: de Elrike (UB. Walkenried I, Nr. 171, S. 202)
  • (1236): de Elrike (UB. Walkenried I, Nr. 217, S. 240)
  • 1256: ville Elrike …villam Elriche (UB. Walkenried I, Nr. 352, S. 348)
  • 1268: Elrich (UB. Walkenried I, Nr. 461, S. 421)
  • 1280: de Elriche (UB. Walkenried I, Nr.541, S. 474)
  • 1286: de Elrich (UB. Walkenried I, Nr. 592, S. 506)
  • 1292: Elrich (UB. Walkenried I, Nr. 656, S. 551)
  • 1332: Elrich (Posern-Klett, Münzen, S. 350)
  • 1495: Ellrich (Müller, ON. Nordhausen, S. 58)
  • 1627: Elrich (Kindervater, Feuer-Chronica, S. 131)

Dieser Ortsname wird gern als der "Ort des Alarich" gedeutet. Diesen Weg gingen u.a. H. Kaufmann und A. Werneburg. Jedoch beruht diese Interpretation ja nur auf einer einzigen Form aus den Fuldaer Traditionen (Codex Eberhardi) - Alrichestat-, bei der zudem noch unklar ist, ob damit wirklich Ellrich gemeint ist (skeptisch schon K.-H. Müller, Ortsnamen Nordhausen, S. 59).

Daher ist die (kaum bekannte) Deutung von K.-H. Müller (der auf älteren Vorschlägen, u.a. von Fr. Schmidt, aufbaut) vorzuziehen, die auch H. Walther vertreten hat: "Wohl altsächsisch alira, elira 'Erle' und Kollektivsuffix germ. -ikjo-, -ikja-, altsächsisch -ikki-, althochdeutsch -ihhi, mittelhochdeutsch -ech, -ich …".

H. Walther erwägt für den zweiten Teil auch mittelniederdeutsch reke "Reihe, Heckenzaun". Überzeugend zitiert K.-H. Müller Fr. Schmidt: "Er stellt den Ortsnamen zu althochdeutsch erila, elira, mittelhochdeutsch erle, nordisch ell, angelsächsisch aller, alor, niederdeutsch eller 'Erle, Ellern', die im wasserreichen Grunde rasch und üppig gedeihen" und meint weiter: "Diese Erklärung gewinnt auf Grund der Ortslage (an der Zorge) sehr an Wahrscheinlichkeit. Der Name Ellrich müßte dann entstanden sein aus althochdeutsch erila, elira, niederdeutsch aller und dem Suffix -ich, das dem Stammwort kollektive Bedeutung verleiht, d.h. das Vorhandensein einer Mehrzahl der Gegenstände, die das Stammwort bezeichnet, ausdrückt. Der Ortsname bekäme somit die Bedeutung: 'Ort, wo Ellern, Erlen wachsen'".

Das Suffix -ich(t) kennen wir heute noch aus dem Wort Röhricht, Dickicht und Kehricht, in Ortsnamen erscheint es auch in Tannicht, Weidicht, Birkicht u.a.

Die Deutung "Ort, an dem Erlen wachsen" wird auch bestätigt durch die Tatsache, dass noch heute die Flurbezeichnung Ellernhain für einen Auenwald nordwestlich der Stadt am Flusslauf der Zorge bekannt ist.

Literatur-Angaben: H. Kaufmann, Ergänzungsband zu: E. Förstemann, Personennamen, München-Hildesheim 1968, S. 27.

K.-H. Müller, "Die Ortsnamen der Kreise Nordhausen und Worbis". Masch.-Schr. Hausarbeit Jena 1954, S. 58f.

H. Walther, "Namenkundliche Beiträge zur Siedlungsgeschichte des Saale- und Mittelelbegebietes bis zum Ende des 9. Jahrhunderts", Berlin 1971, S. 243.

A. Werneburg, "Die Namen der Ortschaften und Wüstungen Thüringens", Nachdruck Köln-Wien 1983, S. 63.