Illustration des Ortsschildes von Mupperg vor Feldern und Häusern
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Landkreis Sonneberg Mupperg

Mupperg gehört zu Föritztal im Landkreis Sonneberg. Die Ortschaft liegt südlich des Thüringer Waldes an der Landesgrenze zwischen Thüringen und Bayern.

Illustration des Ortsschildes von Mupperg vor Feldern und Häusern
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Historische Belege

  • 1069: Muggiburc (Dobenecker I Nr. 877 S. 183)
  • 1071: Muggeburg (Dobenecker I Nr. 890 S. 185)
  • 1114: Muggeburg (Dobenecker I Nr. 1104 S. 233)
  • 1148: (Kopie) Mukkeburc(Dobenecker I Nr. 1602 S. 337)
  • 1162: Muggiburc (Schindhelm S. 56)
  • 1242: Muckeburg (Dobenecker III Nr. 1031 S. 172)
  • 1270: Mukeburc (Dobenecker IV Nr. 532 S. 79)
  • 1317: Mucceberg (Schindhelm S.56)
  • 1340: Mukberg (Jacob S. 85)
  • 1355: Mokburg (Schindhelm S. 56)
  • 1382: Mockburg (Schindhelm S. 56)
  • 1400: Mugburg (Jacob S. 85)
  • 1416: zcu Mogberg (Schindhelm S. 56)
  • 1444: zu Muckperg (Schindhelm S. 56)
  • 1453: Mugkberg (Jacob S. 85)
  • 1516: mockperg, mopperg(Schindhelm S. 56)
  • ca. 1528: Muckberg, Mupperg (Schindhelm S. 56)
  • 1659: Mupberg, Mupperg (Schindhelm S. 56)
  • 1720: Mupperg (Festschrift 950 Jahre Mupperg)
  • 1735: Mupparg, Mupperg (Schindhelm S. 56)

Zur Bedeutung des Ortsnamens:

Man ist sich einig, dass der Ort seinen Namen von dem Berg erhalten hat. Dieser "erhebt sich in majestätischer Dachform in früher öder, unkultivierter, sumpfiger Heidegegend" (Jacob S. 85). Der Berg ist eine kegelartige Erhebung (516 m), die die Linder Ebene beherrscht (W. Schindhelm).

Auszugehen ist von einer Form Muggi- oder Muggeburg, wobei das -burg allmählich - wie bei anderen Ortsnamen auch - in -berg übergeht. Bisher sind zwei Deutungen vorgeschlagen worden. G. Jacob denkt an ein ursprünglich keltisches Wort für "Schwein", gälisch muc, walisisch mog. Das könnte mit der Schweinezucht zu tun haben, wobei man die Schweine in einen Wald trieb und diese sich von den Bucheckern und Eicheln ernährten. Verbreiteter ist die Annahme, so etwa bei W. Schindhelm, dass es um eine ursprüngliche "Mückenburg" geht, zu altsächsisch muggia, althochdeutsch mucka, mittelhochdeutsch mucke, mittelniederdeutsch mugge.

Gegen diese Annahme spricht aber die Überlieferung des Namens ohne ein -(e)n-, wie sie bei Ortsnamen immer zu erwarten ist. W. Schindhelm liefert - angebliche - Vergleichsnamen wie Mückenburg/Müggenburg bei Hecklingen, Mückenburg bei Gr. Börnecke, Mückenburg bei Lübbesee, Mückenberg, Ortsteil von Lauchhammer u.a.m. Immer steht ein -n- vor -burg oder -berg. Daher kann diese Deutung bei Mupperg nicht zutreffen.

Ich möchte einen anderen Weg vorschlagen. Der auffällige Berg dürfte das Motiv der Namengebung gewesen sein. Und da bieten sich nordgermanische Wörter an, die H. Falk und A. Torp zusammengestellt haben: norweg. muge "zusammenhäufen", norweg. muga, muge "großer Haufe", schwed. dial. muga, altnord. mûgi "Masse, Hauf", angelsächs. mûga "Kornhaufe". Ferner gehören dazu angelsächs. mûha, mûga, schwed., schwed. dial. moa "zusammenhäufen".

Diese Wortsippe passt natürlich hervorragend zur Bezeichnung eines auffälligen Berges. Aber es fragt sich, wie ein Wort, das es nur in Skandinavien gibt, in einen mitteldeutschen Berg- und Ortsnamen gelangt ist. Zuwanderung aus dem Norden? Das hat man lange angenommen. Aber es gibt eine gute Parallele im Namen der Rhön.

Dieser gehört ebenfalls zu einer nur im Nordgermanischen bezeugten Sippe um altnord. hraun "steiniges Land, Geröllfeld" (in Island vor allem "Lavafeld"), dän. røn "Steinbank am Meeresgrund", isländ. hraun "steiniges Land ohne Vegetation". Die Erklärung für derartige Fälle kann nur lauten: Rhön und Mupperg sind sehr alte Namen. Die zugrunde liegenden Wörter waren früher auch den germanischen Siedlern in Thüringen bekannt, es verschwand aber später aus der Sprache der dortigen germanischen Bewohner. Das kann nur heißen: Die Namen entstammen somit einer alten germanischen Sprachschicht. Es ist davon auszugehen, dass Nord- und Mitteldeutschland zu den germanischen Kerngebieten gehören und dass die zugrunde liegenden Wörter auch in dieser Region einst zum Wortschatz gehörte, bis das Wort aus der Sprache verschwunden ist und nur in den Namen bewahrt blieb.

Wir haben in Mupperg aus Mugge-, Muggiberg somit einen altgermanischen Namen vor uns.

Literatur "Norwegisch-Dänisches etymologisches Wörterbuch" von H. Falk und A. Torp, 2. Aufl., Bd. 1, Bergen-Heidelberg 1960, S. 735

"Ortsnamen, Altdeutsches Namenbuch, Bd. 2: Orts- und sonstige geographische Namen, Teil 2" von E. Förstemann, Nachdruck Hildesheim usw. 1983, Sp. 330

"Die Ortsnamen des Herzogthums Meiningen" von
G. Jacob, Nachdruck Meiningen 2004, S. 85f

"Die Ortsnamen des Sonneberger Landes" von W. Schindhelm, Rudolstadt u. a. 1998, S. 56f

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag mit Haase und Waage | 07. März 2019 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2019, 11:10 Uhr