Unstrut-Hainich-Kreis Thamsbrück, Ortsteil von Bad Langensalza

Die Brücke, die fast vollständig im Ortsnamen "Thamsbrück" enthalten ist, spielt eine Rolle bei der Erklärung des Ortsnamens. Alles könnte aber auch mit einem Gericht zu tun haben.

Historische Belege:

  • (780-802) (Kopie 12. Jh.) in Tungesbrucgen, Varianten: Tungesbrucgen, Tungesbruggen  (UB Kloster Fulda Nr. 454 S. 480; Trad. Fuld. (ed. Meyer zu Ermgassen), II S. 134, 142, 148)
  • 1130 Tenigebroch(offensichtlich Verschreibung) (Dobenecker I Nr. 1249 S. 261)
  • 1174 Tungeßbrucken (Dobenecker II Nr. 492 S. 93 nach CDS I,2, Nr. 406)
  • 1191 Otto de Thungisbrucken (Codex diplomaticus Saxoniae I A II Nr. 569 S. 394)
  • 1206 Tungesbrucken(Eichler/Walther)
  • 1239 de Thungesbruchen (UB Pforte I Nr. 113 S. 139)
  • 1240 Dunigesbruge(Dobenecker III Nr. 922 S. 157)
  • 1250 in Tungisbrucken (Gudenus, Sylloge S. 312)
  • 1263 Tungesbruchen(Landgrafenregesten I Nr. 77)
  • 1265 in Tungesbruke (UB Stadt Mühlhausen Nr. 169 S. 63)
  • 1268 in Thungesbruchen (UB Stadt Mühlhausen Nr. 183 S. 69)
  • 1270 Tungesbrucken (Dobenecker IV Nr. 520 S. 77)
  • 1308 Tungisbrockin(Werneburg, S. 86)
  • 1315 in Dungisbrukin (Eichler/Walther)
  • 1318 Tungesbrucken(Eichler/Walther)
  • 1319 Tungesbrucken (Eichler/Walther)
  • 1350 Thungispruken; Tungesbrucke(n); Tumesbrucken; Thomasbrucken; Thomsbrucken (Eichler/Walther)
  • 1445 Thomesbrugken (Eichler/Walther)
  • 1487 Thummesbrucken, Thummesbruckin, Thummißbrucken (Lex S. 62)
  • 1506 Tungesbrucken(Werneburg, S. 86)
  • 1526 zu Thommesbrugk (Eichler/Walther)
  • 1704 Thammesbrücken(Kindervater, Feuer-Chronica S. 158)
  • 1724 Thambsbrück(Eichler/Walther)
  • 1833 Thamsbrück (König 2,16)

E. Förstemann vermutet in dem Ortsnamen einen Personennamen Dung-, dessen Bedeutung er allerdings nicht näher beschreiben kann. Er scheint aber auch in Düngstrup bei Wildeshausen, 872 Dungestorpe, 890 Dungasthorpe, Dungesthorp, in Dunsdorf bei Eichstädt, 1055 Tungesdorf u.a. vorzuliegen. H. Walther erwägt einen Personennamen Dungi oder aber althochdeutsch thungin "Gerichsvorsitzender". Ähnlich urteilt B. Lex. A. Werneburg spricht sich klar für thungius, den Vorsitzendes des Mallgerichts aus.

E. Eichler und H. Walther haben die verschiedenen Vorschläge m.E. wie folgt überzeugend zusammengefasst: "Das Erstglied enthält wohl einen germanischen Personennamen Dung, Tung, der eine Vokalvariante zu ahd. thing, ding Volksversammlung, Gerichtsverhandlung’ darstellt… Sollte bei Überlieferungsbeginn bereits eine Verkürzung des Erstgliedes vorliegen, wäre auch an den Thunginus ‘Gerichtsvorsitzender’ des fränkischen Rechts zu denken".

Dagegen kann aber vorgebracht werden, dass der Ortsname mit zu den am frühesten überlieferten thüringischen Ortsnamen gehört und demnach in den ersten Belegen als Thunginisbrück-, Dunginisbrück- o.ä. auftreten müsste. Das ist nicht der Fall, so dass man bei einem Personennamen Dungi o.ä. bleiben sollte.

Zum Bestimmungswort schreibt B. Lex: "Ortsnamen mit dem Grundwort -brück bzw. oberdeutsch nicht umgelautet -bruck und den Lokativformen -brücken, -brucken bezeichnen - es sind gewöhnlich Stellen, an denen ein fließendes Gewässer auf einer Brücke überschritten werden konnte". Es dürfte sich um eine Brücke über die Unstrut gehandelt haben, vielleicht dort, wo heute die Straße nach Langensalza führt. Der Ortsname dürfte somit als "bei der Brücke des Dungi oder Brücke des Dungi" zu verstehen sein.

Literatur-Angaben: E. Eichler, H. Walther, Städtenamenbuch der DDR, Leipzig 1986, S. 273f.
E. Förstemann, Altdeutsches Namenbuch, Bd. 2: Orts- und sonstige geographische Namen, l. Hälfte, Bonn 1913, Sp. 770f.
B. Lex, Ortsnamen der ‘Thüringischen Landeschronik’ (Codex Gothanus Chart. B 180), Mag.-Arbeit Jena 2001 (s. Internet), S. 62.)
J. Udolph, Namenkundliche Studien zum Germanenproblem, Berlin - New York 1994, S. 593.
H. Walther, Namenkundliche Beiträge zur Siedlungsgeschichte des Saale- und Mittelelbegebietes bis zum Ende des 9. Jahrhunderts, Berlin 1971, S. 246.
A. Werneburg, Die Namen der Ortschaften und Wüstungen Thüringens, Nachdruck Köln-Wien 1983, S. 86.

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2017, 13:33 Uhr