MDRfragt - Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland EM-Start: Die Fußball-Stimmung fehlt in diesem Jahr

Heute startet die Europameisterschaft, die aufgrund der Corona-Lage vom letzten auf dieses Jahr verschoben wurde. Von Fußball-Fieber kann kaum die Rede sein: Die Mehrheit der MDRfragt-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer finden, die Fußballstimmung ist in diesem Jahr gedämpfter als in anderen Jahren, das Interesse an den Spielen der deutschen Mannschaft geringer als sonst. Das ergab eine aktuelle Befragung, an der sich fast 18.000 Menschen aus Mitteldeutschland beteiligt haben.

Fan-Fest in der Innenstadt, Public Viewing in jedem Biergarten, Fußball-Party im Freundeskreis und Deutschlandflaggen auf Aktionspackungen im Supermarkt: Alle zwei Jahre, pünktlich zu Europa- oder Weltmeisterschaften, wurden weite Teile Deutschlands von der Fußball-Stimmung mitgerissen. In diesem Jahr aber kommt kein wirkliches Fußball-Fieber auf, finden 71 Prozent der MDRfragt-Mitglieder, die sich an der aktuellen Befragung beteiligt haben.

Fußballstimmung in diesem Jahr
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Einige MDRfragt-Mitglieder haben uns geschrieben, woran es aus ihrer Sicht in diesem Jahr liegt:

Kein Public Viewing, keine Stadionatmosphäre, verteilt über ganz Europa. Die sinnloseste EM ever. Werde Mühe haben, die deutschen Spiele zu sehen.

51-jähriger Teilnehmer aus Gera

Corona liegt wie ein Schatten auf der Seele. So richtige Fußballstimmung kommt im Moment noch nicht ganz auf. Vielleicht wird es aber noch, hoffentlich.

70-jährige Teilnehmerin aus dem Vogtlandkreis

Es liegt nicht an Corona. Viel mehr an der Art, wie der DFB "die Mannschaft" präsentiert. Die Identifikation fehlt. Da hab ich mich mehr über die U21 gefreut.

26-jähriger Teilnehmer aus Erfurt

Interesse an der EM in diesem Jahr geringer als sonst

Im Vergleich zu vergangenen Fußball-Europameisterschaften ist das Interesse der Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer an der EM in diesem Jahr geringer: Während sonst 57 Prozent die Spiele der deutschen Mannschaft selbst aktiv verfolgt haben, wollen dies in diesem Jahr nur 43 Prozent tun.

Interesse an den Spielen der deutschen Mannschaft
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Diejenigen, die angegeben haben, in diesem Jahr die Spiele der deutschen Nationalelf zu verfolgen, wollen dies in erster Linie allein oder mit dem engsten Kreis zuhause vor dem TV tun (83 %). Zusammen mit Freunden in kleinem Rahmen möchten 28 Prozent die EM-Spiele schauen. In Gaststätten oder Kneipen wollen nur 7 Prozent die Spiele verfolgen.

Frankreich klarer EM-Favorit der MDRfragt-Gemeinschaft

Die MDRfragt-Gemeinschaft ist großteils pessimistisch, was das Abschneiden der deutschen Nationalelf bei der EM angeht: Mehr als ein Fünftel (21 %) glaubt, dass die Mannschaft nicht über die Gruppenphase hinauskommen wird. Dass sie das Achtel- bis Halbfinale erreichen kann, glauben jeweils zwischen 12 und 18 Prozent. Dass Deutschland Europameister wird, glauben nur 3 Prozent. Favorit der MDRfragt-Gemeinschaft für den EM-Titel ist Frankreich. Weit abgeschlagen dahinter folgen Spanien und England als mögliche Gewinner des Turniers.

EM-Favoriten
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Hier einige der Tipps der MDRfragt-Mitglieder:

Ich glaube daran, dass es Deutschland schaffen kann, das Turnier zu gewinnen, denn wir sind schon immer eine Turnier-Mannschaft gewesen.

73-jähriger Teilnehmer aus Jena

Es wäre für mich eine totale Überraschung, wenn Deutschland gewinnt. Es ist immer so, das Außenseiter für Überraschungen sorgen.

68-jährige Teilnehmerin aus dem Landkreis Stendal

Falls die deutsche Mannschaft die Gruppenphase übersteht, kann es weit gehen. Wer sich gegen Frankreich und Portugal durchgesetzt hat, der kann mit etwas Glück bis ins Finale kommen. Aber das muss erstmal geschafft werden.

52-jähriger Teilnehmer aus der Börde

EM trotz Corona: Nur knappe Mehrheit findet das richtig

Dass die EM trotz der andauernden Corona-Lage stattfindet, finden 48 Prozent richtig – und damit nur etwas mehr als die, die es falsch finden (43 %).

EM trotz Corona
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Bei den EM-Spielen in München dürfen bis zu 14.000 Fans dabei sein. Die MDRfragt-Gemeinschaft ist geteilter Meinung, was diese Entscheidung betrifft: Genauso viele, wie sie genau richtig finden, finden auch, dass die Spiele in Deutschland ganz ohne Publikum hätten ausgetragen werden sollen (30 %). 19 Prozent der Befragungsteilnehmerinnen und –teilnehmer finden, es hätte mehr Publikum zugelassen werden sollen. Nur etwas weniger (14 %) sind der Ansicht, es hätte dagegen weniger sein sollen.

Auch hierzu haben uns viele Kommentare erreicht:

Schulen und Schwimmbäder sind teilweise noch geschlossen, aber auf einmal dürfen 14.000 Zuschauer ins Stadion, was die ganze Zeit nicht ging trotz Studien. Frechheit, wie sich wieder einmal die Politik vorführen lässt.

36-jähriger Teilnehmer aus Leipzig

Zum einen ist es aufgrund der Pandemie-Lage unverantwortlich, zum anderen bekommt der Fußball Sonderrechte zugesprochen, die sonst kein anderer Sport erhält. Das ist nicht nur unverantwortlich, sondern auch unfair anderen Sportarten gegenüber.

33-jähriger Teilnehmer aus Magdeburg

Ich denke, die Verantwortlichen wissen, was sie tun und wenn sie 14.000 Zuschauer für lvertretbar halten, sollte das auch möglich sein. Man hat ja zurzeit schon viele Sicherheiten - ein Teil der Zuschauer wird schon geimpft sein, der Rest muss sich durchtesten lassen. Dann halt alle gültigen Hygieneauflagen, die im Alltag auch umgesetzt werden. Dann sollte das schon gefahrlos möglich sein.

59-jährige Teilnehmerin aus dem Wartburgkreis

Besser als Geisterspiele, das hatten wir lange genug. Vielleicht bringt nur ein bisschen Stimmung auch die Spieler und Zuschauer wieder näher zusammen und ist ein zusätzlicher Anreiz für gute Leistungen und interessante Spiele.

39-jährige Teilnehmerin aus dem Landkreis Bautzen

Mehrheit für Beibehaltung von Hygienekonzepten nach Corona

Bei einer der vorherigen Befragungen, an der sich Ende Mai knapp 19.000 Menschen beteiligt haben, hat sich eine Mehrheit (59 %) dafür ausgesprochen, auch nach der Corona-Zeit Hygienekonzepte bei Sportveranstaltungen beizubehalten. Darüber und über die Lockerungen hinsichtlich des Publikums bei Sportveranstaltungen haben wir im Livestream diskutiert:

Über diese Befragung Die Befragung vom 07.-10.06.2021 stand unter der Überschrift: "Europameisterschaft in Corona-Zeiten: Kommt Fußball-Fieber auf?"

An der Befragung haben 17.873 Menschen teilgenommen. Aktuell sind bei MDRfragt 43.914 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen angemeldet.

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 29 Jahre: 310 Teilnehmende
30 bis 49 Jahre: 2.921 Teilnehmende
50 bis 64 Jahre: 7.524 Teilnehmende
65+: 7.118 Teilnehmende

Verteilung nach Bundesländern:
Sachsen: 8.828 (49 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 4.898 (27 Prozent)
Thüringen: 4.147 (24 Prozent)

Verteilung nach Geschlecht:
Männlich: 56 Prozent
Weiblich: 44 Prozent

Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Alter gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen.

Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet. Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht.

Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "MDRfragt". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | MDR JUMP bei der Arbeit | 11. Juni 2021 | 10:00 Uhr