Corona - und dann? Pädagogin fordert mehr Sozialarbeit an Schulen

Die Sozialpädagogin Constanze Berndt fordert ein klares Bekenntnis zur Schulsozialarbeit. Denn in den Schulen geht es nach ihrer Ansicht nicht nur ums Vermitteln von Lernstoff, sondern auch um Allgemeinbildung, Nachhaltigkeit und das Miteinander. Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter könnten da einen wichtigen Beitrag leisten.

Sozialarbeiterin diskutiert mit Schülerinnen einer achten Klasse
Eine Sozialarbeiterin diskutiert mit Schülerinnen einer achten Klasse. (Symbolfoto) Bildrechte: imago/Busse

Die Sozialpädagogin und Hochschulprofessorin Constanze Berndt hat mehr Sozialarbeiterinnen und -arbeiter an deutschen Schulen gefordert. Gegenwärtig gebe es in Deutschland nur rund einen Schulsozialarbeiter pro 600 Schülerinnen und Schüler. Ein sinnvoller Schlüssel sei jedoch eins zu 150, sagte die Professorin der Evangelischen Hochschule in Dresden MDR THÜRINGEN. Wichtig sei, dass Schulsozialarbeit als eigenständiger Beruf wahrgenommen werde - sowohl von den Lehrern als auch von den Schulleitungen.

Gerade während der Corona-Pandemie hätten die Schulsozialarbeiter und -arbeiterinnen die Lehrerinnen und Lehrer unterstützt, damit das Unterrichten weitergehe. Das hätten ihre aktuellen Forschungsumfragen ergeben. Eine solche "Feuerlöscheraufgabe" sei jedoch langfristig nicht das Ziel. Schulsozialarbeiterinnen sollten nicht Kernaufgaben von Lehrerinnen übernehmen, sondern eigenständig arbeiten.

Sozialarbeiter helfen und beraten bei verschiedenen Themen

Es gelte, sagte Constanze Berndt, die Chancen aus der Pandemie zu nutzen. Die moderne Schule des 21. Jahrhunderts sollte auch Kompetenzen wie Allgemeinbildung oder Werte wie Unterstützung Anderer, Humanität und Nachhaltigkeit lehren. Hier leiste insbesondere Schulsozialarbeit einen großen Beitrag. Außerdem würden Schulsozialarbeiter zu Fragen wie Berufsorientierung, Sexualpädagogik, Demokratie oder Kindeswohlgefährdung beraten.

Wir können eben nicht mehr von der Lern- und Paukschule oder der Disziplinschule des letzten Jahrtausends sprechen in Anbetracht der Pluralisierung von Lebenslagen der sich wandelnden Gesellschaft.

Constanze Berndt

Berndt sagte, wenn Lehrer und Schulleitungen bereit und in der Lage seien, eine weitere Berufsgruppe an ihrer Schule zu akzeptieren, die eine andere Sicht auf Kinder und Jugendliche habe als eine leistungs- und lernreduzierte Perspektive, dann seien Weichen gestellt, Schule neu zu denken und weiterzuentwickeln.

Nötig sei dazu auch ein politisches Bekenntnis. Gerade in den Ländern Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sei die Politik durchaus bereit, die traditionelle Vorstellung von einer "zertifikats- und notenorientierten Schule" zu erweitern. Berndt sagte: "Wir können eben nicht mehr von der Lern- und Paukschule oder der Disziplinschule des letzten Jahrtausends sprechen in Anbetracht der Pluralisierung von Lebenslagen der sich wandelnden Gesellschaft."

Schulsozialpädagogin Constanze Berndt 2 min
Bildrechte: Constanze Berndt

Wie soll die Schule der Zukunft aussehen?

Die Sozialpädagogin fordert insofern ein klares Bekenntnis zu einem erweiterten Verständnis von Schule. In Bezug auf die gegenwärtig geäußerten Ängste hinsichtlich verloren gegangener Lernzeit der Schüler sagte sie, Lernen sei ein lebenslanger Prozess. Natürlich hätten Kinder auch während der Pandemie außerhalb der Schule gelernt. Die Frage sei eher, was und wie das nun in den Schulalltag integriert werden könne.

Sicherlich hätten sich bei manchen Kindern "Schieflagen", die bereits vor der Pandemie existierten, nun verschärft, so Berndt. Die Zahl der schulmüden Kinder oder jener Schüler, die gar nicht mehr zur Schule kämen, sei vermutlich angewachsen. In ihren Umfragen habe sich auch gezeigt, dass digitale Technik nur unterstützen könne, jedoch die Schulpräsenz kaum ersetzen könne. 

Zur Person Professorin Constanze Berndt ist Hochschullehrerin an der Evangelischen Hochschule in Dresden und leitet dort den Lehrstuhl "Soziale Arbeit und Schule".

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Mit dem Smartphone holt sich diese Patientin ihren Arzt direkt ins Wohnzimmer
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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 19. Juni 2021 | 06:00 Uhr

15 Kommentare

Sozialberuflerin vor 6 Wochen

Gut ausgebildete Lehrer,
kleinere Klassen,
sanierte Schulen/Kitas,
einheitliches Bildungswesen,
in Kitas /Horten ein besserer
Betreuungs - /Personalschlüßel
und Inklusion /Integration die Sinn macht

Dann kann eine einzige/r Schulsozialarbeiter/In ihren Job machen wie er gebraucht wird und es braucht nicht 3 und mehr an Schulen!

Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken!

Man schafft sich diese Probleme selbst und will sie mit "Makulatur" überkleben!

Außerdem müssen Eltern viel mehr in die Pflicht genommen werden, sich einzubringen und selbst auch tätig zu werden!

Von Anfang an!!

Nicht nur Kinder bekommen, sich sonst rar machen und die Gestaltung des Lebens dieser Kinder Erzieher und Lehrern überlassen!

Nein... Nicht alle sind so!
Jedoch zieht sich dieses Denken durch alle soz. Schichten und verbreitet sich immer mehr!

Eltern werden ist nicht schwer, Eltern SEIN dagegen sehr!!

Ernst678 vor 6 Wochen

Es gibt inzwischen Tabus in unserem Bildungswesen über die unter Strafe nicht gesprochen werden darf. Und der Artikels der Frau Bernd folgt dieser Vorgabe, nur nicht die wirklichen Ursachen benennen sondern über Symptome schwurbeln. Schulmüde Kinder, Schieflage, verlorene Lernzeit, Schule der Zukunft und das wird ratzfatz alles mit mehr Sozialarbeiter in Schulen gelöst. Zu den Ursachen kein Wort. Überfremdung in unserer Schulen schafft jede Menge Konflikte, Ideologievermittlung anstatt Wissen (FfF, Religion, usw.), Überwachung und Beeinflussung von Eltern mit Hilfe der Kinder, Senkung des Leistungsniveau um mehr durchzuschleppen, usw. Und die Schule der Zukunft? Schon jetzt werden Nanopartikel verimpfen und Politiker sind immer geiler darauf das bei Kindern zu tun, dann folgen Chips und dann die totale Kontrolle.

Ernst678 vor 6 Wochen

Das was Frau Bernd fordert ist an Realitätsferne kaum noch zu überbieten. Sie doktert an Symptomen anstatt mal die Ursachen aufzuzeigen. Was soll der Schwachsinn durch weniger Wissensvermittlung mehr Bildung schaffen zu wollen und das in einem Umfeld welches Wissensvermittlung immer mehr erschwert. Das inflationäre Eindringen von Kindern aus wissensfernen ausländischen Kulturen, wo z.B. das Auswendiglernen des Korans Bildung ersetzt, und deren Auftreten den Unterricht stört, z.T. gar unmöglich macht, schafft natürlich Konflikte zumal der ideologische Zwang unübersehbar ist. Wäre es nicht besser anstatt Sozialarbeiter mehr kompetentes Lehrpersonal zu haben mit mehr Befugnisse Konflikte auch mal mit drastischen Maßnahmen beenden zu können ohne gleich vom Schulleiter als Rassist abgestempelt zu werden? Genau diese Zwangsideologie hat inzwischen viele fähige Pädagogen dazu gebracht nur noch "Dienst nach Vorschrift" zu machen was unser Bildungswesen immer schlechter macht!

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