Bildung Abschied vom Schulbus: Wie Tonndorf zu seiner eigenen Schule kommt

Autorenbild Conny (Cornelia) Mauroner
Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Die Schullandschaft im Weimarer Land wird reicher: Im südlichen Kreis gründet sich gerade die "Freie Talschule Tonndorf". Der Initiative des Vereins Talvolk haben sich inzwischen etliche Eltern angeschlossen. Bereits im September soll die neue Schule eröffnen.

Kinder mit Ranzen stehen vor einem Schulbus
Jeden Morgen brausen die Schulbusse durchs südliche Weimarer Land und sammeln Kinder ein. Mit einer eigenen Schule in Tonndorf können diese Wege kürzer werden (Foto: Archiv). Bildrechte: Colourbox.de

Jeden Morgen brausen die Schulbusse durchs südliche Weimarer Land, klappern die Dörfer ab und sammeln Kinder ein. Sie alle gehen in entfernten Orten zur Schule. Ein Bild, was Thomas Meier schon lange stört. "Das Lernen vor Ort ist ausgestorben", sagt Meier, "die Kinder sind kaum mehr in ihren Heimatorten verwurzelt."

Gut 20 Menschen engagieren sich für Schule in Tonndorf

Meier besinnt sich auf frühere Zeiten, in denen jedes Dorf eine Schule hatte, und er findet Unterstützer. Vor zwei Jahren waren es eine Hand voll Leute, inzwischen sind sie gut 20 im Team. Mit dabei ist auch Constanze Eckert. Die Diplom-Ingenieurin für Landschaftsarchitektur hat selbst drei Kinder und weiß um den Bedarf an guter Bildung. Gerne möchte sie selbst Teil des Lehrerinnen- und Lehrerteams sein. Aktuell bildet sie sich zur Naturpädagogin weiter.

Pferde mit Sätteln stehen vor einem Burgeingang.
Fest auf Schloss Tonndorf: Im Mittelpunkt des pädagogischen Konzeptes der Schule steht die Region. Handwerksbetriebe und Gärtnereien, aber auch Schloss Tonndorf und die Imker werden in die Bildungsarbeit eingebunden (Foto: Archiv). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Constanze Eckert hat mitgefeilt an einem besonderen pädagogischen Konzept. Im Mittelpunkt stehen dabei das Umfeld, die Region. Handwerksbetriebe, Gärtnereien, der Imker und auch der Förster im Ort werden eingebunden in die Schularbeit. "Es ist ein Geben und Nehmen. Die Menschen reagieren sehr offen", sagt Meier. Die Kinder sollen also in die Betriebe in Klettbach, Nauendorf oder Tiefengruben gehen. Lernen am anderen Ort: im Freilichtmuseum Hohenfelden zum Beispiel.

Lernen in der Natur

Vor allem aber sollen Schülerinnen und Schüler in der Natur lernen. "Selbst Mathe und Deutsch lassen sich wunderbar ins Freie verlegen", sagt Eckert. Sie will mit den Kindern Bäume vermessen und Staudämme bauen, Tierspuren lesen und mit Naturfarben färben. "Der vorgegebene Lehrplan ist vielseitig und bietet sich geradezu dafür an." Die Kinder in ihrem Bewegungsdrang einzuschränken und stundenlang an Tische und Stühle zu fesseln, das mag sie nicht.

Zwei Kinder balancieren im Wald auf einem Baumstamm
Auf Baumstämmen balancieren, Staudämme bauen und Tierspuren lesen: Die Kinder der Schule sollen künftig viel draußen sein und lernen. Bildrechte: Colourbox.de

Immer mehr Menschen folgen dieser Idee. Obwohl das Schulhaus noch fehlt, gibt es schon Anmeldungen. Gestartet wird mit den Klassen 1 bis 3. "Zehn Kinder werden es maximal in einer Klasse sein", verrät Thomas Meier. Am Ende soll die Schule bis zur 10. Klasse wachsen, rund 100 Kinder sollen in die Schule gehen. Doch der Weg bis dahin ist noch weit.

Das perfekte Schulgebäude ist noch nicht gefunden

Zumal das perfekte Gebäude noch nicht gefunden ist. Die Initiatoren würden gern das Tonndorfer Schullandheim mit nutzen, das dem Landkreis gehört. Gespräche mit dem Landratsamt laufen. Doch auch die alte Dorfschule hätte Charme. Das 1875 erbaute Haus steht aktuell zum Verkauf. Brandschutzrechtliche Voraussetzungen werden geprüft.

Tonndorf mit Schloss
Blick auf Tonndorf: Markenzeichen des Ortes ist das Schloss. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Finanziell scheint das Projekt in trockenen Tüchern. Es gibt eine Bank, die einen Kredit zugesagt hat. Zudem gibt es Bürgschaften von Unterstützern und Eltern. "Weitere Geldgeber sind natürlich willkommen." Nach drei Jahren Schulbetrieb springt auch der Freistaat ein. Dann hätte die Schule Anspruch auf staatliche Förderung. Bleibt abzuwarten, was das Thüringer Bildungsministerium zur geplanten Schulgründung sagt. "Die Signale sind sehr positiv. Mündliche Zusagen gibt es bereits", berichtet Thomas Meier. Es sind kleine Stellschrauben, an denen der Verein Talvolk e.V. noch drehen muss. Eine davon allerdings ist die Frage nach dem Personal. Erzieher und Sonderpädagogen gibt es schon.

Was fehlt, ist ein ausgebildeter Grundschullehrer. Doch auch den, ist sich Meier sicher, finden sie noch. Dann steht einer Eröffnung der "Freien Talschule Tonndorf" im September nichts mehr im Weg.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 07. Mai 2021 | 18:10 Uhr

1 Kommentar

Ritter Runkel vor 6 Wochen

Was sollen Kinder vom Handwerker vor Ort zum Beispiel dem Fleischer, denn lernen - schlachten?
Also ich finde, dies als pädagogisches Konzept zu bezeichnen, ist schon mehr als abwegig!

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