mdrFRAGT - Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland Mitteldeutsche Eltern unzufrieden mit Lockerungsbeschlüssen

Die Konzepte der drei mitteldeutschen Bundesländer, wann und in welchem Umfang Schulen und Kitas geöffnet werden, unterscheiden sich stark. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen der aktuellen Befragung von mdrFRAGT wider: Die Meinungen zu den Lockerungskonzepten und dem Lernen in der Corona-Zeit gehen zwischen den Befragten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen deutlich auseinander.

Eltern in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind mit den aktuellen Regelungen zur Öffnung von Schulen und Kitas nicht zufrieden. Das ergab eine Befragung durch das MDR-Meinungsbarometer "mdrFRAGT", an der sich mehr als 16.700 Menschen beteiligten, darunter knapp 3.900 Eltern. Demnach befürwortet nur etwa ein Drittel der Erziehungsberechtigten das jeweilige Konzept zur Schulöffnung. Etwa 35 Prozent halten die Lockerungen für nicht ausreichend, rund 30 Prozent hingegen für zu zeitig. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim derzeitigen Umgang mit den Kita-Einrichtungen in den Ländern.

Ein Diagramm mit Umfragewerten
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Deutliche regionale Unterschiede:

Jedoch bewerten die Eltern die Konzepte in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich. So halten der Befragung nach mit 37 Prozent vor allem die Eltern in Sachsen die Öffnungen der Schulen für zu früh und zu weitgehend. Sachsen hat von den drei mitteldeutschen Bundesländern das am weitesten gehende Öffnungskonzept, mit Präsenzunterricht für alle Grundschulkinder und Betreuung für alle Kita-Kinder ab dem 18. Mai. In Sachsen-Anhalt sind es dagegen nur 24 Prozent, in Thüringen 21 Prozent der Eltern.

Ein Diagramm mit Umfragewerten
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Ich finde die Öffnung von Schule und Kitas gut. Jedoch die Bedingungen, welche daran geknüpft sind, können nicht eingehalten werden. Ich hoffe, dass der riesige Aufwand sich lohnt und nicht umsonst war.

Mutter aus Sachsen

Mein Kind war am Mittwoch wieder in der Schule, da konnte ich beobachten, dass die Schüler keinen Abstand zu anderen eingehalten haben. Das Hygienekonzept wird nicht funktionieren.

Mutter aus Sachsen-Anhalt

Ich wünsche mir, dass die Schule im Rahmen des Möglichen für alle Kinder wieder öffnen. Als alleinerziehende berufstätige Mama von zwei Schulkindern sind wir alle an unsere Grenzen gestoßen.

Mutter aus Thüringen

Unzufriedenheit auch bei Kita-Öffnungen

Noch deutlicher fällt die Unzufriedenheit mit dem Lockerungskonzept beim Thema Kita aus: Hier finden insgesamt 42 % der Befragten die Lockerungen nicht ausreichend. Auch hier zeigen sich regionale Unterschiede: Besonders unzufrieden sind die Kita-Eltern in Thüringen: 53 % von ihnen finden, die Lockerungen ihres Bundeslandes sind nicht ausreichend. In Sachsen-Anhalt sind es 47 % der Eltern, in Sachsen 32 %.

Ein Diagramm mit Umfragewerten
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Feste Gruppen in Kindergärten machen keinen Sinn. Wenn eine Erzieherin krankheitsbedingt ausfällt, stürzt dieses Kartenhaus zusammen und Gruppen müssen zusammengelegt werden.

Vater aus Sachsen

Ich habe den Eindruck, hier wird der Öffnungs-Druck auf dem Rücken der Kleinsten und Schwächsten ausgetragen. Hier kann erheblicher psychischer Schaden angerichtet werden. #Verlust der Bezugserzieherin

Vater aus Sachsen

Kinder brauchen andere Kinder. Besonders Einzelkinder leiden unter Isolation. Ab Montag kann unsere Tochter wieder in die Kita, es hätte nicht länger dauern dürfen.

Vater aus Sachsen-Anhalt

Die Ergebnisse der Befragung hier im Video sehen:

Umfang der Schulaufgaben unterschiedlich bewertet

In der Corona-Zeit bekamen die Schulkinder Aufgaben von ihren Lehrerinnen und Lehrern zugeschickt. Der Umfang der Aufgaben fiel offenbar sehr unterschiedlich aus: Genauso viele Eltern, die den Umfang der Aufgaben genau richtig fanden, fanden sie als zu umfangreich und hätten sich weniger Aufgaben für ihr Kind gewünscht (je 37 %). 15 % hätten sich dagegen mehr Aufgaben gewünscht. Besonders unzufrieden waren die Thüringer Eltern mit dem Umfang der Aufgaben: Jeder Fünfte (20 %) gab an, dass die Aufgaben nicht ausreichend waren – deutlich mehr als beispielsweise in Sachsen, wo nur 13 % der Eltern dies beklagten.

Sachsen Spitzenreiter bei digitalem Lernen in Corona-Zeit

Lernen in Corona-Zeiten war auch die Zeit der Entdeckung des Digitalen: Lern-Apps, Lernplattformen und Videokonferenzen etwa standen plötzlich bei vielen Schülern auf der Tagesordnung. Nach den Ergebnissen von mdrFRAGT war Sachsen im Vergleich der drei mitteldeutschen Länder Spitzenreiter bei der Nutzung der E-Learning-Angebote: 61% der Eltern geben an, dass ihre Kinder digitale Lernmethoden genutzt haben.

Nicht nur Ausstattung mit IT sollte im Fokus stehen, sondern auch ein Konzept für Digitales Lernen, Datenschutz, Umgang mit Medien sollte einheitlich geregelt werden.

Vater aus Sachsen

Mein Kind hat dadurch einen besseren Umgang mit den digitalen Medien und Geräten erlernt.

Vater aus Thüringen

Frontalunterricht kann nicht 100% durch Digitalunterricht ersetzt werden, nicht alle Schüler werden erreicht, viele Lehrer haben nicht genügend Kenntnisse!

Mutter aus Sachsen-Anhalt

In Thüringen und Sachsen-Anhalt ist dies nur bei 44 % der Fall. Dementsprechend hätten sich in auch mehr thüringische (55 %) und sachsen-anhaltische (52 %) Eltern einen stärkeren Einsatz von E-Learning-Formen gewünscht als sächsische (45 %). Fast ein Drittel (31 %) der sächsischen Eltern fand den Umfang des Einsatzes genau richtig – in Thüringen waren dies nur 18 % der Eltern.

Ein Diagramm mit Umfragewerten
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Große Zufriedenheit mit Notbetreuung in Grundschule und Kita

Fast ein Viertel (24 %) der befragten Eltern mit Kita-Kindern hat die Notbetreuung genutzt. 91 % von ihnen waren sehr oder eher zufrieden damit.

Auch bei den Eltern von Grundschulkindern ist eine große Zufriedenheit erkennbar: 78 % von ihnen waren mit dem Angebot in Grundschule und Hort sehr oder eher zufrieden. Allerdings haben nur 6 % unserer Befragten die Notbetreuung bei Schulkindern genutzt – oder nutzen können.

Kindermalereien und ein Banner mit der Aufschrift Wir Vermissen Euch hängen am Kinderhaus Pittiplatsch in Potsdam-Babelsberg
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Über die Befragung In einer Befragung vom 14. bis zum 18. Mai 2020 wollten wir von den mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmern wissen: "Corona-Öffnungswettlauf - Chaos oder Erleichterung?"
An der Befragung haben 16.778 Menschen teilgenommen, davon 3.858 Eltern. Insgesamt sind mittlerweile 26.000 registrierte Mitglieder Teil der mdrFRAGT-Gemeinschaft.

52 Prozent der Befragten kommen aus Sachsen, 24 Prozent aus Sachsen-Anhalt und 23 Prozent aus Thüringen. Das entspricht in etwa der Verteilung der Einwohner in den drei Bundesländern.

55 Prozent der Befragten sind männlich und 45 Prozent weiblich.

In der Altersgruppe von 16 bis 30 Jahren haben drei Prozent, von 31 bis 50 Jahren 20 Prozent, von 51 bis 64 Jahren 40 Prozent und in der Altersgruppe von über 65 Jahren 37 Prozent teilgenommen.

Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Beruf gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen.

Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet. Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht.

Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "mdrFRAGT". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um elf | 18. Mai 2020 | 11:00 Uhr