mdrFRAGT - Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland Große Mehrheit für Normalbetrieb an Schulen nach den Sommerferien

Es wäre das Ende vieler Monate mit Homeschooling und tageweisen Schulbesuchen: Sachsens Kultusminister Christian Piwarz hat angekündigt, dass es nach den Sommerferien für alle sächsischen Schüler wieder Normalbetrieb geben soll. Drei Viertel der rund 15.000 Befragungsteilnehmenden von mdrFRAGT sind dafür, dass die Schulen nach dem Sommer öffnen. Mit dem Homeschooling und der Digitalkompetenz der Lehrer zeigten sich die Eltern in der Befragung unzufrieden.

Rund drei Viertel (76 %) aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer der aktuellen Befragung sprechen sich dafür aus, dass die Schulen nach den Sommerferien wieder ganz normal geöffnet werden – entweder uneingeschränkt oder dann, wenn die Infiziertenzahlen auf dem jetzigen Stand bleiben und nicht wieder ansteigen.

 Vollständige Schulöffnung nach den Ferien
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Weitere 18 Prozent halten eine vollständige Schulöffnung für richtig, wenn die Infiziertenzahlen weiterhin kontinuierlich sinken. Gegen eine vollständige Öffnung sprechen sich nur 4 Prozent aus.

Große Unzufriedenheit beim Thema Homeschooling

Lange fristete die Digitalisierung an Deutschen Schulen ein Schattendasein, dann musste quasi über Nacht auf Homeschooling umgeschwenkt werden. Dass die Kanäle in Mitteldeutschland dafür offenbar nur unzureichend ausgebaut waren, zeigt unsere Befragung: In fast allen abgefragten Bereichen ist die Mehrheit der Eltern, die sich an der Befragung beteiligt haben, unzufrieden mit dem digitalen Lehrangebot für ihre Kinder. Besonderen Nachholbedarf gibt es offenbar bei den Angeboten von Videokonferenzen (69 % eher bis sehr unzufrieden) und der Kreativität der Angebote (60 %).

Unzufriedenheit beim Homeschooling
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Einzig mit der Verständlichkeit der Homeschooling-Anforderungen zeigt sich eine knappe Mehrheit zufrieden (64 %). Beim Thema Kommunikation mit dem Lehrer sind genau so viele zufrieden wie unzufrieden.

Große Unterschiede zwischen den Bundesländern

Wie auch schon in Vorgängerbefragungen fällt auf, dass es beim Thema Homeschooling große Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt. So sind die Eltern in Sachsen im mitteldeutschen Vergleich am zufriedensten mit den Angeboten, die Eltern in Sachsen-Anhalt am unzufriedensten.

Digitalkompetenz: Bei Schülern Top, bei Lehrern Flop

Die mitteldeutschen Eltern stellen den Schülern zwar ein gutes Zeugnis beim Thema Digital- und Medienkompetenz aus (71% halten diese für überwiegend bis sehr gut). Für die Lehrer fällt das Bild jedoch recht duster aus: Nur 34% der Eltern halten die Kompetenzen der Lehrer auf diesem Feld für sehr gut oder überwiegend gut – ein Großteil hält sie für mangelhaft.

Digitalkompetenz von Schülern und Lehrern
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Zu diesem Thema haben uns auch viele Kommentare von Lehrerinnen und Lehrern erreicht:

Die Internetverbindung ist auf dem Dorf teilweise so schlecht, dass Lernplattformen nicht genutzt werden können. Was dann? Man muss sich dann als Lehrkraft viel einfallen lassen um alle Schüler gleich mit Materialien zu versorgen. Das habe ich natürlich von meinen privaten Laptop / Drucker etc. aus gemacht. Da könnte schon mehr Unterstützung vom Kultus kommen.

34-jährige Befragungsteilnehmerin aus Mittelsachsen

Es fehlt erstens an der technischen Ausstattung, sowohl bei den Kindern als auch bei uns. Wir haben weder Dienst-Laptops noch Tablets noch sonst irgendwas. Wir bekommen nicht einmal Softwarelizenzen für private Rechner, auch beteiligt sich der Arbeitgeber nicht an Kosten für Internetanschluss und Telefon. Bei den Kindern ist die Ausstattung ebenfalls völlig unklar und selbst wenn vorhanden, auch uneinheitlich. Wie wir da vernünftig digital unterrichten sollen ist mir noch immer schleierhaft. Selbst wenn wir Ausrüstung bekämen, bräuchten wir Fortbildungen und ein irgendwie geartetes Nutzungskonzept.

35-jährige Befragungsteilnehmerin aus Wittenberg

Beim digitalen Lernen sind manche Kinder nicht in der Lage, die Aufgaben zu lösen, weil ganz einfach zu Hause die Technik fehlt (wir stellten in regelmäßigen Abständen Aufgaben auf die Schulhomepage und mit Zeitverzögerung die entsprechenden Lösungen). Leider befasste sich nur etwa die Hälfte der Schüler damit. Kinder mit Lernproblemen fehlt die Anleitung und Hilfe - sie fallen immer mehr zurück, es fehlt auch die Motivation. Digitales Lernen mit entsprechender Technik, um mit den Kindern zu kommunizieren, versuchen vor allem jüngere Kollegen, die wegen technischer Grundvoraussetzungen oder des Datenschutzes aber auch an ihre Grenzen stoßen.

61-jährige Befragungsteilnehmerin aus Erfurt

Ungleichheit zwischen Schülern verstärkt

Die meisten Eltern gehen davon aus, dass Homeschooling die Ungleichheit zwischen den Schülern verschärft. 43 Prozent sagen, dass sie solch eine Verschärfung bereits definitiv beobachten konnten, weitere 32 Prozent sehen zumindest Anhaltspunkte für eine derartige Verschärfung.

Verschärft sich die Chancenungleichheit?
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Über die Befragung In einer Befragung vom 03. bis zum 06. Juli 2020 wollten wir von den mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmern wissen: "Rekordschulden und dauerhafte Umbrüche – Inwiefern verändert Corona unser Leben dauerhaft?"

An der Befragung haben 14.946 Menschen teilgenommen, davon 1.864 Erziehungsberechtigte von Schulkindern. Insgesamt sind mittlerweile 29.139 registrierte Mitglieder aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Teil der mdrFRAGT-Gemeinschaft.

52 Prozent der Befragten kommen aus Sachsen, 24 Prozent aus Sachsen-Anhalt und 24 Prozent aus Thüringen. Das entspricht in etwa der Verteilung der Einwohner in den drei Bundesländern.

56 Prozent der Befragten sind männlich und 44 Prozent weiblich.

Die Teilnehmer dieser Befragung verteilen sich auf folgende Altersgruppen:
305 Menschen sind zwischen 16 und 30 Jahre alt,
2.767 zwischen 31 und 50 Jahren,
6.162 zwischen 51 und 64 Jahren und
5.712 Teilnehmer sind 65 Jahre und älter.

Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Beruf gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen.

Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet. Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht.

Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "mdrFRAGT". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags Direkt | 14. Juli 2020 | 20:00 Uhr