mdrFRAGT - Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland Jeder vierte Mitteldeutsche schätzt den Kontakt zu Kollegen durch Corona wieder mehr

Die Corona-Krise hat die Sicht auf die Arbeit verändert. Vor allem die Bedeutung des Arbeitsplatzes ist wieder mehr in den Blick gerückt, wie die aktuelle Befragung des MDR-Meinungsbarometers mdrFRAGT anlässlich des Tags der Arbeit am 1. Mai zeigt. Mehr als 12.000 Bewohner aus Mitteldeutschland haben abgestimmt. So schätzt jeder Vierte den Kontakt zu seinen Kollegen wieder mehr als vor der Krise. Mehr als ein Viertel der Befragten gibt zudem an, die Bedeutung von Arbeit wieder mehr zu schätzen.

Hat sich die Sicht auf bestimmte Aspekte der Arbeit durch die Corona-Krise verändert? Das wollten wir in der aktuellen mdrFRAGT-Befragung wissen. Mehr als zwei Drittel der Befragten (69 %) haben demnach einen oder mehrere Aspekte wieder mehr schätzen gelernt. Fast die Hälfte aller Befragten (46 %) gab an, dass für sie durch Corona bestimmte Berufsgruppen an Ansehen gewonnen haben. Auch die Bedeutung von Arbeit generell hat bei den Befragten einen höheren Stellenwert bekommen (27 % Nennungen) sowie der Kontakt zu Kollegen (23 %). Ein Zehntel (10 %) schätzt das Arbeiten im Homeoffice mehr.

Corona Blick Arbeit
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Verglichen mit den anderen Altersgruppen ist die jüngste Altersgruppe der 16- bis 30Jährigen diejenige, die durch die Corona-Krise am stärksten einen veränderten Blick auf die Arbeit bekommen hat und einzelne Aspekte nun mehr schätzt als vorher.

Ansehen für Mitarbeiter im Gesundheitssystem gestiegen

Beim Ansehen haben vor allem Pfleger, Verkäufer, Ärzte und Postzusteller in den drei mitteldeutschen Ländern profitieren können. Das Image von Krankenpflegern und Altenpflegern ist der Befragung zufolge am stärksten gestiegen. Jeweils zwei Drittel der Teilnehmer geben an, dass das Ansehen dieser Berufsgruppe während der Corona-Krise zugenommen hat. Bei Ärzten sehen das 49 Prozent der Befragten so, bei Postzustellern 44 Prozent. Politiker, Journalisten und Beamte verlieren hingegen an Ansehen.

Zunahme Ansehen von Berufsgruppen  Krankenpfleger/in 68 % Altenpfleger/in	   66 % Verkäufer/in		   59 % Arzt/Ärztin		       49 % Postzusteller/in	   44 %
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Mehrheit für bessere Bezahlung und höheren Mindestlohn

Auch die Entlohnung der verschiedenen Berufsgruppen ist aufgrund der Corona-Krise stärker in den Fokus geraten. Eine deutliche Mehrheit (91 %) der Befragten ist der Meinung, dass bislang schlecht bezahlte systemrelevante Berufsgruppen besser bezahlt werden sollten. Für einen so genannten Coronabonus für bestimmte Berufsgruppen sprechen sich 78 % der Teilnehmer aus. Mehr als drei Viertel der Befragten sind zudem dafür, den Mindestlohn allgemein anzuheben (77 %). Weniger Zustimmung gibt es bei der Frage nach der Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens: Hier sind 51 % der Befragten dafür und 39 % dagegen (11 % Enthaltungen).

Zustimmung zu wirtschaftlichen Maßnahmen  Mehr Lohn für schlecht bezahlte systemrelevante Berufe 	91 % Coronabonus für bestimmte Berufsgruppen			            78 %	 Anhebung Mindestlohn						                                    77 % Steuererleichterungen für Gastgewerbe				                76 %
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Breite Zustimmung für höheres Kurzarbeitergeld und Steuererleichterungen

Einige wirtschaftliche Veränderungen wurden in den letzten Tagen beschlossen, beispielsweise die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes oder Steuererleichterungen in der Gastronomie. In unserer Befragung sprach sich eine große Mehrheit der Teilnehmer für diese Maßnahmen aus: 74 Prozent der Befragten halten demnach ein höheres Kurzarbeitergeld für richtig, 78 Prozent sind für die Steuererleichterungen in der Gastronomie.

Mehr Frauen als Männer für wirtschaftliche Erleichterungen

Auffällig ist, dass die Zustimmung der weiblichen Befragten zu einigen wirtschaftlichen Veränderungen höher ist als die der Männer. So sind 80 % der Frauen dafür, den Mindestlohn anzuheben – bei den Männern liegt die Zustimmungsrate bei 75 %. Mehr als die Hälfte (55 %) der Frauen ist dafür, das bedingungslose Grundeinkommen einzuführen – bei den Männern sind es mit 47 % etwas weniger. Auch eine Steuererleichterung für das Gastgewerbe befürworten mehr Frauen (80 %) als Männer (73 %). Bei der Frage nach der Finanzierung der Corona-Krise durch eine Vermögenssteuer stimmen jedoch mehr Männer (63 %) als Frauen (56 %) dieser Forderung zu.

Männer haben durch Corona-Krise Kita-Erzieher/innen schätzen gelernt

Auch bei diesem Teil der Befragung zeigen sich geschlechterspezifische Unterschiede: So haben Kita-Erzieher/innen bei 31 % der Männer in der Corona-Krise an Ansehen gewonnen, bei den Frauen sind es 25 %. Einige Berufsgruppen haben außerdem bei Männern stärker an Ansehen verloren als bei den Frauen, beispielsweise Journalisten (Männer: 33 %, Frauen: 22 %), Politiker (Männer: 36 %, Frauen: 27 %) oder Beamte (Männer: 31 %, Frauen: 24 %).

Über die Befragung In einer Befragung vom 24. April bis zum 27. April 2020 wollten wir von den mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmern wissen: "Coronamaßnahmen - Ausnahmezustand verlängern oder zurück zur Normalität?" 12.129 Menschen der über 24.400 registrierten Mitglieder haben online abgestimmt.

52 Prozent der Befragten kommen aus Sachsen, 24 Prozent aus Sachsen-Anhalt und 23 Prozent aus Thüringen. Das entspricht in etwa der Verteilung der Einwohner in den drei Bundesländern.

54 Prozent der Befragten sind männlich und 46 Prozent weiblich.

In der Altersgruppe von 16 bis 30 Jahren haben drei Prozent, von 31 bis 50 Jahren 22 Prozent, von 51 bis 64 Jahren 40 Prozent und in der Altersgruppe von über 65 Jahren 34 Prozent ihre Meinung geäußert.

Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Beruf gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen.

Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet. Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht.

Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "mdrFRAGT". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR extra: Corona und die Arbeitswelt | 01. Mai 2020 | 17:00 Uhr