mdrFRAGT - Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland Befragung: Mehrwertsteuersenkung kein Kaufanreiz

Am 1. Juli wird die Mehrwertsteuer gesenkt. Ein Kaufanreiz ist das für die meisten Menschen nicht: Aktuelle mdrFRAGT-Ergebnisse zeigen, dass 95 Prozent nicht verstärkt einkaufen wollen. Viele vermuten, dass die Ersparnis gar nicht oder nur teilweise beim Kunden ankommen wird.

Als Teil des Konjunkturprogramms hat die Bundesregierung beschlossen, dass ab 1. Juli für ein halbes Jahr die Mehrwertsteuer gesenkt wird. CSU-Chef Markus Söder sprach gar von der "größten Steuersenkung der letzten Jahrzehnte". Ob sie tatsächlich die Konjunktur ankurbeln wird, ist allerdings fraglich. Wie die aktuellen Ergebnisse von mdrFRAGT zeigen, ist die Mehrwertsteuersenkung für fast alle Befragten kein Kaufanreiz: 95 Prozent geben an, nicht verstärkt einkaufen zu wollen.

Ist die Mehrwertsteuersenkung ein Kaufanreiz?
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Einige Befragungsteilnehmer haben uns ihre Meinung dazu auch in Kommentaren begründet:

Warum soll ich jetzt Dinge kaufen, die ich nicht unbedingt brauche, nur, weil die Mehrwertsteuer gesunken ist? Außerdem ist Einkaufen mit Mundschutz eine Tortur, wenn man keine Luft bekommt.

60-jährige Befragungsteilnehmerin aus Dresden

Die Zeiten bleiben unsicher, da halte ich mein Geld lieber zusammen.

36-jähriger Befragungsteilnehmer aus der Region Meißen

Wegen starker Einkommenseinbußen kann ich es mir überhaupt nicht leisten, verstärkt zu konsumieren.

62-jährige Befragungsteilnehmerin aus der Region Bautzen

Mehr als ein Drittel glaubt, Händler geben Senkung nicht an Kunden weiter

Die Befragungsteilnehmer sind skeptisch, ob die Händler ihren Kunden tatsächlich ab dem 1. Juli niedrigere Preise präsentieren werden: Nur zwei Prozent glauben, dass die Händler die Mehrwertsteuersenkung komplett an die Kunden weitergeben werden. Dass sie es teilweise tun werden, glaubt mehr als die Hälfte der Befragten (57 %). Mehr als ein Drittel (37 %) geht jedoch davon aus, dass die Händler die Mehrwertsteuersenkung nicht an die Kunden weitergeben werden, was einer versteckten Preiserhöhung gleichkäme.

Werden die Händler die Mehrwertsteuersenkung weiterreichen?
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Auch hierzu haben uns einige Menschen aus der mdrFRAGT-Gemeinschaft ihre Meinung geschrieben:

Ich kann als Verbraucher nicht überprüfen, ob der Handel die Mwst.-Senkung wirklich weiter gibt oder nicht.

64-jähriger Befragungsteilnehmer aus dem Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Ich befürchte,  dass die Händler, wenn überhaupt, die Senkung nur kurzzeitig an die Kunden weitergeben und die Preise dann schleichend wieder auf das jetzige Niveau (trotz geringeren Steuersatzes) steigen.

50-jährige Befragungsteilnehmerin aus dem Kreis Saalfeld-Rudolstadt

Die Mehrwertsteuersenkung wird nicht an den Kunden weitergegeben. Sie dient nur der Sanierung der Unternehmen. Beispiel: Welcher Bäcker macht jetzt die Brötchen 5 Cent billiger? Ich denke, die wenigsten.

40-jähriger Befragungsteilnehmer aus Zwickau

Weniger Existenzsorgen bei den Befragten

Die Sorge der Befragten, ihren Arbeitsplatz oder ihre berufliche Existenz zu verlieren, ist zurückgegangen. Anfang April haben wir die Teilnehmer zuletzt danach gefragt – damals hatte noch jeder Fünfte (20 %) große oder sehr große Existenzsorgen. Heute sind es nur noch 14 Prozent der Befragten.

Existenzsorgen durch Corona
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An der finanziellen Situation hat sich seit der letzten Befragung zum Thema Anfang April kaum etwas geändert:

  • Wie schon im April geben auch jetzt 78 Prozent der Befragten an, dass ihre finanzielle Situation ungefähr die gleiche ist wie vor Corona.

  • Schlechter als vor Corona ist die finanzielle Situation heute für 14 Prozent der Befragten. Das war im April bereits genauso.

  • Viel schlechter schätzen heute 4 Prozent der Befragten ihre finanzielle Situation ein - ein Prozentpunkt weniger als im April.

  • Besser als vor Corona sehen 3 Prozent der Befragten ihre finanzielle Situation - ein Prozentpunkt mehr als im April. Genau wie im April ist der Anteil derjenigen, die ihre Situtaion "viel besser" einschätzen, bei 0 Prozent.

Mehr Menschen arbeiten wieder vor Ort im Unternehmen

Der Anteil derjenigen Befragten, die hauptsächlich vor Ort beim Arbeitgeber oder Auftraggeber arbeiten, ist wieder angestiegen.

Berufliche Situation
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  • 40 Prozent der Befragten geben an, dass sie wieder im regulären Umfang vor Ort arbeiten. Anfang April, als wir dies zum letzten Mal abgefragt hatten, waren es nur 32 Prozent.

  • Der Anteil der Homeoffice-Arbeitenden ist gesunken, von 10 Prozent Anfang April auf nun noch 6 Prozent.

  • In Kurzarbeit befinden sich nur geringfügig weniger Befragte – der Anteil ist von 6 auf 5 Prozent gesunken.

Wunsch nach Recht auf Home Office auch nach Corona ist groß

Diejenigen, die noch im Home Office arbeiten, haben wir gefragt, ob sie auch nach dem Ende der Corona-Krise gern die Möglichkeit hätten, öfter von Zuhause aus zu arbeiten. Mehr als zwei Drittel der Befragten (68 %) stimmen dem zu. Der Wunsch, wieder häufiger auf Arbeit zu gehen, ist dagegen nicht so stark ausgeprägt: 43 Prozent der Befragten würden dies gern tun, 38 Prozent jedoch nicht.

Befragte blicken zuversichtlicher auf Wirtschaftsentwicklung

Die mdrFRAGT-Gemeinschaft blickt wieder zuversichtlicher auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. So gibt zwar mehr als die Hälfte (55 %) an, eher bis sehr pessimistisch zu sein, dass Wirtschaft und Gesellschaft die Corona-Krise ohne nachhaltige Schäden überstehen. Bei den letzten Befragungen dazu Ende April und Mitte Mai waren jedoch rund drei Viertel (77 bzw. 75 %) der Befragten dieser Ansicht.

Entwicklung: Zuversicht, dass Wirtschaft und Gesellschaft die Krise ohne nachhaltige Schäden überstehen
  Ende April Mitte Mai Mitte Juni
Eher bis sehr zuversichtlich 22 % 25 % 45 %
Eher bis sehr pessimistisch 77 % 74 % 55 %

Auch ist fast die Hälfte der Befragungsteilnehmer der Ansicht, dass die Politik mittlerweile ein Gleichgewicht zwischen Corona-Schutz und Wirtschaft gefunden hat (46 %). Mehr als ein Drittel (35 %) findet jedoch, dass sich die Politik noch zu stark auf den Corona-Schutz und zu wenig auf wirtschaftliche Interessen konzentriert. Jeder Fünfte (19 %) dagegen ist der Meinung, die Konzentration der Politik liegt zu sehr auf der Wirtschaft und zu wenig auf dem Corona-Schutz.

Einige Befragte haben uns hierzu ihre Meinung geschrieben:

Der wirtschaftliche Schaden steht in keiner Relation zum Nutzen. Totales Versagen der Politik. Unsere Nachbarländer haben es besser gemacht vor allem im Bereich der Wirtschaft.

55-jähriger Befragungsteilnehmer aus dem Saalekreis

Manche Maßnahme ist mir selbst lästig, die Veranstaltungsverbote bedrohen meine Existenz, dennoch befürworte ich die Maßnahmen, aus der Einsicht der Notwendigkeit um die Krise irgendwann zu überstehen.

61-jähriger Befragungsteilnehmer aus dem Kreis Sonneberg

Die ganze Pandemie kostet sehr viel Geld, die Wirtschaft und das öffentliche Leben muss wieder normalisiert werden.

61-jährige Befragungsteilnehmerin aus Magdeburg

Es geht nicht nur um die Balance zwischen Wirtschaft und Corona. Eine viel größere Bedrohung für die Menschheit als Corona ist der Klimawandel und die Umweltzerstörung. Da muss endlich mehr getan werden!

54-jährige Befragungsteilnehmerin aus Dresden

Über die Befragung In einer Befragung vom 18. bis zum 22. Juni 2020 wollten wir von den mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmern wissen: "Warn-App, Mehrwertsteuersenkung, Wirtschaftsfolgen –
wie lebt es sich mit Corona?"
An der Befragung haben 16.214 Menschen teilgenommen. Insgesamt sind mittlerweile 28.432 registrierte Mitglieder aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Teil der mdrFRAGT-Gemeinschaft.

52 Prozent der Befragten kommen aus Sachsen, 24 Prozent aus Sachsen-Anhalt und 24 Prozent aus Thüringen. Das entspricht in etwa der Verteilung der Einwohner in den drei Bundesländern.

56 Prozent der Befragten sind männlich und 44 Prozent weiblich.

Die Teilnehmer dieser Befragung verteilen sich auf folgende Altersgruppen:
387 Menschen sind zwischen 16 und 30 Jahre alt,
3.236 zwischen 31 und 50 Jahren,
6.566 zwischen 51 und 64 Jahren und
6.025 Teilnehmer sind 65 Jahre und älter.

Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Beruf gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen.

Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet. Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht.

Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "mdrFRAGT". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 23. Juni 2020 | 20:15 Uhr