Jugendliche Immer weniger Jugendclubs in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt sind in den vergangenen Jahren Jugendclubs geschlossen worden. Das Land will nun mit zusätzlichen Geldern Jugendclubs unterstützen.

Jugendclub Dingelstädt
Viele Jugendclubs in Sachsen-Anhalt sind in den vergangenen Jahren geschlossen worden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Sachsen-Anhalt gibt es immer weniger Jugendclubs. Das haben Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT ergeben. Vor allem im ländlichen Raum ist die Anzahl der Einrichtungen deutlich zurückgegangen. "In den letzten zehn bis 15 Jahren haben wir eine Schließungswelle von Jugendclubs erlebt", sagte Tom Bruchholz, Geschäftsführer des Landesjugendwerks der AWO Sachsen-Anhalt.

2020 nur noch 524 Einrichtungen

In Sachsen-Anhalt hatte es 2014 noch 607 Einrichtungen gegeben, 2020 dagegen nur noch 524. Dabei ist zu beachten, dass es sich bei diesen 524 Einrichtungen nur bei 459 um feste örtliche Einrichtungen handelt. Die weiteren 41 Einrichtungen sind Angebote der sogenannten mobilen Jugendarbeit.

Im Jerichower Land hat sich die Anzahl der Einrichtungen von 2009 bis 2018 halbiert. Waren es 2009 noch 52 Einrichtungen, gab es 2018 nur noch 26.

Statt Jugendclub: Parks und Bahnhofsvorplätze als Ausweichorte

Drei Teenager lachen.
Jugendarbeit kostet, und die Kosten sind das Problem. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Kinder und Jugendliche weichen immer häufiger auf andere Orte aus, um sich zu treffen. In Möser ist das zum Beispiel der Bahnhofsvorplatz, in Burg ein Park. Dort kam es bereits mehrfach zu Sachbeschädigungen und Lärm.

In Magdeburg habe in diesem Jahr bisher nur auf dem Parkplatz Elbbahnhof unter der Sternbrücke Probleme mit feiernden Heranwachsenden gegeben, sagte eine Sprecherin der Stadt.

Problem der Finanzierung: Landesregierung will neue Angebote schaffen

Für die Finanzierung der Jugendclubs sind die Kommunen zuständig. Unterstützt werden sie vom Land. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu: "Wir werden dafür sorgen, dass es gerade in ländlichen Regionen nachhaltige Angebote der Kinder- und Jugendarbeit gibt."

2022 hatte das Land Sachsen-Anhalt rund acht Millionen Euro in die Jugendarbeit investiert. Der Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt fordert für 2023 mindestens drei Millionen Euro mehr, vor allem für die Unterstützung des ländlichen Raums.

So ermittelt das Land den Bedarf an Jugendclus

Das Sozialministerium erklärte auf Anfrage MDR SACHSEN-ANHALT, dass die Frage, ob Jugendclubs noch gebraucht würden, von der Jugendhilfe im Rahmen der gesetzlich verpflichtenden Jugendhilfeplanung beantwortet wird. Das heißt: Jedes Jugendamt erstellt regelmäßig einen Plan für den Bedarf von unterschiedlichen Leistungen der Jugendhilfe in seinem Landkreis, der dann vom Jugendhilfeausschuss des Landkreises beraten und beschlossen wird.

"Achtung Teenager" steht auf einem Schild an einer Tür.
In Jugendarbeit investiert Sachsen-Anhalt 2022 rund 21 Millionen Euro. Bildrechte: IMAGO / MiS

Künftig soll ein Investitionsprogramm zur Digitalisierung von Jugendclubs und Jugendarbeit aufgelegt werden. Dafür sollen für einen Zeitraum von fünf Jahren jährlich etwa 1,35 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden, teilte das Sozialministerium MDR SACHSEN-ANHALT mit. Das entspricht insgesamt zusätzlich rund 6,7 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren.

Lösungsideen für mehr Angebote für Jugendliche in Halle

Die Stadt Halle setzt auf gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz zwischen Anwohnern und feiernden Jugendlichen und arbeitet mit Streetworkern. In Halle gibt es seit Jahren die Möglichkeit, kurzfristig Spontanpartys anzumelden.

Eine Gruppe junger Menschen zusammen in einem Park
In Halle treffen sich Jugendliche im Sommer auf der Ziegelwiese. Bildrechte: MDR/Hanna Kazmirowski

2020 hat Halle mit dem Freiraumbüro eine Koordinierungsstelle geschaffen, die Kreative bei der Suche nach Räumen für Begegnungen und Projekte kostenfrei unterstützt. Derzeit plant die Stadt einen zusätzlichen Begegnungsraum über die Sommermonate immer samstags für Jugendliche auf der Ziegelwiese umzusetzen. Im Jahr 2022 investiert die Stadt Halle 3,5 Millionen Euro in die Jugendarbeit.

Wittenberg schafft Lieblingsplätze für Jugendliche

Aus dem Büro des Oberbürgermeisters von Wittenberg heißt es: "Grundsätzlich wollen sich Jugendliche 'ihre Orte' selbst aussuchen und erschließen, weshalb niedrigschwellige Angebote notwendig sind." Bei der Umgestaltung des öffentlichen Raums würden Jugendliche berücksichtigt. Sich mit Lieblingsplätzen zu identifizieren, sorge außerdem für weniger Vandalismus.

Konkret heißt das, dass zum Beispiel Sitzelemente um Stahlprofile ergänzt worden seien, damit sie auch von Skatern und BMX-Fahrern genutzt werden könnten. Die Rollschuhbahn im Amselgrund hat einen Basketballkorb erhalten und Bodenmarkierungen, sodass mehrere Jugendliche die Anlage parallel nutzen können.

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MDR (Marila Zielke, Luise Kotulla)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 24. Juni 2022 | 07:30 Uhr

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