Illustration - Homöopathie: Globuli auf einer Glasplatte
Die Wirksamkeit homöopathischer Präparate ist umstritten. Nun entscheidet die Landesärztekammer, über die Zukunft der homöopathischen Ausbildung. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox

Fehlende Wirksamkeit? Landesärztekammer entscheidet über Zusatzausbildung Homöopathie

01. März 2023, 05:03 Uhr

Homöopathie setzt auf die Selbstheilungskräfte des Körpers. Doch ihre medizinische Wirksamkeit ist umstritten. Der Deutsche Ärztetag empfiehlt deshalb, entsprechende Weiterbildungen zu streichen. In Thüringen entscheidet darüber nun die Landesärztekammer.

Die Landesärztekammer entscheidet am Mittwoch über die Zukunft der homöopathischen Ausbildung für Ärzte in Thüringen. Grund ist eine Empfehlung des Deutschen Ärztetages vom vergangenen Jahr, entsprechende Zusatzangebote aus der Weiterbildungsordnung der Landesärztekammern zu streichen. Es gebe keine medizinischen Studien, die den medizinischen Nutzen wissenschaftlich beweisen, wurde der Beschluss begründet.

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Homöopathie-Ärzte befürchten medizinische Monokultur

Folgt die Landesärztekammer dem Deutschen Ärztetag, hat das zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Patienten. Alle Ärzte, die bereits die Zusatzbezeichnung Homöopathie erworben haben, dürfen sie weiterführen. Über die Landesärztekammer kommen aber keine neuen Ärzte hinzu.

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte befürchtet, dass so in der Medizin eine Monokultur entsteht. Die Gefahr, dass es irgendwann keine Ärzte mit Zusatzausbildung Homöopathie mehr geben wird, sieht der Verband aber nicht. Er verweist auf die eigene Diplom-Homöopathie-Ausbildung, die sehr gut angenommen und von den Krankenkassen auch akzeptiert werde.

Zentralverein sieht Wirksamkeit von Homöopathie belegt

Außerdem widerspricht der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte dem Vorwurf fehlender wissenschaftlicher Grundlagen. Wie Pressesprecher Christoph Trapp MDR THÜRINGEN sagte, gibt es sehr gute Studien aus der Versorgungs- und Grundlagenforschung, aber auch aus der klinischen Forschung, die die Wirksamkeit der Homöopathie belegen. So verweist Trapp auf die Arbeit von Dr. Robert Mathie, der 22 doppelblinde, placebokontrollierte, randomisierte klinische Studien untersucht habe. Die Analyse habe ergeben, dass individuell verordnete homöopathische Arzneimittel mit 1,5- bis 2,0-fach höherer Wahrscheinlichkeit eine positive Wirkung haben als Placebos.

In der Schlussfolgerung zu seiner Studie schreibt Mathie allerdings, dass es nur einen "kleinen statistisch signifikanten Effekt" zugunsten homöopathischer Behandlungen gibt. Dieser Befund sei nicht robust, da er nur auf drei Studien beruhe, die zuverlässige Beweise enthielten. Das bedeute, so die Meta-Analyse, dass es aktuell keinen belastbaren Beweis gibt, dass homöopathische Arzneimittel über den Placeboeffekt hinaus wirken.

Im Landesverband Thüringen des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte sind nach eigenen Angaben 56 Ärztinnen und Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen organisiert.

2020 knappes Votum für Weiterbildungen in Homöopathie

Entscheiden wird die Kammerversammlung der Landesärztekammer mit einfacher Mehrheit. Die 43 gewählten Mitglieder repräsentieren alle Regionen und Fachbereiche in Thüringen. Zuletzt hatte sich die Landesärztekammer im März 2020 knapp dafür ausgesprochen, die Homöopathie in der Weiterbildungsordnung zu belassen.

Zur Begründung hieß es damals, dass sie weiterhin in ärztlicher Hand bleiben solle. Mit Thüringen und Sachsen bieten nach Angaben der Bundesärztekammer bisher noch fünf der 17 Landesärztekammern Homöopathie als Zusatzweiterbildung an.

Wie die Landesärztekammer MDR THÜRINGEN mitteilte, sind derzeit 70 Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzweiterbildung Homöopathie in Thüringen tätig. Die von der Kammer angebotene Weiterbildung haben demnach in den vergangenen fünf Jahren vier Ärzte genutzt.

Homöopathie setzt auf die Selbstheilungskräfte des Körpers, die durch gezielte Reize reguliert und wieder ins Gleichgewicht gebracht werden sollen. Basis sind pflanzliche, mineralische und tierische Substanzen, die vielfach verdünnt werden. Sie werden meist als Tropfen, Tabletten oder Kügelchen (Globuli) verabreicht. Nach Angaben des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) haben die Kassen 2021 homöopathische Medikamente im Wert von sieben Millionen Euro für Versicherte finanziert. Das entspreche rund 0,01 Prozent des Bruttoumsatzes.

MDR (Ulrike Hänel, Oliver Leiste)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 01. März 2023 | 07:07 Uhr

16 Kommentare

Jan Will am 01.03.2023

Homöopathie und Schulmedizin gehören komplett getrennt, da sie nichts miteinander zuvtun haben. Zudem sollte sie jeder selbst bezahlen, genauso wie den Gang zum Kartenleger, zur Wahrsagerin, zum Medium und zum Geistheiler.

astrodon am 01.03.2023

@Reuter4774: Tut mir leid, da bin ich anderer Meinung: Auch eine PKV ist eine "Gemeinschaft der Versicherten", das hat eine "Versicherung" so an sich - Risikoverteilung auf Viele. Und gerade die PKV erstattet i.d.R. 100% für Homöopathie.

Reuter4774 am 01.03.2023

Homöopathie soll doch garnicht verboten werden? Aber in Zukunft sollten diese Mittel nur noch aufs Privatrezept und nicht mehr auf die gesetzlichen Krankenkassen ( auf alle Beitragszahler) umgelegt werden. Da es keine klinische sondern nur Placebo- Wirkung gibt, sind das auch per Definition keine Medikamente.

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