Schienennetz Thüringer Bahnstrecken der Höllentalbahn und Werrabahn sollen reaktiviert werden

Die Deutsche Bahn hat bekannt gegeben, die Thüringer Bahnstrecken der Höllentalbahn und der Werrabahn zu reaktivieren. In den nächsten Jahren sollen viele Strecken für den Personen- oder Güterverkehr wiederbelebt werden.

Radweg auf der Trasse der stillgelegten Werrabahn nahe Eisfeld in Südthüringen
Radweg auf der Trasse der stillgelegten Werrabahn nahe Eisfeld in Südthüringen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unter 20 stillgelegten Strecken, die die Deutsche Bahn (DB) wieder in Betrieb nehmen will, sind auch die Werrabahn und der Höllentalbahn in Thüringen. Man erachte es prinzipiell als sinnvoll, die beiden Strecken wieder für den Nahverkehr zu nutzen, hieß es am Mittwoch von Seiten der Bahn. Eine Machbarkeitsstudie und eine Nutzen-Kosten-Untersuchung stünden noch aus.

Beide Trassen wurden 1945 im Rahmen der innerdeutschen Teilung teilweise stillgelegt. Auf einigen Kilometern wurden Schienen entfernt, ein Naturschutzgebiet ausgewiesen und sogar Häuser oder - wie im Kreis Hildburghausen - eine Straße gebaut.

Deutschlandweit sollen 20 Strecken mit einer Gesamtlänge von 245 Kilometern für den Personen- oder Güterverkehr wiederbeleben werden.

Wiederbelebung trägt zum Klimaschutz bei

"Dass die Deutsche Bahn die Höllentalbahn und den Werrabahnlückenschluss bereits in der ersten Tranche von Streckenreaktivierungen aufgenommen hat, ist eine gute Nachricht für den Nahverkehr in Thüringen", teilte der Fahrgastverband Pro Bahn Thüringen am Dienstag mit. Damit gebe es endlich für zwei wichtige Reaktivierungsvorhaben zwischen Thüringen und Bayern Rückenwind aus Berlin.

Die Strecken wiederzubeleben wäre nicht nur wichtig, sondern würde auch zum Klimaschutz beitragen, davon ist die Allianz pro Schiene überzeugt. Denn mit zwei Güterzügen voll Holz zur Papierfabrik in Blankenstein (Saale-Orla-Kreis) ließen sich etwa 200 Lkw täglich einsparen.

verwaiste Bahngleise 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Di 22.06.2021 19:00Uhr 01:34 min

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Schwerpunkte sind das Rheinland und der Raum Berlin

Die Deutsche Bahn will in den nächsten Jahren mehr stillgelegte Strecken wieder in Betrieb nehmen. Derzeit stehen 20 Projekte in nahezu allen Bundesländern auf der Liste. Schwerpunkte liegen im Raum Berlin und im Rheinland. Zum Teil laufen die Projekte schon seit Jahren.

Andere, wie auch die beiden thüringischen Strecken, sind erst Konzeptideen oder es laufen Machbarkeitsstudien. In Sachsen, Thüringen und Hessen gibt es laut Bahn Gespräche über mögliche weitere Reaktivierungen.

Bahngleise überqueren Weg, der in eine Straße mündet 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Di 18.05.2021 19:00Uhr 02:13 min

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Bund und Länder sowie die Deutsche Bahn entscheiden

Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Thüringer Landestag, Laura Wahl, sprach von einer Entscheidung, die eine wesentliche Verbesserung des Nahverkehrsnetzes in Südthüringen mit sich bringen könne. Es müssten alsbald "Nägel mit Köpfen gemacht werden und die Planungsleistungen beauftragt werden".

Sie zeigte sich vor allem mit Blick auf eine Reaktivierung der Höllentalbahn optimistisch, "da die Trasse noch durchgehend als Bahntrasse gewidmet ist". Man werde alle weiteren Schritte hin zu einer schnellen Streckenfreigabe der beiden Bahnen mit Nachdruck unterstützen.

Über Streckenreaktivierungen entscheiden Bund, Länder und Aufgabenträger für den Nahverkehr gemeinsam mit der DB. Allerdings wird voraussichtlich vor 2025 nichts passieren. Denn im aktuellen Bundesverkehrswegeplan ist die Wiederinbetriebnahme der Strecken nicht vorgesehen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jn

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. Juni 2021 | 18:00 Uhr

13 Kommentare

Nico Walter vor 4 Wochen

„Beide Trassen würden zudem nicht einen einzigen LKW von der Straße holen ...“

Das sieht wenigstens eine der an den Trassen liegenden Firmen aber ganz anders. Die wartet regelrecht darauf. Abgesehen davon geht es bei der Reaktivierung primär um Personenverkehr.

Nico Walter vor 4 Wochen

„Die Trasse der Werratalbahn steht gar nicht mehr zur Verfügung. Die wurde an vielen Stellen längst überbaut, insbesondere in Bayern.“

Die Trasse wurde an genau zwei Stellen in Bayern überbaut. Eine der beiden Stellen kann durch leichtes Verschwenken der Trasse leicht umgangen werden, die andere würde bei einer Anbindung an die neue ICE Trasse – genauer gesagt an die Verbindungskurve der neuen ICE Trasse nach Coburg – die planerisch beim deren Bau bereits berücksichtigt wurde, gar nicht mehr benötigt.

Die 400 m Kreisstraße in Thüringen sind bekanntlich ein Schwarzbau, rechtlich also gar kein Problem. Es steht ja noch nicht einmal fest, ob der nicht ohnehin zurückgebaut werden muss.

Graf von Henneberg vor 4 Wochen

An der 130 km langen Werrabahn hat man seinerzeit so 2,5 Jahre gebaut. Mal sehen wie lange es dauert. bis das Stück von Eisfeld nach Coburg fertig ist.

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