Bildung Rechnungshof: Lehrer in Thüringen sollen unterrichten statt verwalten

Der Thüringer Rechnungshof kritisiert, dass Lehrer zu viel "Verwaltungskram" auf Kosten der Lehre erledigen müssen. Außerdem seien die Regelungen für ältere Lehrer zu großzügig. Was der Bildungsminister dazu sagt.

Eine Grundschullehrerin betreut Schüler in einer ersten Klasse.
Unterricht an einer Grundschule in Gera: Der Rechnungshof mahnt an, dass Lehrer weniger Verwaltungsaufgaben erfüllen sollten. Bildrechte: dpa

Die im Februar gewählte Rechnungshof-Präsidentin mahnte in der Thüringer Allgemeinen an, Lehrer von der Bürokratie zu entlasten. "Sie sind als Pädagogen teuer ausgebildet und sollen auch als Pädagogen eingesetzt werden und nicht als Verwaltungskräfte. Dann können sie ihre anstrengenden Aufgaben erfüllen."

Butzke: Nur wenige Lehrkräfte arbeiten bis zum Erreichen der Altersgrenze

Butzke kritisierte zudem die großzügigen Thüringer Regelungen zur sogenannten Altersabminderung sowie zum vorzeitigen Ruhestand. Demnach müssen Lehrer ab 55 Jahren weniger unterrichten. Außerdem können sie ab 62 Jahren vorzeitig in den Ruhestand gehen.

Kirsten Butzke, Präsidentin Thüringer Rechnungshof
Kirsten Butzke, Präsidentin des Thüringer Rechnungshofes. Bildrechte: dpa

Butzke wies darauf hin, dass Thüringen damit bundesweit die großzügigsten Konditionen für ältere Lehrer biete. Nur wenige Lehrkräfte arbeiteten bis zum Erreichen der Altersgrenze. Gleichzeitig würden ältere Lehrer mit einem teuren Programm namens "Grau macht schlau" aus dem Ruhestand zurückgeholt. Die Rechnungshof-Präsidentin nannte das widersprüchlich.

Wie Bildungsminister Holter reagiert

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter reagierte auf das Interview mit den Worten, er setze sich mit den Empfehlungen des Rechnungshofs auseinander. Er wehre sich aber gegen die pauschale Kritik. So würden Lehrer ab 55, die weniger unterrichten, für andere Aufgaben eingesetzt. Sie arbeiteten deswegen auch 40 Stunden pro Woche. Das entlaste die, die noch voll unterrichten. Weitere Ideen würden diskutiert.

Der Thüringer Minister für Bildung, Jugend und Sport Helmut Holter DIE LINKE in der 81. Plenarsitzung des Thüringer Landtags
Helmut Holter Anfang Juni im Landtag: Der Bildungsminister sieht das eigentliche Problem darin, dass viele Pädagogen langzeiterkrankt sind. Bildrechte: IMAGO/Jacob Schröter

Als eigentliches Problem sieht Holter die dauerhaft hohe Belastung vieler Lehrerinnen und Lehrer. 5,4 Prozent aller Thüringer Pädagogen seien langzeiterkrankt. Das habe der Rechnungshof bei seinen Vorschlägen nicht bedacht. Holter sagte, sein Ziel sei es, neue motivierte Lehrer für Thüringen zu gewinnen und dort zu halten.


Liebe Leserinnen und Leser, wie könnten Lehrer Ihrer Meinung nach von Verwaltungsaufgaben entlastet werden? Wer könnte diese Aufgaben übernehmen? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

MDR (fno)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. Juni 2022 | 08:00 Uhr

10 Kommentare

Leseratte61 vor 3 Wochen

Prüfungen des Rechnungshof sind mit Sicherheit sinnvoll. Allerdings vermisse ich in den Aussagen das Einbeziehen von folgenden Aspekten. Mich würde zum Beispiel auch interessieren, ob in die Berechnungen auch die Lehrer und Lehrerinnen einbezogen wurden, die noch weit entfernt von Stundenabminderungen wegen der Altersgrenze von 55 Jahren freiwillig nicht in Vollzeit arbeiten. Diese haben sich die sicher nicht leichtfertig oder wegen mangelnder Motivation für weniger Unterricht und damit weniger Einkommen entschieden. Ich habe hier bewusst von weniger Unterricht geschrieben, weil alle anderen Aufgaben "neben" dem Unterricht erhalten bleiben. Und meint Frau Butzke vielleicht, dass die Lehrerinnen und Lehrer die nicht bis zur regulären Altersgrenze arbeiten, nur keine Lust mehr haben? Die meisten dieser Lehrerinnen und Lehrer haben ihr Studium im Alter von 22 bis 26 abgeschlossen, somit zwischen 30 u. 40 Dienstjahre oder mehr. Das kostet Kraft. Ob das dem Rechnungshof bewusst ist?

knarf2 vor 3 Wochen

lulu2020:Sie haben absolut Recht.Nur wenn
viele Kinder von den Eltern nicht beigebracht bekommen was Respekt gegenüber Mitmenschen und dazu gehören auch die Lehrer bedeutet, läuft was schief!

Bria21 vor 3 Wochen

Ludwig58

Das ist leider in vielen Bereichen so, dass Leute Situationen beurteilen und Entscheidungen treffen, weit ab vom Schuss von einem bequemen Bürosessel aus.

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