Iran Tote bei Feuer in berüchtigtem Teheraner Gefängnis

17. Oktober 2022, 09:32 Uhr

Bei einem Brand im Ewin-Gefängnis in der iranischen Hauptstadt Teheran ist die Zahl der Todesopfer nach staatlichen Angaben auf acht gestiegen. Die staatliche Nachrichtenagentur meldete "Unruhen und Zusammenstöße" zwischen Inhaftierten und Sicherheitspersonal. In mehreren deutschen Städten fanden als Reaktion auf den Brand spontane Proteste statt.

Bei dem Brand im berüchtigten Ewin-Gefängnis in Teheran ist die Zahl der Todesopfer nach staatlichen Angaben auf acht gestiegen. Bislang war offiziell von vier Toten die Rede gewesen. Alle Opfer seien aus dem Trakt der Anstalt, in der Häftlinge wegen Raubdelikten einsitzen müssten.

Feuer in Gefängnis ausgebrochen

Zuvor war bei einem Konflikt zwischen Inhaftierten und dem Sicherheitspersonal ein Feuer ausgebrochen. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete zunächst von einer Auseinandersetzung zwischen "Hooligans und Randalierern" mit den Gefängniswärtern. Diese und ähnliche Formulierungen werden von Regimekritikern als Diffamierung politischer Gegner kritisiert.

Das Textillager der Anstalt sei in Brand gesteckt worden, hieß von staatlicher Seite weiter. Die Lage sei jedoch nach kurzer Zeit wieder unter Kontrolle gebracht worden. Die Feuerwehr habe den Brand inzwischen gelöscht.

Genaue Vorgänge im Ewin-Gefängnis nicht überprüfbar

Was genau in dem Gefängnis geschah, ließ sich nicht unabhängig überprüfen. Auch die Hintergründe blieben zunächst offen. Teherans Staatsanwalt bestritt einen Zusammenhang mit den anhaltenden systemkritischen Protesten, die sich in den vergangenen vier Wochen im Iran ausgebreitet haben. Er betonte, es habe sich bei dem Zwischenfall um einen internen Konflikt im Gefängnis zwischen verurteilten Dieben gehandelt.

Menschenrechtsorganisationen wie das Center for Human Rights in Iran weisen dagegen auf die zahlreichen politischen Häftlinge im Ewin-Gefängnis hin.

Hunderte Demonstranten unter Inhaftierten

Ein von der Menschenrechtsorganisation "Iran Human Rights" veröffentlichtes Video zeigte Flammen und eine Rauchwolke über dem Ewin-Gefängnis, zudem waren offenbar Schüsse zu hören. Im Hintergrund des Videos waren "Tod dem Diktator"-Rufe zu hören. Berichtet wird außerdem von lauten Explosionen am Ort des Geschehens.

In dem Gefängnis sitzen neben zahlreichen politischen Gefangenen hunderte Menschen, die im Rahmen der seit einem Monat andauernden Proteste für Menschen- und Bürgerrechte festgenommen wurden. Auch Doppelstaatler, die neben der iranischen auch eine weitere Staatsbürgerschaft haben, sind in Ewin inhaftiert. Unter ihnen sind mindestens zwei deutsche Doppelstaatler.

Gefängnismeuterei vor wenigen Tagen

In Frankfurt am Main und Berlin kamen am Samstagabend mehrere Menschen zu spontanen Demonstrationen zusammen. In der Hauptstadt versammelten sich nach Angaben der Polizei kleinere Menschengruppen vor dem Auswärtigen Amt und vor der iranischen Botschaft. Auch in Frankfurt versammelten sich am späten Abend spontan mehrere Menschen vor dem iranischen Generalkonsulat. Die Proteste verliefen friedlich und ruhig.

Bereits vor wenigen Tagen war in einem Gefängnis im Nordiran eine Meuterei ausgebrochen, bei der auch mehrere Inhaftierte ums Leben gekommen waren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Oktober 2022 | 07:00 Uhr

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