nach dem Anschlag in Jerusalem
Israelische Sicherheitskräfte am Ort des Terroranschlags in Ost-Jerusalem. Bildrechte: IMAGO/Israeli Police

Nahostkonflikt Sieben Tote bei Anschlag in Jerusalem – erneute Angriffe am Samstag

29. Januar 2023, 15:55 Uhr

Am Freitagabend hat es in Jerusalem einen Anschlag in der Nähe einer Synagoge gegeben. Dabei gab es mehrere Tote und Verletzte. Der Vorfall ereignete sich in der israelischen Siedlung Neve Yaakov. Die Beamten hätten am Tatort auf den Attentäter, der offenbar der Terrororganisation Hamas nahestand, geschossen und ihn getötet. Am Samstag gab es einen erneuten Schusswaffenangriff, zwei Männer wurden verletzt.

In einer israelischen Siedlung in Ost-Jerusalem sind bei einem Anschlag nahe einer Synagoge sieben Menschen durch Schüsse getötet worden. Die Polizei sprach am Freitagabend von einem Terroranschlag. Der Angreifer wurde demnach ebenfalls getötet. Drei weitere Menschen seien verletzt worden. Der Attentäter hatte das Feuer in dem Moment eröffnet, als die Menschen die Synagoge nach dem Schabbat-Gebet verließen.

Der Angriff ereignete sich im von jüdischen Siedlern bewohnten Viertel Newe Jaakow im Osten Jerusalems. Nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes Magen David Adom wurden die Verletzten in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht. Einige seien in kritischem Zustand.

Weitere Angriffe in Ost-Jerusalem und Jericho

Am Samstag wurden bei einem weiteren Schusswaffenangriff nahe der Jerusalemer Altstadt zwei Menschen verletzt. Nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes erlitten zwei 47 und 23 Jahre alte Männer Schusswunden am Oberkörper, ihr Zustand sei "mittelschwer bis ernst". Die Opfer seien aber bei Bewusstsein gewesen und inzwischen ins Krankenhaus gebracht worden. Nach Polizeiangaben wurde der mutmaßliche Attentäter "neutralisiert". Ob er verletzt oder tot war, blieb offen.

Am Samstagabend hat es einen weiteren Anschlagsversuch gegeben. Nach Angaben des israelischen Militärs habe ein Mann in einem Restaurant in der Nähe der Stadt Jericho im Westjordanland einen Schuss abgegeben. Medien berichteten, er habe anschließend Probleme mit seiner Waffe gehabt. Das verhinderte womöglich weitere Schüsse – und Opfer.

Aufnahmen einer Überwachungskamera sollen zeigen, dass der Angreifer mit einem Sturmgewehr bewaffnet gewesen sei. Streitkräfte fahnden derzeit nach dem Mann. Verletzt wurde demnach niemand. Es war der dritte Vorfall binnen 24 Stunden.

Hamas begrüßt Anschlag

Das Attentat am Freitag wurde nach ersten Erkenntnissen von einem 21-Jährigen Palästinenser verübt, der der palästinensischen Terrororganisation Hamas nahe stand. Ein Hamas-Sprecher erklärte, bei dem Anschlag handele es sich um "eine Vergeltung für den Überfall der israelischen Armee auf das Flüchtlingslager Dschenin". Einen Tag zuvor hatte es eine Razzia der israelischen Armee im palästinensischen Flüchtlingslager Dschenin im Norden des Westjordanlands gegeben, bei der neun Palästinenser getötet wurden.

Bundeskanzler Olaf Scholz zeigte sich sich erschüttert über den Anschlag: "Die Nachrichten über die schrecklichen Attentate in Jerusalem erschüttern mich zutiefst", so Scholz am Samstag auf Twitter. Grünen-Chef Omid Nouripour schrieb: "Ein Terrorangriff in der Nähe einer Synagoge am Gedenktag des Holocaust ist an Grausamkeit nicht zu übertreffen." Der Sprecher des US-Außenministeriums, Vedant Patel, sprach von einer "absolut entsetzlichen" Tat und verurteilte den "offensichtlich terroristischen Anschlag aufs Schärfste".

Israelisches Sicherheitskabinett beschließt weitreichende Anti-Terror-Maßnahmen

Wie das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mitteilte, sollen israelische Bürger künftig leichter und schneller an Waffenscheine kommen. Zudem solle es Schritte für eine Stärkung der israelischen Siedlungen geben. Weiter beschloss das Sicherheitskabinett, Angehörigen von Attentätern Sozialversicherungsansprüche sowie Gesundheitsleistungen zu entziehen. Außerdem sollen Armee und Polizei gezielt gegen illegale Waffen vorgehen.

Noch am Freitagabend verurteilten die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats den Anschlag in einer Dringlichkeitssitzung einstimmig. Auch UN-Generalsekretär Antonio Gutteres äußerte sich laut israelischen Medienberichten. Es sei "besonders verabscheuungswürdig, dass der Anschlag an einem Ort der Verehrung stattfand, und das ausgerechnet an dem Tag, an dem wir den Internationalen Holocaust-Gedenktag begehen".

Sorge vor weiterer Eskalation im Konflikt

Die Anschlag in Ost-Jerusalem schürt Befürchtungen vor einer weiteren Eskalation der ohnehin schon angespannten Sicherheitslage. "Wir bewegen uns auf einem ganz schmalen Grat", sagte Michael Kobi vom israelischen Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) der Deutschen Presse-Agentur. Die Dynamik könne nicht mehr vollständig kontrolliert werden und jederzeit kippen. Bedenklich sei vor allem, dass immer mehr junge Palästinenser bereit seien, zu kämpfen und zu sterben. "Sie sind frustriert und bereit, alles zu tun, um ihre aktuelle Situation zu verändern."

Seit fast einem Jahr kommt es im Westjordanland beinahe täglich zu Konfrontationen zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern. Seit einer Serie von Anschlägen im vergangenen Jahr unternimmt Israels Armee vermehrt Razzien. Allein in diesem Jahr wurden dabei oder bei eigenen Anschlägen rund 30 Palästinenser getötet, unter ihnen fünf Jugendliche.

dpa, AFP, KNA (kar,jan)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 27. Januar 2023 | 20:30 Uhr

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