Islam Fragen und Anworten zu muslimischem Leben in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt ist die Frage, wieviele Muslime hier leben, gar nicht so einfach zu beantworten. Was schätzen Sie? Die Auflösung gibt es im ersten Teil unserer Reihe zu muslimischem Leben.

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Maria Hendrischke, MDR SACHSEN-ANHALT

Montage einer Mondsichel auf einem Bild, das betende Muslime in einer Moschee zeigt
Wie viele Muslime leben in Sachsen-Anhalt? Das ist nicht genau zu beantworten. (Symbolbild) Bildrechte: dpa | Collage: MDR/Max Schörm

Angefangen hat meine Recherche zu muslimischem Leben in Sachsen-Anhalt mit einer einfachen Frage: Wie viele Menschen hier sind denn überhaupt Muslime? Einfache Frage, einfache Antwort – dachte ich. So war es aber nicht.

Das Problem bei der Suche nach einer Antwort: Die Zugehörigkeit zu einer Religion wird von keiner Behörde erfasst. Das gilt für den muslimischen Glauben ebenso wie etwa für Buddhisten. Das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt teilte mir auf Nachfrage mit, dass keine Angaben zur muslimischen Religionszugehörigkeit erhoben werden. Auch im letzten Zensus von 2011 war eine Angabe der Religion freiwillig.

Trotzdem ist es bei Christen möglich, die Zahl der Gläubigen in Sachsen-Anhalt herauszufinden. Christliche Kirchen führen Kirchenbücher, in denen zum Beispiel Taufen und Todesfälle verzeichnet werden. Außerdem müssen Kirchenmitglieder Steuern zahlen. Auch die Finanzämter wissen demnach, wie viele Christen es gibt.

Unter fünf Millionen Muslime in Deutschland

Solche Anlaufstellen gibt es für Zahlen zu Muslimen nicht. Auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ist daher auf Hochrechnungen angewiesen. Für Ende 2015 geht das BAMF in der Studie "Wie viele Muslime leben in Deutschland?" von 4,4 bis 4,7 Millionen Muslimen in Deutschland aus. Das entspricht zwischen 5,4 und 5,7 Prozent der Gesamtbevölkerung. Berücksichtigt sind dabei auch Geflüchtete, die bis einschließlich 2015 nach Deutschland gekommen sind. Die Hochrechnung kombiniert dafür freiwillige Angaben zur Religion aus dem Zensus 2011 mit Daten der Asylgeschäftsstatistik. Denn beim Asylantrag wird auch die Religionszugehörigkeit der Geflüchteten erhoben.

Zahlen zu den einzelnen Bundesländer enthält die Studie aber nicht. Ich rufe deshalb die Autorin der Studie an, Anja Stichs und frage sie nach den Zahlen für Sachsen-Anhalt. Anja Stichs erklärt mir aber, dass es nicht möglich sei, auf Grundlage dieser Hochrechnung für ganz Deutschland auf die Zahl der Muslime in einem Bundesland zu schließen. Allerdings sei davon auszugehen, dass der Anteil der Muslime an der Bevölkerung Sachsen-Anhalts niedriger sei als der von ganz Deutschland. Das heißt: Weniger als 5,7 Prozent der Sachsen-Anhalter – also weniger als 125.000 Menschen – sind Muslime. Genaueres lasse sich aus einer bundesweiten Hochrechnung aber nicht ableiten, sagt Stichs. Für mich geht die Suche nach einer Zahl also weiter.

#MDRklärt Wie viele Muslime in Sachsen-Anhalt leben

Wie viele Muslime in Sachsen-Anhalt leben, ist gar nicht so einfach festzustellen. Schätzungen gehen von 25.000 Menschen mit islamischen Glauben aus. Doch präzise ist diese Zahl nicht.

Darum weiß niemand, wie viele Muslime genau in Sachsen-Anhalt leben
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Darum weiß niemand, wie viele Muslime genau in Sachsen-Anhalt leben
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Offizielle Stellen erheben keine Religionszugehörigkeit, weil Muslime keine Kirchensteuern zahlen müssen.
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Auch Register wie Kirchenbücher gibt es im Islam nicht.
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Deshalb muss man die Zahl hochrechnen und schätzen.
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Diese Rechnung funktioniert nicht, da die meisten Muslime Türken sind und ...
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... ab den 60ern als Gastarbeiter nach Westdeutschland kamen.  Türkischstämmiger Angestellter von Opel mit seiner Familie in Rüsselsheim, 1984
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Eine Studie geht davon aus, dass bis 2008 nur zwei Prozent der Muslime im Osten lebten.
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Die meisten Muslime im Osten kamen als Geflüchtete um 2015. Doch nicht alle Geflüchtete sind auch Moslems.  Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze
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Aktuelle Schätzungen gehen von etwa 25.000 Muslimen in Sachsen-Anhalt aus. Etwa jeder Sechste davon ist in einer Moschee aktiv.
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Schätzungsweise 25.000 Muslime in Sachsen-Anhalt

Die Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" gibt ebenfalls geschätzte, aber regional spezifischere Zahlen her. Demnach wohnten nur etwa zwei Prozent aller deutschen Muslime in den ostdeutschen Bundesländern (ohne Berlin). Das sind weniger als 100.000 Muslime in ganz Ostdeutschland. Aber diese Angaben sind von 2008. Sie berücksichtigen also nicht die Zuwanderung von Geflüchteten um 2015, unter denen auch Muslime waren.

Schließlich finde ich auf der Webseite von Salam Sachsen-Anhalt eine Zahl. Salam Sachsen-Anhalt ist eine Beratungsstelle, die mit Präventionsarbeit Kinder- und Jugendliche vor islamistischer sowie islamfeindlicher Radikalisierung schützt. Dort heißt es zu Muslimen in Sachsen-Anhalt:

Schätzungen gingen zuletzt von mehr als 25.000 Menschen mit muslimischem Hintergrund, davon bis zu 4.000 in Moscheegemeinden aktiven Gläubigen aus.

Salam Sachsen-Anhalt

Der Projektleiter von Salam Sachsen-Anhalt, Hans Goldenbaum, sagte mir, dass die 4.000 aktiven Gläubigen aus Schätzungen der islamischen Gemeinden in Sachsen-Anhalt hervorgehen. Dabei gehe es um die Zahl derer, die regelmäßig zum Freitagsgebet oder aber zu den wichtigen Feiertagen wie dem Zuckerfest in die Gemeinden kämen.

Wer ist Muslim?

Moschee in Magdeburg
Muslimische Frauen in Magdeburg beim Gebet (Archivbild) Bildrechte: MDR/ Jana Merkel

Überhaupt sei nicht klar, wer genau denn als Muslim gezählt werden solle. "Wen meinen wir damit?", fragt Goldenbaum. Gehe es um alle Menschen, die sich selbst als Muslime begreifen? Oder nur um diejenigen, die regelmäßig eine islamische Gemeinde besuchen?

Da es in Sachsen-Anhalt nur wenige Gebetsräume gebe, würden manche Muslime wegen weiter Anreisen vielleicht aber gar nicht in die Gemeinde kommen, gibt Goldenbaum zu bedenken. Außerdem sei der Islam eher informell strukturiert und individuell. Manche, gerade religiöse Frauen, lebten ihre Gläubigkeit im Privaten. Hinzu kämen Menschen, die sich selbst zwar etwa wegen ihrer Herkunft oder Familie als Muslime bezeichnen – für die Religion im Alltag aber keine große Rolle spiele, so Goldenbaum. Diese Gruppe gebe es im Islam genauso wie etwa im Christentum.

Aktuellere Zahlen für Deutschland erst 2021

Die geschätzten 25.000 Muslime umfassen all diese Menschen in Sachsen-Anhalt. 25.000 Menschen, das entspricht nur etwas mehr als einem Prozent aller Sachsen-Anhalter. "Manche schätzen die Zahl mittlerweile auch auf etwa 30.000", sagte Goldenbaum. Doch davon geht er nicht aus. Zum einen gebe es derzeit weniger Zuwanderung von Geflüchteten als etwa 2015. Zum anderen würden einige Geflüchtete, die in Sachsen-Anhalt angekommen seien, in andere Bundesländer abwandern.

Aktuellere Daten dazu, wie viele Muslime in Deutschland leben, lassen noch ein wenig auf sich warten. Im April 2021 soll eine neue Studie mit dem Titel "Muslimisches Leben in Deutschland 2019" erscheinen. Unter anderem soll es darin dann eine neue Hochrechnung zur Zahl der Muslime geben.

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Maria Hendrischke arbeitet seit Mai 2017 als Online-Redakteurin für MDR SACHSEN-ANHALT - in Halle und in Magdeburg. Ihre Schwerpunkte sind Nachrichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts, Politik sowie Erklärstücke und Datenprojekte. Ihre erste Station in Sachsen-Anhalt war Magdeburg, wo sie ihren Journalistik-Bachelor machte. Darauf folgten Auslandssemester in Auckland und Lissabon sowie ein Masterstudium der Kommunikationsforschung mit Schwerpunkt Politik in Erfurt und Austin, Texas. Nach einem Volontariat in einer Online-Redaktion in Berlin ging es schließlich zurück nach Sachsen-Anhalt, dieses Mal aber in die Landeshauptstadt der Herzen – nach Halle. Ihr Lieblingsort in Sachsen-Anhalt sind die Klausberge an der Saale. Aber der Harz ist auch ein Traum, findet sie.

Quelle: MDR/mh

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2020, 10:03 Uhr

18 Kommentare

MDR-Team vor 6 Wochen

Liebe Kommentatoren - Sie entfernen sich hiermit immer weiter vom Inhalt des eigentlichen Artikels.
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Eulenspiegel vor 6 Wochen

„Ja Benutzer dann erklären sie uns mal wieso so ein paar Muslime in Sachsen-Anhalt eine Gefahr für unsere verfassungsmäßig garantierten Grundrechte sein könnten.“
Und diese Frage haben sie ja noch immer nicht beantwortet. Wieso ein paar muslimische Frauen, ob mit Kopftuch oder ohne, ob freiwillig oder gezwungenermaßen, eine Gefahr für unsere verfassungsmäßig garantierten Grundrechte seien sollen.

Stefan Der vor 6 Wochen

Ach diese Leier. Nun ja, dann müssen wir ja heute noch unserer Eigenständigkeit auf den Bäumen nachtrauern und böse darüber sein, dass uns der Römer ein bisschen Zivilisation beigebracht hat.
Auf was für krude Gedanken manche kommen. Aber evtl. lesen die nur diese komischen Dinge und eignen die sich an. Selber mal darüber nachdenken, was diese Theorie für ein Schwachsinn ist, führt scheinbar zu weit. Das beste Beispiel ist Kabul. Wer hier dafür zuständig ist, dass sich der Islam als Religion durchsetzte ist ja wohl allgemein bekannt. Vor der russischen Invasion gab es mehr Hindus als Moslems. Durch die Invasion erstarkten, auch durch Einflüsse von fremden Kämpfern, die Islamisten. Und jetzt ist es ein mehrheitlich vom Islam geprägter Staat. Das wäre aber auch nicht weiter schlimm, wenn nicht fremde politische Mächte diesen immer wieder für ihre Interessen ausnutzen würde.
Die restlichen von Ihnen genannten Städte können Sie selber prüfen.

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