Chronik des MDR: 1995 Der MDR wird Arte-Mitglied

Im Jahr seines Bestehens wird der MDR Mitglied von Arte. Künftig strahlt der deutsch-französische Kulturkanal auch Beiträge aus Mitteldeutschland aus. Mit "Adamski" von Jens Becker startet das MDR FERNSEHEN seine Reihe "First Cuts - Debütfilme im MDR". Erstmals wird der MDR Literaturpreis ausgeschrieben. Die erste Gala zugunsten leukämiekranker Kinder mit José Carreras wird in Leipzig aufgezeichnet.

Januar

1. Januar
Mit einer Reihe neuer Sendungen und mit Neuerungen bei bekannten Sendungen startet das MDR FERNSEHEN ins Jahr 1995. Die wichtigsten tagesaktuellen Ereignisse aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bietet die montags bis freitags von 19.00 Uhr bis 19.30 Uhr über Satellit ausgestrahlte "Länderzeit". Mit dieser Sendung unter redaktioneller Verantwortung des Landesfunkhauses Thüringen kommt der MDR dem Wunsch vieler Zuschauer nach, die das MDR FERNSEHEN über Satellit empfangen und die Regionalmagazine bis dahin nur im 3-wöchentlichen Wechsel sehen konnten. Die "Länderzeit" fasst die wichtigsten Beiträge dieser Magazine zusammen.

Der MDR wird Mitglied beim deutsch-französischen Kulturkanal Arte und liefert von nun an 5,25 Prozent vom deutschen Programmanteil des Senders.

Februar

10. Februar:
In Leipzig wird die Saxonia Media Filmproduktionsgesellschaft GmbH mit Sitz in Dresden offiziell gegründet. Eigentümer sind die Bavaria Film GmbH 51 Prozent) und die MDR-Tochter drefa Filmatelier GmbH (49 Prozent).

13. Februar:
Mit dem Film "Operation Donnerschlag" und weiteren Sendungen erinnert der MDR an diesem und anderen Tagen in Fernsehen und Hörfunk an die Zerstörung Dresdens vor 50 Jahren. Am 16. Februar ist dem Gedenktag auch der erste Themenabend des MDR auf ARTE gewidmet.

März

4. März:
Mit dem deutschen Komödien-Klassiker "Die Feuerzangenbowle" startet das MDR Fernsehen seine Retrospektive "100 Jahre Kino". Gezeigt werden 50 der besten deutschen Filme, ausgewählt von einer Fachjury und den Zuschauern.

5. März:
Gemeinsam mit 13 anderen Jugendradios überträgt MDR SPUTNIK das Finale von SCYPE, eines europäischen Nachwuchswettbewerbs für Rock-Musiker.

6. März:
MDR KULTUR beginnt mit der Ausstrahlung von "Sofies Welt im Radio". Die Hörspielserie in 15 Folgen nach dem Erfolgsroman von Jostein Gaarder entstand in Koproduktion von Südwestfunk und Mitteldeutschem Rundfunk.

April

1. April:
Erstmalig verleiht der Rundfunkrat des MDR zum Kinder-Film & Fernseh-Festival "Goldener Spatz" in Gera einen Kinderfilm/Fernsehpreis. Er geht an "Paul IV", einen Film der jungen Autorin und Regisseurin Cornelia Schwarz-Grünberg und erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen dem 13-jährigen Paul und der gleichaltrigen Delphine. Der Kinderfilm/Fernsehpreis war vom MDR-Rundfunkrat 1994 zusammen mit einem Kinderhörspielpreis ins Leben gerufen worden. Beide Preise sind mit je 15000 DM datiert und werden im Wechsel vergeben.

4. April:
MDR-Intendant Dr. Udo Reiter und der Generaldirektor der Staatlichen Allrussischen Fernseh- und Hörfunkgesellschaft RTR unterzeichnen eine Vereinbarung zur Förderung und Erweiterung ihrer Zusammenarbeit. Beide Sender werden sich bei der Vorbereitung und Realisierung von TV- und Radioproduktionen unterstützen und Programme austauschen. Unter dem Titel "Ich kenne keine Feinde" strahlt das MDR FERNSEHEN am 3. Mai in seiner Reihe "Mit-Menschen" den ersten Film aus, der in Koproduktion mit RTR entstanden ist. Er erzählt die Geschichte eines russischen Militärarztes, der nach dem Abzug der russischen Truppen noch einmal nach Deutschland zurückkehrt.

Mai

2. Mai:
Mit "Adamski" von Jens Becker startet das MDR FERNSEHEN seine Reihe "First Cuts - Debütfilme im MDR". Ziel dieser Reihe ist es, Talente zu entdecken und gezielt Nachwuchsregisseurinnen und -regisseure zu fördern.

8. Mai:
in Radio und TV erinnert der MDR an den 50. Jahrestag des Kriegsendes.

außerdem im Mai:
Dreharbeiten in Leipzig für den Zweiteiler "Nikolaikirche" nach dem Roman von Erich Loest. Frank Beyer führt Regie bei dieser Koproduktion von WDR,MDR, ORF und ARTE, die am 25. und 27. Oktober im Ersten zu sehen sein wird. Der Film erzählt die Geschichte einer Leipziger Familie in den unruhigen Jahren 1987 bis zu den Montagsdemonstrationen im Oktober 1989. Es spielen u.a. Barbara Auer, Ulrich Matthes, Ulrich Mühe, Otto Sander, Ulrich Tukur, Annemone Haase, Jutta Wachowiak, Peter Sodann, Rolf Ludwig und Alfred Müller.

Juni

12. Juni:
Zur Eröffnung des "Prix Musicale de Radio Brno" gestaltet MDR 1 RADIO SACHSEN mit dem tschechischen und dem slowakischen Rundfunk eine zweistündige Gemeinschaftssendung. Sie stellt die - vor allem musikalischen - Besonderheiten der jeweiligen Region sowie die engen Beziehungen untereinander vor. Die Sendung wird auf der Frequenz 100,4 MHz in Sorbisch übertragen. Am Wettbewerb von Radio Brno beteiligt sich MDR 1 RADIO SACHSEN mit einer Musiksendung des Regionalstudios Bautzen/ Serbski Rozhlos.

17. Juni:
Beginn der "Polnischen Woche im MDR". Bis zum 23. Juni strahlt das MDR FERNSEHEN Beiträge aus , die sich Themen aus dem Nachbarland oder den deutsch-polnischen Beziehungen widmen. Gezeigt werden Sendungen deutscher Fernsehmacher, Koproduktionen und Beiträge polnischer Autoren. Den Auftakt gibt am 17. Juni "Hallo Nachbarn", eine Live-Sendung aus Görlitz mit jungen Deutschen und Polen. Ende 1994 gab es "Tage des MDR" bei Telewizja Polska.

19. Juni:
Die neue MDR-Zentrale in Leipzig wird nach dem Projekt der Architektenarbeitsgemeinschaft Gondesen, Piachnow und Partner (GPS) Dessau, und Struhk & Partner, Braunschweig, errichtet. Das entscheidet der Bau- und Vergabeausschuss des MDR. Der Entwurf hatte 1994 den 2. Preis des Architektenwettbewerbes erhalten und stellt nach zweimaliger Überarbeitung einen guten Kompromiss zwischen Neubau und Erhalt historischer Bauten dar.

22. Juni:
Bundespräsident Roman Herzog diskutiert im MDR FERNSEHEN mit jungen ostdeutschen Berufsschülern.

außerdem im Juni:
Der MDR-Hörfunk ist mit einem eigenen Korrespondenten in Washington vertreten. Er arbeitet im Gemeinschaftsstudio von BR, SDR/SWF und MDR.

Drehtermine für szenische Umsetzung der "Carmina Burana" von Carl Orff. Sie vereint erstmals alle Ensembles des MDR: Sinfonieorchester, Chor, Fernsehballett.

Juli

1. Juli:
Das MDR FERNSEHEN bietet jetzt Programm rund um die Uhr: Zwischen 2.00 Uhr und 6.30 Uhr werden statt des bisherigen Nonstop-Fernsehens Informations- und Unterhaltungssendungen ausgestrahlt.

7. bis 9. Juli:
MDR KULTUR berichtet federführend für die ARD vom Folkfest in Rudolstadt. Bereits zum vierten Mal stiftet der Sender den Deutschen Folk-Förderpreis und ermöglicht den Preisträgern eine CD-Produktion.

13. Juli:
Start für die Sendereihe "MDR hilft - Ein Fall für Escher" im MDR FERNSEHEN. Sie will den Zuschauern Rat zu Alltagsproblemen geben.

außerdem im Juli:
Direktion, technische Leitung und Verwaltung des MDR LANDESFUNKHAUSES SACHSEN sind in ein neues Domizil umgezogen - in das "Robotron-Haus" in der St. Petersburger Straße in Dresden. Dort sollen bis zum Herbst auch die Studios für MDR 1 RADIO SACHSEN fertig sein. Doch auch die St. Petersburger Straße ist nur eine Zwischenstation. Endgültig werden alle Mitarbeiter des Landesfunkhauses dann in der ehemaligen Albertkaserne beheimatet sein.

August

12. August:
Der MDR ist Gastgeber des Kinderfestes der ARD in Erfurt: 120 000 Gäste kommen in den ega-Park, um mit ihren Fernsehlieblingen das größte Fest zu feiern, das für die ARD bisher organisiert wurde. Für einen stimmungsvollen Hochsommertag sorgt u.a. Wolfgang Lippert, der per Fallschirm auf das Gelände geflogen kommt und in der Show "Hurra, jetzt kommen wir!" auch Familienministerin Claudia Nolte begrüßen kann. Begeistert aufgenommen werden auch die Programme von Maus und Käpt'n Blaubär und von Judith und Stefan im DISNEY CLUB. Hochstimmung ebenso an der Hörfunkbühne, u.a. mit Gerhard Schöne und Angelika Mann. Viele drängeln sich auch, in Sonderausstellungen zum Sandmännchen und zur Augsburger Puppenkiste. Außerdem haben die Kids jede Menge Angebote für eigene Aktivitäten. MDR-Intendant Prof. Dr. Reiter spricht sich für einen gebührenfinanzierten Kinderkanal von ARD und ZDF aus und schlägt Erfurt als Sitz vor.

September

1. September:
Von nun an produziert das MDR FERNSEHEN auch Talkshows und das Streitgespräch "Auf den Punkt" im 16:9-Format. Der MDR hatte sich innerhalb des Aktionsplans der Europäischen Union ursprünglich verpflichtet, jährlich 300 Stunden in PALplus 16:9 zu senden. Diese Zielstellung wird schon 1995 erheblich überboten. In der neuen Norm wurden u.a. der Tatort "Bomben für Ehrlicher" und die Opernaufzeichnungen "Die Hochzeit des Figaro" und "Cosi fan tutte" produziert. Für 1996 sind ca. 1.000 Sendestunden im 16:9- Format geplant.

2./3. September:
Das NachrichtenRadio MDR info startet seine sechswöchige Tour "MDR info unterwegs" im Gasthof "Dreiländer-Eck" in Brossen bei Meuselwitz. Bis zum 14. Oktober meldet sich das Team täglich außer sonntags live auf MDR info. Mit dem Ü-Wagen unterwegs ist auch eine Infothek und bietet den Besuchern an den 37 Stationen Wissenswertes über den MDR und sein NachrichtenRadio.

23. September:
1.500 Wanderfreunde gehen in Schmiedefeld mit dem MDR LANDESFUNKHAUS THÜRINGEN auf RUCKSACK-Zuschauerwanderung.

30. September:
Wandersleben/Thüringen ist die letzte Station der Life Radio Show '95. 127.000 begeisterte Zuschauer hatte die Show an 45 Orten in Mitteldeutschland.

außerdem im September:
Der MITTELDEUTSCHE RUNDFUNK schreibt einen Literaturpreis für Autoren aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aus. Die Autoren der sieben besten Manuskripte werden zur großen Literaturnacht des MDR am 2. April 1996 in das dann neu eröffnete "Haus des Buches" in Leipzig eingeladen. Eine Jury aus Hörern von MDR KULTUR wird noch am selben Abend den ersten und zweiten Preisträger ermitteln. Der Hauptpreis ist mit 7.000 Mark, der zweite Preis mit 3.000 Mark dotiert. Die Preisträger nehmen außerdem an einer Lese-Reise teil.

Drehbeginn für die 14-teilige Kinderserie "Der kleine Zauberer", die der MDR gemeinsam mit dem Polnischen Fernsehen realisiert.

Drehbeginn für zwei neue Folgen der Reihe "Polizeiruf 110". Als neue Hauptkommissare agieren in den MDR-Produktionen "Lauf oder stirb" und "Der Pferdemörder" Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler. Regie bei den neuen Krimis, die die Saxonia Media realisiert, führt Matti Geschonneck.

Oktober

3. Oktober:
Zum 5. Jahrestag der Wiedervereinigung beginnt im Ersten die Ausstrahlung der dreiteiligen MDR-Dokumentation "Die neue Republik". Sie knüpft an die im Oktober '93 mit großer Resonanz gezeigte 7-teilige Dokumentation "Das war die DDR" an und will die Situation Deutschlands und der Deutschen im fünften Jahr des Zusammenwachsens beschreiben. Den Auftakt zur neuen Dokumentation, die die Manfred Durniok Produktion im Auftrag von MDR und Deutscher Welle realisiert hat, gibt der Film "Wir und die Einheit" von Frank Schirrmacher, Wolfgang Schwarze und Gitta Nickel. Auch für die Filme "Wirtschaft im Umbruch" (5. Oktober) und "In den Augen der anderen" (8. Oktober) wurden mit Peter Schiwy, Christian Frey, David Marsh und George Boultwood renommierte Autoren und Regisseure aus Ost und West gewonnen.

7. Oktober:
Von nun an werden die TV-Regionalmagazine "Thüringen Journal", "SachsenSpiegel" und "Sachsen-Anhalt heute" auch sonnabends gesendet.

9. Oktober:
Auf den Tag sechs Jahre nach der entscheidenden Montagsdemonstration im Leipziger Wendeherbst 1989 erlebt Frank Beyers zweiteiliger Fernsehfilm "Nikolaikirche" in der Messestadt seine Uraufführung. Er entstand als Co-Produktion von WDR und MDR gemeinsam mit ORF, Arte und der Provobis-Film. Am 25. und 27. Oktober wird "Nikolaikirche" im Ersten ausgestrahlt.

19. Oktober:
Im Beisein von Hildegard Knef erlebt der Film "Für mich soll's rote Rosen regnen" im Kino Capitol seine Leipziger Premiere. Der MDR war Co-Produzent.

November

2. November:
Mit einem MDR life Konzert in der Eissporthalle Halle starten "Die Prinzen" zu ihrer "Schweine-Tour '95", der ihr Hit "Du musst ein Schwein sein" Pate stand.

5. November:
Der Film "Frauen, Katzen, Kinder" von der polnischen Autorin Ewa Borzecka wird vom MDR zum Abschluss des 38. Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm mit einem Preis in Höhe von 30 000 gewürdigt. Damit verbunden ist der Ankauf der Filmrechte und die Ausstrahlung im MDR FERNSEHEN. Künftig will der MDR in jedem Jahr einen Film aus Osteuropa, der auf der Leipziger Dokwoche läuft, auszeichnen.

7. November:
Im "Science fiction Radio" auf MDR KULTUR gibt es die Ursendung des Hörspiels "Uhrwerk Orange" von Anthony Burgess.

9. November:
Dr. Albrecht Börner (Thüringen) übernimmt turnusgemäß den Vorsitz des MDR-Rundfunkrates. Seine Stellvertreter sind Dieter Bauerfeind (Sachsen) und Ulrich Berger (Sachsen-Anhalt).

außerdem im November:
An Originalschauplätzen in China dreht der MDR den zweiteiligen Fernsehfilm "Hotel Shangai" nach dem gleichnamigen Roman von Vicki Baum. Zum internationalen Staraufgebot gehören u.a. Annie Girardot, Nigel Davenport, Nicolas Clay, Agnieszka Wagner und James Mc Clay.

Abschluss der Dreharbeiten für "Herberge für einen Frühling", einen neuen MDR-Film der "Ärzte"-Reihe im Ersten. Die Hauptrolle in dem Film, der am 7. Februar im Ersten gezeigt wird, spielt Gudrun Landgrebe.

Dezember

17. Dezember
Internationale Opern- und Popstars in Leipzig: Mit dem weltberühmten Tenor José Carreras treten in der Messehalle 7 Montserrat Caballé und Tochter Montserrat Marti, Kim Wilde, Udo Jürgens, Die Prinzen, Klaus Meine von den Scorpions, Sarah Brightman, Helen Huang, Bonnie Tyler, die Prager Philharmonie und viele andere bei einer Benefiz-Gala zugunsten leukämiekranker Kinder auf. Der MDR zeichnet die Gala, die von Victoria Herrmann moderiert wird, für das Erste auf. Sie wird am 22. Dezember um 20.15 Uhr ausgestrahlt.