
WISSEN-NEWS Wasser oder Leben auf Merkur? Raumsonde BepiColombo sammelt neue Daten
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03. Oktober 2024, 11:00 Uhr
30 Minuten hatte die Raumsonde BepiColombo, um durch die Magnetosphäre des Merkur zu fliegen und diese zu kartieren. Dabei kamen neue Erkenntnisse zum sonnennächsten Planeten zum Vorschein.
Merkur gehört zu den nächstgelegenen Nachbarn der Erde. Oft ist er sogar näher an unserem Planeten als Venus oder Mars. Trotzdem wissen wir immer noch sehr wenig über ihn. Die japanisch-europäische Raumsonde BepiColombo soll das ändern. Sie ist bereits mehrfach am Merkur vorbeigeflogen und soll im Jahr 2026 in seine Umlaufbahn einschwenken. Dort wird sie den Planeten und vor allem seine Magnetosphäre genauer untersuchen. Bei den letzten Vorbeiflügen konnten bereits Daten zu diesem Pufferbereich zwischen Planetenoberfläche und dem kontinuierlichen Fluss von Teilchen, die von der Sonne als Sonnenwind ausgestoßen werden, gesammelt werden.
Beim Vorbeiflug am 19. Juni 2023 konnte das Team in einer Höhe von 235 Kilometern über der Planetenoberfläche für 30 Minuten durch die Magnetosphäre fliegen. Dieser Flug fand zwischen Dämmerung und Morgengrauen statt. Das Team stellte dabei fest, dass die Raumsonde selbst elektrisch geladen ist, wenn sie von der Sonne erwärmt wird. Dadurch stößt sie selbst kältere und schwere Ionen ab. Ionenmessungen des Planetne sind dadurch nicht möglich.
Die Erkenntnisse des Missionsteams
Als BepiColombo jedoch durch den Nachtschatten des Planeten flog, hat sich dem Forschungsteam ein Meer aus kalten Plasmaionen offenbart, erzählt Lina Hadid (Laboratoire de Physique des Plasmas am Pariser Observatorium) in einer Mitteilung der europäischen Raumfahrtbehörde Esa. Dabei wurden Sauerstoff-, Natrium- und Kaliumionen entdeckt, die wahrscheinlich durch Mikrometeoriteneinschläge oder durch Wechselwirkungen mit dem Sonnenwind von der Planetenoberfläche weggeschleudert wurden.
Warum ist das wichtig?
Für die Forscher sind diese ausgewerteten Daten nur eine Art Vorgeschmack auf dem Weg zu neuen Erkenntnissen über Merkur. Noch ist nicht einmal klar, warum der Planet wie die Erde ein (allerdings viel schwächeres) Magnetfeld hat. Venus und Mars zum Beispiel haben keins. Und warum ist der Merkur so dunkel? Der Planet reflektiert nur etwa zwei Drittel so viel Licht wie unser Mond. Wo ist der Planet entstanden? War er wirklich schon immer so nah an der Sonne? Wissenschaftler sind sich da nicht so sicher. Gibt es vielleicht doch Wasser und irgendwelche Formen von Leben in dieser lebensfeindlichen Umgebung? Auf Merkur herrschen Temperaturen von +430 °C bis −170 °C. Auf all diese Fragen soll BepiColombo Antworten geben.
Mit an Bord: Technik aus Jena
BepiColombo wird während seiner Reise und nach seiner Ankunft etliche Fotos von Merkur machen und den Planeten genauestens vermessen und untersuchen. Ein Teil der benötigten Technik kommt dafür aus Thüringen. Am Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) in Jena hat man einen speziellen Thermosensor entwickelt. Dieser Sensor kann kontaktlos die Strahlung an der Oberfläche des Planeten messen. Verbaut wurde der Sensor aus Jena im thermalen Infrarot-Spektrometers MERTIS (Mercury Radiometer and Thermal Infrared Spectrometer).
Warum heißt die Sonde BepiColombo?
Den Namen erhielt die Raumsonde nach dem italienischen Ingenieur und Mathematiker Giuseppe "Bepi" Colombo. Er gilt als der Erfinder der so genannten Gravity-Assist-Manöver, der Planeten-Flybys. Flyby bedeutet: bei einem Nahvorbeiflug einer Raumsonde an einem Planeten kann deren Geschwindigkeit und Flugbahn ohne den Einsatz von Treibstoff geändert werden. Das geschieht "Gravity-Assist", also mit Unterstützung der Schwerkraft des Planeten. Zum ersten Mal wurden Flyby-Manöver bei der NASA-Mission Mariner 10 angewandt, um nach dem ersten Vorbeiflug am Planeten Merkur noch zwei weitere Nahvorbeiflüge zu ermöglichen. Die Berechnungen stellte 1970 Colombo an, Professor an der Universität seiner Heimatstadt Padua.
Links/Studien
Esa-Pressemitteilung vom 3. Oktober 2024: Mercury’s magnetic landscape mapped in 30 minutes.
pk
Dieses Thema im Programm: MDR+ | 15. Oktober 2020 | 12:48 Uhr
Rainer Kirmse vor 25 Wochen
MERKUR
Ein Planet von kleiner Statur,
trotz Nähe schwer erreichbar nur.
Am Morgen blicken wir auf ihn,
auch abends sehen wir ihn zieh'n.
Der Merkur auf der Innenbahn,
sprintet mit unheimlichen Zahn
um die Sonne, Stunde um Stunde,
achtundachtzig Tage die Runde.
Brütend heiß sind dort die Tage,
die Nächte dafür grimmig kalt.
Lebensfeindlich, keine Frage,
wir würden da nicht allzu alt.
Wie auch auf Mars oder Venus,
für Homo sapiens kein Genuss.
Was auch immer kommen werde,
nichts geht über Mutter Erde.😉
Rainer Kirmse , Altenburg
Herzliche Grüße aus Thüringen
MDR-Team vor 25 Wochen
Hallo Kritiker,
die Idee, dass ein Magnetfeld der Rest eines Planeten sein könnte, auf dem einst Leben existierte, ist faszinierend. Magnetfelder können wichtige Informationen über die Geschichte eines Planeten liefern. Es gibt jedoch viele Faktoren, die das Vorhandensein oder Fehlen von Leben beeinflussen, und die Existenz eines Magnetfelds allein reicht nicht aus, um darauf zu schließen, dass dort Leben war oder ist. Aber die Suche nach solchen Hinweisen ist ein spannendes Gebiet der Forschung.
Viele Grüße aus der MDR WISSEN-Redaktion
Kritiker vor 25 Wochen
Ist das erwähnte Magnetfeld vllt. der Rest eines Planeten auf dem vor zahlreichen Lichtjahren ggf. Leben existierte? Also ähnlich wie heute die Erde.