Borna  Liebe Kollegen  folgende drei Fotos aus dem heutigen Tagesordner hätte ich gern: BOMBEBORNARASA_1930 BOMBEBORNASACH_151 BOMBEBORNASACH_738  Quelle Rechte: mdr  Vielen Dank, Steffen 7407
Planungspapier des Strategischen Luftkommandos der USA Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Atombomben auf Borna

Ein geheimes Planungspapier des Strategischen Luftkommandos der USA von 1956 sah vor, im Ernstfall 258 Städte in der DDR mit Atombomben anzugreifen. Auf Leipzig etwa sollten allein 37 Atombomben abgeworfen werden, auf die Kleinstadt Borna immerhin noch drei. Von der DDR wäre nichts weiter übriggeblieben als eine atomar verseuchte Wüste.

Borna  Liebe Kollegen  folgende drei Fotos aus dem heutigen Tagesordner hätte ich gern: BOMBEBORNARASA_1930 BOMBEBORNASACH_151 BOMBEBORNASACH_738  Quelle Rechte: mdr  Vielen Dank, Steffen 7407
Planungspapier des Strategischen Luftkommandos der USA Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eisleben, Hettstedt, Bad Salzungen, Magdeburg, Borna, Bautzen, Berlin, Rostock, Dresden... In der Logik von US-Militärstrategen alles lohnende Atombomben-Ziele. Insgesamt 258 Städte in der DDR sollten laut eines Planungs-Papiers des Strategischen Luftkommandos der USA aus dem Jahr 1956 im "Fall der Fälle" vom Erdboden verschwinden.

Apokalyptisches Szenario

Rathaus Borna
Rathaus in Borna Bildrechte: Stadtverwaltung Borna

Für das Städtchen Borna, südlich von Leipzig gelegen, waren zum Beispiel drei Zielpunkte eingeplant. Im Visier der Atom-Strategen aus den USA: der Braunkohletagebau und ein sowjetisches Militärobjekt am Rand der Stadt. "Aber es gibt hier auch noch eine andere Zielmarke. In den Planungslisten ist der Ziel-Code '275' vermerkt. Das bedeutet: unbewaffnete Zivilisten in einem Wohnviertel", erklärt der Historiker Matthias Uhl. Hätte es nach dem atomaren Schlag in Borna noch Überlebende gegeben, hätte sich denen ein apokalyptisches Szenario geboten: Im Umkreis von 50 Kilometern waren mehr als 100 "Zero Grounds", Zielpunkte, eingeplant - in Leuna, Böhlen, Altenburg, Gera, Karl-Marx-Stadt und in Leipzig. Nicht weniger als 37 Atombomben sollten allein über der Messestadt explodieren.

Die DDR wäre zuerst zerstört worden

Der Historiker Matthias Uhl im Interview
Der Historiker Matthias Uhl Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Ernstfall wären Hunderte amerikanische Bomber auf einmal gestartet, um die festgelegten Zielorte zu "neutralisieren" - ein massiver Nuklearschlag auf die gesamten sozialistischen Staaten von Rostock bis Wladiwostok. Die DDR wäre gleich zu Beginn betroffen gewesen, zuerst die Militärflugplätze, die Industrieanlagen und Ballungsräume, erklärt der Historiker Matthias Uhl. "Man muss tatsächlich davon ausgehen, dass über der DDR innerhalb kürzester Zeit 400 bis 500 Nuklearwaffen gezündet worden wären."

Dr. Matthias Uhl, 1970 in Nordhausen geboren, studierte Politikwissenschaften und Osteuropäische Geschichte in Halle und Moskau. Seit 2005 arbeitet er am Deutschen Historischen Institut in Moskau.

Restlos vernichtet

Das am 6. Dezember 1960 von der amerikanischen Regierung erstmals freigegebene Foto zeigt eine Atombombe vom Typ «Fat Man».
Atombombe vom Typ "Fat Man" (1960). Bildrechte: dpa

Einige Industriestädte in der DDR wären besonders schwer bombardiert worden: Zwickau zum Beispiel, Jena oder Böhlen. Allein für Magdeburg hatten die US-Militärs 48 Zielpunkte festgelegt. Für Dresden waren immerhin noch über 40 "Zero Grounds" geplant. Die Zielorte sollten ganz offensichtlich restlos vernichtet werden. Matthias Uhl: "Die Militär-Planer guckten einfach ganz schematisch: Was gibt es für Industrieanlagen, wo befindet sich das Elektrizitätswerk, wo befindet sich das Wasserwerk, wo befindet sich der Flughafen und wo Militäreinrichtungen? Und schon habe ich viele Ziele beisammen..."

100 Atompilze über dem Himmel von Berlin

Für die Hauptstadt der DDR hatten die US-Militärstrategen mehr als 69 nukleare "Zero Grounds" eingeplant: die DDR-Administration, Industriestandorte, Militäreinrichtungen und Wohngebiete. In den Vororten der Stadt hätte es etliche weitere atomare Explosionen gegeben. Insgesamt wären im Raum Berlin über 100 Atompilze in den Himmel gestiegen. Der Atompilz einer Atombombe ist 13 Kilometer hoch und umfasst 30 Kilometer im Radius. Wie hätte es wohl ausgesehen, wenn Hunderte Atombomben auf einmal explodiert wären? Und was wäre mit Berlin passiert?

Es wäre nichts mehr übriggeblieben

1945, Hiroshima nach der explosion der ersten Atom-Bombe
Hiroshima nach der Explosion der ersten Atombombe 1945. Bildrechte: imago/United Archives

"Die Städte brennen, die umliegenden Wälder brennen, also im Prinzip wäre die DDR ein einziges Flammenmeer, weil die nuklearen Sprengmassen extreme Hitzewellen verursachen. Und wer nicht sofort bei der Explosion der Bomben gestorben wäre, wäre in apokalyptischen Bränden ums Leben gekommen", sagt Historiker Uhl. "Es wäre innerhalb kürzester Zeit nur noch glühende, verstrahlte Asche von der DDR übriggeblieben."

Über dieses Thema berichtete der MDR im TV in MDR Zeitreise 28.04.2019 | 22.25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. April 2019, 09:41 Uhr