Mitarbeiterinnen der Bundespost beladen 1963 im Sammelzentrum Duisburg einen Eisenbahnwaggon mit Weihnachtspaketen, die an Bewohner der DDR adressiert sind
Mitarbeiterinnen der Bundespost beladen 1963 im Sammelzentrum Duisburg einen Eisenbahnwaggon mit Weihnachtspaketen, die an Bewohner der DDR adressiert sind. Viele der Pakete sollen von BRD-Geheimdienstlern vorab kontrolliert worden sein. Bildrechte: dpa

BRD-Geheimdienste kontrollierten "Westpakete"

Millionen so genannter "Westpakete" wurden bis 1989 von der Stasi geöffnet und kontrolliert. Eine Forschungsarbeit zeigt nun, dass auch die BRD heimlich die Päckchen von Bundesbürgern kontrollierte.

Mitarbeiterinnen der Bundespost beladen 1963 im Sammelzentrum Duisburg einen Eisenbahnwaggon mit Weihnachtspaketen, die an Bewohner der DDR adressiert sind
Mitarbeiterinnen der Bundespost beladen 1963 im Sammelzentrum Duisburg einen Eisenbahnwaggon mit Weihnachtspaketen, die an Bewohner der DDR adressiert sind. Viele der Pakete sollen von BRD-Geheimdienstlern vorab kontrolliert worden sein. Bildrechte: dpa

Sicherheitsbehörden der Bundesrepublik Deutschland haben zwischen 1961 und 1989 massenhaft Päckchen und Pakete geöffnet, die von Bundesbürgern in die ehemalige DDR geschickt wurden und umgekehrt. Das geht aus der Dissertation der Historikerin Konstanze Soch hervor.

Die Magdeburgerin hat darin die Geschichte des innerdeutschen Postverkehrs zwischen BRD und DDR untersucht. Ihren Recherchen zufolge haben der militärische Abschirmdienst (MAD) und der Bundesnachrichtendienst (BND) jährlich mehrere tausend Päckchen und Pakete geöffnet.

Tägliche Tausende Kontrollen durch MAD und BND

„Dazu sind täglich getarnte LKWs der Behörden in die ‚Aussonderungsstellen für Postsendungen aus der DDR` gefahren, die es an vier Standorten gab:  Hamburg, Hannover, Bad Hersfeld und Hof. Dort haben die Geheimdienstmitarbeiter die Postsendungen abgeholt, die eingeweihte Postmitarbeiter vorsortiert hatten“, so die Historikerin.

An einem anderen Ort  wurden die Päckchen und Pakete dann von MAD- und BND-Mitarbeitern geöffnet und deren Inhalte katalogisiert. Damit wollten die westdeutschen Behörden vor allem fremde Agenten und Spione enttarnen, erklärt Soch: „In mindestens zwei Fälle haben die Kontrollen nachweislich zur Enttarnung von Agenten geführt.“

Ihren Recherchen zufolge haben die Behörden Zur Hochphase der Kontrollen in den 1960er Jahren alleine am Standort Hannover 2.000 Briefe, sowie 40-100 Päckchen und Pakete täglich geöffnet. „Die Abgeordneten des Bundestags waren mehrheitlich nicht über die Kontrollen informiert“, so die Historikerin.

Ausmaß der Kontrollen bislang unbekannt

Bislang war ein solches Vorgehen nur bei Briefen bekannt, die zwischen BRD und DDR verschickt wurden. Das hatte der Freiburger Historiker Joseph Foschepoth 2012 in seinem Buch "Überwachtes Deutschland" herausgefunden.

Die Kontrollen von Päckchen und Paketen waren bislang nur von DDR-Behörden bekannt. So hat das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) ebenfalls massenhaft Postsendungen geöffnet und durchsucht. Die Historikerin Soch hat jedoch herausgefunden, dass dabei neben Staatsbediensteten auch im großen Stil Aushilfen zum Einsatz kamen. Darunter seien sowohl Auszubildende der DDR-Post, als auch Studenten gewesen.

Die "Westpakete" wurden insbesondere in der Vorweihnachtszeit von Bundesbürgern an Bekannte und Verwandte in der ehemaligen DDR verschickt und enthielten viele Produkte, die dort nicht verfügbar waren. Etwa Schokolade, Seife oder Kaffee. Umgekehrt gab es auch "Ostpakete". Zu den Spitzenzeiten in den 1980er Jahren überquerten jährlich bis zu 25 Millionen Päckchen und Pakete die deutsch-deutsche Grenze.

(mdr/ahe)

Über dies Thema berichtet die MDR ZEITREISE auch im TV. TV | 05.12.2017 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Dezember 2017, 13:38 Uhr