1925: Leipzig fährt elektrisch!

Der Dieselskandal in Deutschland hat das Ende des Verbrennungsmotors eingeläutet. Die Zukunft des Autos wird elektrisch. Alles auf Anfang also, denn elektrisch hatte das Automobilzeitalter vor mehr als 130 Jahren auch begonnen.

Schon 1881 bringt der Franzose M. Gustave Trouvé ein Elektroauto auf den Markt. Erst fünf Jahre später knattert der erste spritbetriebene Wagen von Karl Benz über die Straßen. Und während die Benziner noch Angst und Schrecken verbreiten, ist der leise surrende Elektrowagen längst serienreif.

Ein kurzer Boom

Einige Jahre boomt das Geschäft mit elektrisch angetriebenen Automobilen. Allein in Deutschland produzieren rund 30 Firmen Elektroautos. Doch Wagen mit Verbrennungsmotoren machen das Rennen. Schon damals, meint Historiker Ulf Morgenstern, hätten die Leute so getickt wie wir heute. Dieser eine Vorteil, fahren zu können, wann man will, habe die Menschen offenbar seinerzeit schon dazu bewogen, dem Verbrennungsmotor den Vorrang zu geben. Und auch die damals sehr bescheidene Geschwindigkeit der Elektromobile erweist sich ziemlich schnell als handfester Nachteil.

Leipzig fährt elektrisch

Elektro Autos Leipzig
Gesteuert mit dem Körper, fährt sich die Eidechse so einfach, dass selbst Kinder spielend damit klar kommen - so jedenfalls die Werbebotschaft damals. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Stadtverkehr kann sich der Stromwagen allerdings noch eine ganze Weile behaupten. In Leipzig bringt die Firma Bleichert, ein Hersteller von Seilbahnen von Weltrang,  Anfang der 1920er Jahre ihr erstes Elektromobil auf die Straße: die Bleichert-Eidechse. Der kleine, wendige Transporter wird in engen Werkshallen eingesetzt und transportiert Gepäck auf dem Leipziger Hauptbahnhof.

Bleichert-Stromwagen erobern Deutschlands Innenstädte

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Unterwegs in ganz Deutschlad: Elektrisch betriebene Lastkraftwagen der Leipziger Firma Bleichert. Bis zu sieben Tonnen Nutzlast schafften die LKW. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Erfolg ihrer Eidechse lässt die Leipziger Firma den nächsten Schritt wagen. Sie entwickelt Lastkraftwagen für den Lieferdienst im Stadtverkehr. Seit 1925 fahren Bleichert-Stromwagen in ganz Deutschland. Tagsüber bringen sie Brot in die Läden, liefern Getränke oder holen den Müll von den Straßen ab. Nachts tanken die Akkus der Lastwagen an betriebseigenen Ladestationen preiswerten Nachtstrom.

Staatlich gefördert

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Elektrisch fahren und sparen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Da der Strom damals billiger ist als Benzin und Diesel, ist der Betrieb der Bleichertfahrzeuge ausgesprochen preiswert. Und schon damals fördert der Staat elektrisch betriebene Autos. 1930 zahlen Stromwagenfahrer weniger Steuern für ihre Fahrzeuge. Auch die Versicherungsbeiträge sind niedriger.

Ein letzter Versuch

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Ein schnittiger Flitzer. Allerdings selbst für damalige Verhältnisse lahm: Mehr als 30 km/h schafft das Edelcabrio von Bleichert nicht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Obwohl in den 1930er Jahren längst klar ist, dass die Zukunft den schnellen Autos mit Verbrennungsmotoren gehört, entwickelt Bleichert 1935 ein schickes E-Cabrio. Ein wahres Prachtstück. Doch mit 30 km/h Spitzengeschwindigkeit und 70 Kilometern Reichweite hat der Luxuszweisitzer keine Chance gegen die Konkurrenz von Opel, Audi und Benz.

Die Eidechse zuckelt bis zum Ende der DDR

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Bis 1961 liefert Bleichert, inzwischen VEB Schwermaschinenbau Verlade- und Transportanlagen, Stromfahrzeuge an Reichsbahn und Deutsche Post. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Firma Bleichert und mit ihr die Elektroautoproduktion überstehen den Zweiten Weltkrieg. Auch die mittlerweile schon legendäre "Bleichert-Eidechse" läuft bald wieder vom Band und feiert neue Erfolge auf der Leipziger Messe. Bis 1961 liefert der Betrieb, inzwischen VEB Schwermaschinenbau Verlade- und Transportanlagen, Stromfahrzeuge an Reichsbahn und Deutsche Post. Viele der elektrischen Lastesel halten bis zum Ende der DDR durch.  

Geschichte

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In den 1920er Jahren hat das Auto mit Verbrennungsmotor das Rennen um die Vorherrschaft auf den Straßen gewonnen. Elektromobile scheinen wie hier im Bild nur noch als Kinderspielzeug zu taugen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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In den 1920er Jahren hat das Auto mit Verbrennungsmotor das Rennen um die Vorherrschaft auf den Straßen gewonnen. Elektromobile scheinen wie hier im Bild nur noch als Kinderspielzeug zu taugen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Doch der Schein trügt. Im Stadtverkehr sind E-Mobile weiter präsent. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Elektro Autos Leipzig Prospekte
Anteil daran hat auch die Leipziger Firma Bleichert. Eigentlich auf Kabelseilbahnen spezialisiert, bringt Bleichert Anfang der 1920er Jahre seine "Bleichert-Eidechse" auf den Markt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Der Lastkarren ist klein und wendig. Gelenkt wird er, indem der Fahrer sein Körpergewicht verlagert. Er sei so leicht zu bedienen, dass selbst Kinder auf Anhieb mit ihm fahren können, suggeriert ein Werbeclip von damals. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Eingesetzt wird die "Bleichert-Eidechse" zum Koffertransport auf Bahnhöfen ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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... und in engen Werkshallen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Nach dem Erfolg ihrer "Eidechse" legen die Bleichert-Werke Leipzig nach und produzieren weitere Stromwagen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Ab 1925 fahren die Stromer made in Leipzig in ganz Deutschland. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Bleichert baut Lastkraftwagen mit bis zu sieben Tonnen Nutzlast. Die LKW fahren für Brauereien ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Elektroautos aus Leipzig
...entsorgen den städtischen Müll, Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Elektroautos aus Leipzig
... liefern Brot und ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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... Zeitschriften. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Elektroautos aus Leipzig
Selbst im Leipziger Wildpark sind die E-Mobile von Bleichert präsent: Wer des Spazierens müde ist, lässt sich fahren ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Elektroautos aus Leipzig
Tagsüber tun die Stromer unermüdlich ihren Dienst, nachts werden ihre Akkus mit preiswertem Nachstrom aufgeladen.

Da der Strom damals billiger ist als Benzin und Diesel, ist der Betrieb der Bleichertfahrzeuge ausgesprochen preiswert. Und schon damals fördert der Staat elektrisch betriebene Autos. 1930 zahlen Stromwagenfahrer weniger Steuern für ihre Fahrzeuge. Auch die Versicherungsbeiträge sind niedriger.
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Obwohl in den 1930er Jahren längst klar ist, dass die Zukunft den schnellen Autos mit Verbrennungsmotoren gehört, entwickelt Bleichert 1935 ein schickes E-Cabrio. Ein wahres Prachtstück. Doch mit 30 km/h Spitzengeschwindigkeit und 70 Kilometern Reichweite hat der Luxuszweisitzer keine Chance gegen die Konkurrenz von Opel, Audi und Benz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Die Firma Bleichert und mit ihr die Elektroautoproduktion überstehen den Zweiten Weltkrieg. Auch die mittlerweile schon legendäre "Bleichert-Eidechse" läuft bald wieder vom Band und feiert neue Erfolge auf der Leipziger Messe. Bis 1961 liefert der Betrieb, inzwischen VEB Schwermaschinenbau Verlade- und Transportanlagen, Stromfahrzeuge an Reichsbahn und Deutsche Post.

(Über dieses Thema berichtete der MDR auch in "MDR um 4", am 14.09.2017 | 16:00 Uhr)
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Geschichte

Elektroautos aus Leipzig
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Über dieses Thema berichtet der MDR auch im: TV | 08.08.2017 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2018, 16:28 Uhr