Animation am Begrinn einer "Farbsendung" mit stilisiertem Fernsehturm
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als das Fernsehen der DDR bunt wurde

Am 3. Januar 1956 ging der Deutsche Fernsehfunk offiziell auf Sendung. Gestartet war das DDR-Fernsehen schon drei Jahre zuvor mit der Ausstrahlung der ersten "Aktuellen Kamera". Ab 1969 konnten DDR-Bürger Farb-TV sehen.

Animation am Begrinn einer "Farbsendung" mit stilisiertem Fernsehturm
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Als das DDR-Fernsehen 1969 bunt wurde, hatten die Bundesbürger schon zwei Jahre lang viele Fernsehsendungen in Farbe gesehen. Dort hatte das Farbfernsehen bereits am 25. August 1967 Premiere gehabt. Ein großer Vorsprung. Dabei war das Fernsehen in Ost und West in den 1950er Jahren nahezu zeitgleich gestartet.

Geschichte

Die Einführung des Farbfernsehens in der DDR

Mit dem Start des 2. Programms des Deutschen Fernsehfunks und der gleichzeitigen Eröffnung bzw. Inbetriebnahme des Berliner Fernsehturms am 3. Oktober 1969 wurde das Farbfernsehen auch in der DDR eingeführt.

Berliner Fernsehturm mit Baukran, 1969.
3. Oktober 1969: Das Politbüro weilt am neu errichteten Berliner Fernsehturm. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Berliner Fernsehturm mit Baukran, 1969.
3. Oktober 1969: Das Politbüro weilt am neu errichteten Berliner Fernsehturm. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Walter Ulbricht drückt am 3. Oktober 1969 einen Schalter um damit damit den Startschuss für das zweite Programm des DDR-Fernsehens den Start des Farbfernsehens in der DDR zu geben.
Mit dabei ist Walter Ulbricht: Pünklich zum 20. Republikgeburtstag drückt er den Startknopf für das zweite Programm des DDR-Fernsehens ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Animation am Begrinn einer "Farbsendung" mit stilisiertem Fernsehturm
... und startet damit auch die Einführung des Farbfernsehens in der DDR. Die Welt im Ost-TV wird zwei Jahre später bunt als in der Bundesrepublik. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Montage Fernsehgerät (schwarz-weiss) mit farbigen Bild der Moderatorin
Der DFF in Adlershof sendete in seinem zweiten Programm von nun an wöchentlich 4,5 Stunden "kulturell hochwertiges Programm" in Farbe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Mann sitzt an Schaltpult im Sendezentrum des Sowjetischen Fernsehens 1969
Zuvor wurden die Fernsehmacher des DFF bei ihren russsichen Klassenbrüdern im Moskauer Fernsehzentrum "Ostankino" gründlich in Sachen Farbfernsehen geschult. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
SECAM (Séquentiel couleur à mémoire) war die in Frankreich, Russland, der DDR und Osteuropa verbreitete analoge Fernsehnorm für die Farbübertragung im analogen Fernsehen.
Von den russischen Kollegen übernahm die DDR auch die von den Franzosen entwickelte Fernsehnorm zur analogen Farbübertragung SECAM. Da man im Westen mit der PAL-Norm sendete, blieben Ost- und Westfernsehen bis 1977 farblich getrennt. Erst danach wurden Fernsehgeräte mit beiden Farbdecodern auch in der DDR verkauft. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Erste Ausgabe der DDR-Programmzeitschrift FF-Dabei nach Einführung des Farbfernsehens in der DDR 1969.
Ab 1969 wies die DDR-Programmzeitschrift "FF-Dabei" die Farbsendungen im Fernsehprogramm aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Schild "Aktion Regenbogen"
In der geheimen Kommandosache "Aktion Regenbogen" entwickelte Robotron in Dresden pünktlich zur Einführung des Farbfernsehens das erste Farbfernsehgerät der DDR. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Der erste handelsübliche DDR-Farbfernsehempfänger vom Typ Color 20/1" aus der Produktionspalette von RFT, aufgenommen am 01.12.2009 in der Ausstellung "Als die Welt farbig wurde" im Kreismuseum in Schönebeck (Salzlandkreis).
Produziert wurde das, mit einer störanfälligen russischen Bildröhre ausgestattete Farbfernsehgerät vom Typ Color 20/1, bei RFT in Stassfurt und kam für stolze 3.700 Mark in den Handel. Bildrechte: dpa
Menschen drängeln sich vor einem Fernsehgeschäft welches Farbfernsehgeräte anbietet.
Auch wenn sich die meisten damals keinen Farbfernseher leisten konnten, war die Begeisterung für das Farbfernsehen groß, wie der Andrang bei einer Farbfernsehvorführung vor diesem Fachgeschäft zeigt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Geschichte

Animation am Begrinn einer "Farbsendung" mit stilisiertem Fernsehturm
... und startet damit auch die Einführung des Farbfernsehens in der DDR. - Damit startet das Farbfernsehen im Osten zwei Jahre später als in der Bundesrepublik. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im März 1950 hatte der Ministerrat der DDR den Aufbau eines eigenen Fernsehsenders beschlossen. Im August 1952 war im Staatlichen Rundfunkkomitee beim Ministerrat ein eigener Intendanzbereich für das Fernsehen eingerichtet worden. Bereits am 1. Januar 1951 hatte man im VEB Sachsenwerk Radeberg mit der Produktion der Fernsehgeräte vom Typ "Leningrad T2" begonnen. Zunächst erreichte der "Deutsche Fernsehfunk", wie das Fernsehen bis 1972 hieß, nur wenige Bürger. Im Gründungsjahr des "Fernsehens der DDR", so der Name von 1972 bis 1989, besaßen nur etwa 600 Haushalte Fernsehgeräte. Doch schon 1965 waren 71.000 Geräte angemeldet.

Fernsehen wird auch in der DDR zur beliebten Freizeitbeschäftigung

Das Angebot in den ersten Jahren beschränkte sich auf nur wenige Stunden Sendezeit pro Tag, erst Ende der 60er Jahre wurde das Fernsehen mit über vier Millionen Empfangsgeräten und einer täglichen Sendedauer von durchschnittlich 12 Stunden zu einem echten Massenmedium. Mit der Hebung des allgemeinen Lebensstandards in den 60er Jahren und der größeren Nachfrage nach Freizeitangeboten wurde das Fernsehen wie in den anderen Industriestaaten der Welt zu einem wichtigen Bereich des gesellschaftlichen Lebens.

Die Geräte aus dem "VEB Kombinat Rundfunk und Fernsehen (RFT) Staßfurt", wo nun produziert wurde, waren Bestandteil des Alltags geworden. Fernsehen bezeichnete ein großer Teil der Bevölkerung als die vorwiegende Freizeitbeschäftigung. 1982 konnten rund 90 Prozent der Haushalte Fernsehen empfangen, ein Fünftel von ihnen auch Farbfernsehen.

Ende der 1960er Jahre folgt zweiter Fernsehsender

Fernsehstudios in der DDR, die größeren in Berlin-Adlershof, Berlin Johannisthal, Rostock ("Fernseh-Ostsee-Studio", ab 1961) und Halle (Eröffnung 1964) produzierten für die Sparten Publizistik, Wirtschaft, Kultur, Jugend und Sport, Unterhaltung und Musik, Fernsehfilm und Schulfernsehen. Nach dem Tod des langjährigen Leiters des Staatlichen Rundfunkkomitees Gerhard Eisler und der Gründung eines eigenen Staatlichen Komitees für Fernsehen beim Ministerrat 1968 erfolgte der Aufbau eines zweiten Senders und die Inbetriebnahme der Sender Berlin (Fernsehturm auf dem Alexanderplatz), Dequede, Dresden und Schwerin.

Mit Musiksendungen und Filmen in seinem Nachmittags- und Abendprogramm versuchte das zweite Programm, dem Publikumsgeschmack näher zu kommen. Im Zweiten Programm wurden ab 1969 auch erstmals in der DDR Sendungen in Farbe ausgestrahlt. Wie so vieles war auch die Farbe auf dem Bildschirm ein Politikum.

Montage Fernsehgerät (schwarz-weiss) mit farbigen Bild der Moderatorin
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Farbfernsehgerät: Luxus für über 6.000 Mark

Die mit dem französischen SECAM-System arbeitenden Geräte aus DDR-Produktion ermöglichten nur den Empfang von DDR-eigenen Sendungen in Farbe. Erst 1977 wurde stillschweigend auch der Einbau des westdeutschen PAL-Systems in die neue Fernseherproduktion gestattet, nachdem sich die Staatsführung nicht mehr in der Lage sah, den massenhaften Konsum westdeutscher Fernsehprogramme verbieten zu können. Die Produktion konnte die Nachfrage jedoch nie befriedigen.

Vielleicht war auch das ein Grund für die hohen Preise: 4.100 Mark kostete das Einstiegsmodell "Chromat 1062" 1962, noch 1980 mussten für die Luxusversion "Chromat 67" mit einer 61er Bildröhre 6.250 Mark bezahlt werden. Das war das vier bis fünffache eines Durchschnittseinkommens. So war der neue Farbfernseher schon mal ein Grund, die Nachbarn für den Abend einzuladen. Fernsehen als Gemeinschaftsereignis.

Gemeinschaftsantennen bringen Westfernsehen auch ins "Tal der Ahnungslosen"

Männer montieren Antennenanlage
Einigen Tüftlern gelang es, trotz aller Widrigkeiten selbst im Dresdner Raum West-Programme zu empfangen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ab 1973 sendete auch das Erste Programm in Farbe. 1986 verfügte eine Anordnung die Erlaubnis der Errichtung von Gemeinschaftsantennen - nun waren auch in den bis dahin vom Westfernsehen ausgeschlossenen Gebieten der DDR ("Tal der Ahnungslosen" um Dresden und der Nordosten der Republik um Greifswald) die westdeutschen Sender ARD und ZDF zu empfangen. Vorbei waren die Zeiten, da sich die FDJ noch mit politischen Offensiven für die parteigetreue Ausrichtung eingesetzt hatte, wie durch die "Aktion Ochsenkopf" in den 60er Jahren, durch die versucht worden war, auf Westsender eingestellte Antennen und die Köpfe ihrer Besitzer "auf Linie zurückzudrehen". Was im Klartext bedeutete: Wer mit "Westantenne" erwischt wurde, musste Repressalien befürchten. Gerade in der Schule wurde versucht, Kinder über das Fernsehprogramm der Eltern auszufragen.

Honecker selbst verlangt besseres Fernsehprogramm

Erich Honeckers nach seiner Machtübernahme 1971 geäußerte Kritik an der langweiligen Programmgestaltung führte im November 1972 zu einem Politbüro-Beschluss zur Verbesserung der Medienarbeit. Durch den Ankauf westlicher Kriminalserien und die Verpflichtung ausländischer Musiker und Schlagersänger sollte die Akzeptanz des eigenen Fernsehprogramms gehoben werden. Aber auch durch eigene Produktionen sollte das Fernsehen interessanter gemacht werden: Seit Beginn der 70er Jahre wurden verstärkt Ratgebersendungen produziert, die sich mit alltäglichen Problemen befassten. Die Maßnahmen führten aber nicht zu den gewünschten Erfolgen.

Auf dem 9. Plenum des ZK der SED stellte Honecker resigniert fest, dass sich die Verbreitung westlicher elektronischer Medien nicht mehr kontrollieren lasse. Viele der in den 60er Jahre entstandenen Sendungen blieben aber auch nach 1971 im Programm, so die Propagandasendung "Der schwarze Kanal" von Karl-Eduard von Schnitzler und das außenpolitische Magazin "Objektiv". Neu im Programm waren dagegen "Antworten zu Fragen der Zeit" zu innenpolitischen Themen (Sendestart 1973) und die Talkshow "Portrait per Telefon" mit Sportmoderator Heinz Florian Oertel (Sendestart 1971).

"Ein Kessel Buntes" und "Der Fernsehkoch empfiehlt"

Helga Hahnemann
Helga Hahnemann im Kessel Buntes Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Beliebt waren Märchenverfilmungen - und das Sandmännchen. Nach den großartigen Erfolgen der DDR-Sportler bei internationalen Turnieren erfreute sich auch die Sportberichterstattung hoher Zuschauerzahlen, wenn auch die Fußballbundesliga mit ebenso hohem Interesse verfolgt wurde wie das Schicksal der Vereine der DDR-Oberliga. Die Unterhaltungssendung "Ein Kessel Buntes" traf nicht selten die Kritik der "parteilichen" Medienbeobachter, wenn der Einsatz satirischer Mittel das Maß überschritt, das man mit der "sozialistischen Unterhaltungskunst" vereinbar glaubte.



Ein Fernseh-Star der besonderen Art wurde der Fernsehkoch Kurt Drummer ("Der Fernsehkoch empfiehlt"), der mit seinen Rezepten und Tipps in über 600 Folgen die ganze Republik erreichte und - passend zum Angebot der staatlichen Verkaufsstätten - Abwechslung auf den Tisch seiner Zuschauer brachte.


Darüber berichtete der MDR auch im TV am: 24.08.2007 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2010, 16:53 Uhr