DDR-Operationsaal Anfang der 80er Jahre
Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs

MDR FERNSEHEN | 26.05.2015 | 22:05 Uhr Gesundheit DDR! (1/2)

Neue Ärzte braucht das Land

Die DDR ist eines der ersten Länder, in denen Ende der 60er-Jahre eine Nierentransplantation gelingt. Andererseits gibt es in Krankenhäusern des Landes immer wieder Engpässe bei der Versorgung mit Spritzen und Medikamenten.

DDR-Operationsaal Anfang der 80er Jahre
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Nach dem 2. Weltkrieg - Städte sind zerstört, Menschen leben unter katastrophalen hygienischen Verhältnissen. Überall in Deutschland fehlen Ärzte. Aus den Kriegsgefangenlagern kehren Soldaten heim. Die meisten in einem sehr schlechtem Gesundheitszustand. Es grassieren Seuchen wie Typhus, Fleckfieber und Tuberkulose. Noch gibt es keine Medikamente gegen die hoch ansteckende TBC.

Am 7. Oktober 1949 wird die DDR gegründet. "Der Mensch steht im Mittelpunkt" schreiben die Staatsgründer in die Verfassung und rufen die Gesunderhaltung des Einzelnen zum Staatsziel aus. Alle Ärzte sollen innerhalb eines staatlich organisierten Gesundheitswesens für dieses Ziel arbeiten. Die Bekämpfung der Tuberkulose ist die erste große Herausforderung.

Es war einfach so, dass es notwendig war, die große Anzahl von Tuberkulosekranken richtig klinisch zu behandeln und deswegen war die Suche nach Medikamenten gegen die Tuberkulose von ganz großer Bedeutung.

Dr. Bernhard Wiesner, Facharzt für Innere Medizin Berlin

Die Idee vom allsorgenden Gesundheitswesen nimmt Gestalt an. Ein flächendeckendes Netz an Polikliniken ist geplant. Ziel ist eine Poliklinik in jeder Stadt und auch in den Betrieben. Zwar gibt es noch etwa 6.000 privat praktizierende Ärzte, neue Niederlassungen entstehen jetzt jedoch nur noch als staatliche Arztpraxen.

Ende der fünfziger Jahre steigt der Lebensstandard der Bevölkerung. Die DDR demonstriert ihren Erfolgskurs gern öffentlich. Zugleich verlassen immer mehr Ärzte das Land. Bis 1960 sind es fast 4.000. Mit ihrer guten Ausbildung sind die Ärzte aus Görlitz und der übrigen DDR im Westen gefragt. Ende der 60er Jahre ist das Netz an Polikliniken in den Städten nahezu flächendeckend, ganz anders auf dem Land.

Interviewpartner Frank von Olszewski (li.) mit einer SMH (Schnelle Medizinische Hilfe) vor der Chirurgischen Poliklinik Jena (1977).
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Das eigentliche Rückgrat der Gesundheitsversorgung auf dem Land ist eine Erfindung der DDR: die Gemeindeschwester. Pflegedienst, Krankenschwester und Seelsorgerin, die Gemeindeschwester ist viel mehr als eine Helferin des Arztes. Sie wird zum mobilen Erfolgsmodell. Die Gemeindeschwestern genießen hohes Ansehen bei der Landbevölkerung. Mit Fleiß und Engagement gleichen sie aus, was das System nicht leisten kann.

Wenn nachts Anrufe kamen, bin ich gefahren und wenn es dann nicht klappte, ich dem Patienten nicht helfen konnte, dann habe ich den Doktor angerufen.

Tilli Kaiser, Gemeindeschwester Spreenhagen

Die Gesundheitsvorsorge wird fester Bestandteil von Erziehung und Bildung. In den Schulen gibt es jetzt ein Arztzimmer, zweimal im Jahr kommt der Zahnarzt, Reihenuntersuchungen, Impfungen, alles nach striktem Plan. Im Land selbst entwickelt sich Ende der sechziger Jahre ein bescheidener Wohlstand.

Gleichzeitig nimmt eine neue Krankheit zu: Diabetes. Ausgerechnet diese Wohlstandskrankheit hilft dem Gesundheitswesen, die ersehnte internationale Anerkennung zu finden. Ein internationaler Wettlauf um die Spitze der Diabetesforschung beginnt. Das Diabeteszentrum in Karlsburg arbeitet jetzt immer enger mit der WHO zusammen.

Bei der Diabetesbehandlung kann sie die Vorteile ihres zentralistischen Systems voll ausspielen. Von der Früherkennung über die Erfassung aller Kranken bis zur Dialyse werden die Diabetiker betreut – ein effektives Modell. Mit diesen Erfolgen im Rücken stellt das Land einen neuen Antrag an die WHO. Im Juli 1973 gelingt die ersehnte Aufnahme in die Weltgesundheitsorganisation. Ein Triumph im Wettstreit der Systeme. Die DDR ist mit ihrem Gesundheitssystem international angekommen.

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2015, 14:10 Uhr