Eberhard Vogel überläuft 1969 zwei walisische Gegenspieler.
Bis zu 61.000 Zuschauer strömten zu Sportereignissen ins Heinz-Steyer-Stadion. Hier ein Bild aus dem Jahr 1969 vom vierten und letzten Länderspiel einer DDR-Auswahl. In Aktion: Eberhard Vogel, der zwei walisische Gegenspieler überläuft und am Ende einen 2:1-Sieg mit der DDR über Wales feierte. Bildrechte: dpa

Dresdner Heinz-Steyer-Stadion wird 100 Jahre alt

Vor exakt 100 Jahren, am 12. Oktober 1919, wurde das heutige Heinz-Steyer-Stadion fertiggestellt. Ursprünglich trug es den Namen "Stadion am Ostragehege des Dresdner SC", dem Hauptnutzer der für Fußball und Leichtathletik errichteten Anlage. Meilensteine wie das erste Heim-Länderspiel einer DDR-Auswahl, Ankünfte der Friedensfahrt, die erste Flutlichtanlage Deutschlands zieren seit jeher die Geschichte des Stadions, genauso wie das Elbehochwasser 2002.

Eberhard Vogel überläuft 1969 zwei walisische Gegenspieler.
Bis zu 61.000 Zuschauer strömten zu Sportereignissen ins Heinz-Steyer-Stadion. Hier ein Bild aus dem Jahr 1969 vom vierten und letzten Länderspiel einer DDR-Auswahl. In Aktion: Eberhard Vogel, der zwei walisische Gegenspieler überläuft und am Ende einen 2:1-Sieg mit der DDR über Wales feierte. Bildrechte: dpa

Das Heinz-Steyer-Stadion in Dresden, benannt nach dem gleichnamigen Kommunisten und NS-Widerstandskämpfer, feiert am Sonnabend, den 12. Oktober seinen 100. Geburtstag. Ursprünglich für Leichtathletik-Wettkämpfe und Fußballspiele konzipiert, kämpfen in der Anlage, in welcher einst Platz für 65.000 Zuschauer war, die Dresden Monarchs in der German Football League und die Fußballer des Dresdner SC in der Landesklasse um Punkte im Liga-Betrieb.

Fußball | Historie 100 Jahre Heinz-Steyer-Stadion in Bildern

Weltrekorde, Länderspiele, Hochwasser, Helmut Schön, Deutsche Meisterschaften - das Heinz-Steyer-Stadion hat viel erlebt. Hier finden Sie eine Übersicht in Bildern.

Eberhard Vogel überläuft 1969 zwei walisische Gegenspieler.
Das Heinz-Steyer-Stadion in Dresden. 1919 eingeweiht. 50 Jahre später fand das vierte und letzte Fußball-Länderspiel einer DDR-Auswahl in diesem Stadion statt. 40.000 Zuschauer verfolgten den 2:1-Sieg über Wales. Bildrechte: dpa
Eberhard Vogel überläuft 1969 zwei walisische Gegenspieler.
Das Heinz-Steyer-Stadion in Dresden. 1919 eingeweiht. 50 Jahre später fand das vierte und letzte Fußball-Länderspiel einer DDR-Auswahl in diesem Stadion statt. 40.000 Zuschauer verfolgten den 2:1-Sieg über Wales. Bildrechte: dpa
Der Leipziger Klaus Ampler, spricht am 23.05.1963 als Träger des Gelben Trikots vor dem Start zur 13. Etappe der Internationalen Friedensfahrt von Dresden nach Erfurt mit Fans.
Der Leipziger Klaus Ampler spricht am 23.05.1963 als Träger des Gelben Trikots vor dem Start zur 13. Etappe der Internationalen Friedensfahrt von Dresden nach Erfurt mit Fans. Am 7. Mai 1955 war das Steyer-Stadion erstmals Etappelziel der Friedensfahrt. 60.000 Zuschauer verfolgten den Zieleinlauf damals. Es sollten zwölf weitere Zielankünfte folgen. Bildrechte: dpa
Der ehemalige Trainer der Fußball-Nationalmannschaft, Helmut Schön, küsst einen Fußball.
Helmut Schön kickte einst beim Dresdner SC im Steyer-Stadion am Ostragehege und feierte 1943 und 1944 den Gewinn der deutschen Meisterschaft. Später führte er als Nationaltrainer die DFB-Auswahl u.a. zum WM-Titel 1974. Bildrechte: IMAGO
Rückwärtsläufer Thomas Dold im Heinz Steyer Stadium
13 Leichtathletik-Weltrekorde wurden hier aufgestellt. Unter anderem sprang Heike Drechsler 1986 7,45 Meter weit und stellte damit ihren eigenen Rekord ein. Sprinterin Marlies Göhr gewann 1977 den Lauf über 100 Meter in überragenden 10,88 Sekunden. Hier posiert Rückwärtsläufer Thomas Dold vor der legendären Rekordtafel im Stadion. Bildrechte: imago/Sven Ellger
Glen Toonga am Ball
Während zu DDR-Zeiten zahlreiche Events wie die Friedensfahrt, Sportangel-Weltmeisterschaften, Feldhandball-Weltmeisterschaften sowie Länderspiele der DDR bis zu 61.000 Zuschauer anlockte, sieht die Gegenwart im Vergleich dazu etwas trister aus. Dennoch: Seit 2007 nutzen die Footballer der Dresden Monarchs das Steyer-Stadion für ihre Heimspiele. Der größte Erfolg: Vizemeister 2013. Bildrechte: imago images / Hentschel
Yazan Nasser klatscht 2018 mit den Fans ab.
4500 Zuschauer dürfen die Spiele der Monarchs maximal verfolgen. Der Stimmung tut dies keinen Abbruch. Hier klatschen die Spieler mit ihren Fans ab. Bildrechte: imago images / Hentschel
Heinz-Steyer-Stadion unter Wasser, 2002
2002 war ein ganz bitterer Moment für das Steyer-Stadion. Im Zuge des Jahrhundert-Hochwassers wurde das Stadion komplett überflutet. Bildrechte: imago images / Thomas Eisenhuth
Heinz-Steyer-Stadion 2002 unter Wasser
An Fußball oder Leichtathletik war nicht zu denken. Die Regionalliga-Kicker des Dresdner SC sind teilweise nach Meißen ausgewichen. Bildrechte: imago images / Thomas Eisenhuth
Jenny Elbe im Heinz Steyer Stadium beim anlaufen
Aktuell wird das Stadion von Leichtathleten, den Fußballern des Dresdner SC sowie den Dresden Monarchs als Spielstätte genutzt. Hier posiert Dreispringerin Jenny Elbe im Stadion. Bildrechte: imago/Hentschel
Die Anzeigetafel im Heinz-Steyer-Stadion des Dresdner SC, 2003
Eine Besonderheit zudem: Die Anzeigetafel. Hier bei einem Spiel der NOFV-Oberliga zwischen dem Dresdner SC und Carl Zeiss Jena aus dem Jahr 2003. 17,2 Meter breit, 8,28 Meter hoch und 2,5 MEter tief - die beeindruckenden Maße. 1978 wurde sie eingeweiht. Letztmals erleuchtete sie 2007 bei einem Spiel der Footballer. Seit 2008 ist sie außer Betrieb. Bildrechte: imago images / Matthias Koch
Das Heinz-Steyer-Stadion in Dresden, aufgenommen 2000 aus der Luft, dahinter die Eissporthalle, im Vordergrund die Yenidze
Eine Luftaufnahme aus dem Jahr 2000 zeigt das Stadion aus der Vogelperspektive. Die Eissporthalle im Hintergrund ist genauso zu sehen wie die riesige Anzeigetafel. Bildrechte: imago images / Robert Michael
Anja Lunch schießt den Fussball beim DFB Pokal der Frauen
2016 gastierte das Fußball-Spitzenteam der Frauen, der VfL Wolfsburg vor über 1.000 Zuschauern beim 1. FFC Fortuna Dresden zum Spiel im DFB-Pokal. 0:9 hieß es am Ende aus Dresdner Sicht. Bildrechte: imago/foto2press
Marode Baracke am Zugang zum Heinz-Steyer-Stadion, 2006
Ein Bild aus dem Jahr 2006. Das Heinz-Steyer-Stadion ist modernisierungsbedürftig. Bis heute. Bis 2024 sollen Investitionen in Millionenhöhe abgeschlossen sein, um allen Sportlern wie den Leichtathleten, den Fußballern des Dresdner SC und den Footballern der Dresden Monarchs beste Bedingungen bieten zu können. Bildrechte: dpa
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Fußball-Stätte von Ex-Bundestrainer Helmut Schön

Der bislang erfolgreichste Bundestrainer einer DFB-Auswahl, Helmut Schön, feierte als Aktiver mit dem Dresdner SC im Steyer-Stadion einige Erfolge. 1943 und 1944 wurde er deutscher Fußball-Meister.

Der ehemalige Trainer der Fußball-Nationalmannschaft, Helmut Schön, küsst einen Fußball.
Ein prägendes Gesicht des Steyer-Stadions. Der gebürtige Dresdner Helmut Schön. DSC-Legende und Trainer der DFB-Auswahl beim WM-Titel 1974. Bildrechte: IMAGO

Später holte der als Trainer mit dem DFB-Team von 1964 bis 1978 in 139 Spielen nicht nur den bisher besten Punkteschnitt (2,09 Punkte), sondern auch den EM-Titel 1972 sowie den WM-Titel 1974. Ab 1950 gab sich die SG Volkspolizei Dresden die Ehre im Steyer-Stadion. Der daraus 1953 hervorgegangene Nachfolger, die SG Dynamo Dresden, blieb bis zum Umzug Ins Rudolf-Harbig-Stadion bis 1957. Das Areal erlebte viele Höhen und Tiefen. Wir werfen einen Blick in die Historie.

Feldhandball, Friedensfahrt und Weltrekorde in der Leichtathletik

Der Leipziger Klaus Ampler, spricht am 23.05.1963 als Träger des Gelben Trikots vor dem Start zur 13. Etappe der Internationalen Friedensfahrt von Dresden nach Erfurt mit Fans.
Der Leipziger Klaus Ampler spricht am 23. Mai 1963 als Träger des Gelben Trikots vor dem Start zur 13. Etappe der Internationalen Friedensfahrt mit Fans. Bildrechte: dpa

Vor allem zu DDR-Zeiten erwies sich die Anlage als Austragungsort für zahlreiche Sportarten. Beispielsweise verfolgten im Jahr 1961 12.000 Zuschauer das Finale der Meisterschaft der Damen im Feld-Handball zwischen dem SC Fortschritt Weißenfels und dem SC Rotation Berlin (7:3). Sportanglerin Helga Wischer glänzte im gleichen Jahr mit sieben Weltmeistertiteln. Mehrfach war das Stadion Etappenort für die legendäre Friedensfahrt, erstmals am 7. Mai 1955.

In der Leichtathletik wurden hier 1990 nicht nur die letzten DDR-Meisterschaften ausgetragen, sondern zudem auch zahlreiche Weltrekorde aufgestellt. Die zweimalige Olympiasiegerin Heike Drechsler stellte beispielweise 1986 den eigenen Weltrekord im Weitsprung über 7,45 Meter ein. Neun Jahre zuvor gelang 100-Meter-Sprinterin Marlies Göhr der Sieg in 10,88 Sekunden.

Zeittafel: Flutlicht, historische Ereignisse, Hochwasser

1935: 20.000 Zuschauer waren Zeuge des ersten Länderspiels im Stadion. Am 5. Mai 1921 trennte sich Deutschland von Österreich mit 3:3. Nach einem Brand im Jahr 1928 wurde die Anlage ausgebaut und Platz für 65.000 Zuschauer geschaffen. Der bis heute ungebrochene Zuschauerrekord liegt bei 61.000 Besuchern, welche sich Deutschlands 2:1 über die Tschechoslowakei am 26. Mai 1935 nicht entgehen lassen wollten.

1945: Im zweiten Weltkrieg diente die Anlage im Dresdner Ostragehege den Bomberpiloten als Orientierungspunkt, wurde aber im Gegensatz zu großen Teilen der Stadt beim Luftangriff am 1. Februar 1945 kaum beschädigt.

1946: Erstes Fußball-Spiel nach dem zweiten Weltkrieg. Ein Städtespiel zwischen Berlin und Dresden vor 60.000 Zuschauern im August 1946. Mit dabei sind die Dresdner Legenden Helmut Schön und Richard Hofmann.

1949: Im Steyer-Stadion steht seit dem 31. Dezember 1949 eine Flutlichtanlage – die erste in einem Stadion in Deutschland. Anlässlich des Abschiedsspiels für das Dresdner Fußballidol Richard Hofmann wurde sie im Zuge eines Spiels der SG Friedrichstadt gegen eine DDR-Auswahl (2:0) eingeweiht.

Eberhard Vogel überläuft 1969 zwei walisische Gegenspieler.
Im Heinz-Steyer-Stadion gab sich die DDR vier Mal die Ehre. Das erste mal 1955 gegen Bulgarien (0:0), das letzte Mal 1969 in der WM-Qualifikation gegen Wales (2:1). Auf dem Bild festgehalten: DDR-Auswahl-Akteur Eberhard Vogel (li.) gegen zwei walisische Gegenspieler. Bildrechte: dpa

1954: 1954 und 1959 war das Steyer-Stadion Austragungsort des Finals um den FDGB-Pokal.

1955: 55.000 Zuschauer waren am 14. Juni 1955 Zeuge des ersten Heimländerspiels einer DDR-Fußballmannschaft. Gegen Bulgarien hieß es nach 90 Minuten 0:0.

1969: Das vierte und letzte Länderspiel einer DDR-Auswahl im Steyer-Stadion. 40.000 Zuschauer verfolgten das WM-Qualifikationsspiel zwischen der DDR gegen Wales (2:1).

2002: Im Zuge des "Jahrhundert-Hochwasser" im Jahr 2002, als die Elbe einen Pegel von 9,40 Meter erreichte, stand das Stadion, wie weite Teile Dresdens komplett unter Wasser. Fußball-Regionalligist Dresdner SC musste teilweise nach Meißen ausweichen.

Heinz-Steyer-Stadion unter Wasser, 2002
Ein Bild aus dem Jahr 2002, als das Stadion im Zuge des Jahrhundert-Hochwassers komplett unter Wasser stand. Bildrechte: imago images / Thomas Eisenhuth

Aktuell 2019: Das Fassungsvermögen ist derzeit aus Sicherheitsgründen auf 4.500 herabgesetzt. Das Stadion befindet sich generell in einem sanierungsbedürftigen Zustand und soll in den nächsten Jahren mit Investitionen in Millionenhöhe modernisiert werden. Ziel ist die Erhöhung der Kapazität auf mindestens 10.000 Plätze - um neue historische Kapitel zu schreiben. Vielleicht von den Dresden Monarchs, welche das Stadion seit 2007 nutzen.

MDR

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2019, 18:06 Uhr