80 Jahre Klaus Feldmann

Klaus Feldmannwar das sympathische Gesicht einer unsympathischen Sendung, der "Aktuellen Kamera". 28 Jahre lang trägt er stoisch scheinbare Erfolge des Sozialismus und angebliche Verfehlungen des Westens vor.

Mann mit Brille
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Er weiß, wie die "Aktuelle Kamera" auf seine Zuschauer gewirkt hat - Klaus Feldmann – das sympathische Gesicht einer unsympathischen Sendung. 28 Jahre lang verliest der Mann mit dem akkuraten Scheitel stoisch die scheinbaren Erfolge des Sozialismus genauso wie die angeblichen Verfehlungen des Westens. Das "Zwischen-den Zeilen-Lesen" überlässt er dem Zuschauer. 14 Mal wählt das Publikum den Nachrichtensprecher zum Fernsehliebling der DDR.

Kindertraum: Karriere beim Fernsehen

Klaus Feldmann hatte von Kindesbeinen an von einem Job vor der Kamera geträumt. Seine Fernseh-Karriere bei der Aktuellen Kamera beginnt 1961, im Jahr des Mauerbaus. Klaus Feldmann erinnert sich im Gespräch mit MDR Zeitreise, dass er gerade eine Zusagevom noch Nordwestdeutschen Rundfunk bekommen hatte:

Ich hätte also in Hannover anfangen können. Und da kam aber der 13.08. dazwischen. Ich wurde ins kalte Wasser geworfen, als ein Kollege nicht zum Frühdienst kam.

Der war nämlich in den Westen gegangen, so wie es Feldmann urspünglich selbst vorhatte.

Nun brauchte man dringend Leute und da besann man sich auf mich. Und dann habe ich da  von 0 auf 100 plötzlich Nachrichten gesprochen.

Die Nachrichten über den Mauerbau verliest Klaus Feldmann unter strenger Bewachung: Es ist kein redigierter Nachrichtentext, sondern es sind Verlautbarungen, die direkt aus dem Büro von Walter Ulbricht kommen. Rückblickend sagt Feldmann:

Ich habe es nicht bereut, nicht gegangen zu sein. Es war meine schönste Zeit, ich konnte was werden, habe Karriere gemacht in meinem Beruf.

Der angebliche "Scheiß von heute" nach zwei Gläsern Wein

Seine Karriere kriegt 1976 einen kleinen Knick – Feldmann liest die Nachrichten nachdem er zwei Gläser Wein getrunken hat. Das erschwert das Sprechen unaussprechlicher Titel und Funktionen. Feldmann:

Ich war ja nicht besoffen, bin da nicht rumgetorkelt, habe nicht gelallt. Aber ich habe dann die Sendung nicht so gelesen, wie man das von mir gewöhnt war. Wesentlich lockerer und lässig.

Angeblich soll er zum Ende der Sendung gesagt haben: "Das war der Scheiß von heute". Feldmann selbst sagt, diese Worte seien nicht von ihm gekommen, sondern ihm angedichtet worden.

Der Sprecher wird für den Rest des Jahres vom Bildschirm verbannt und muss Filmnotizen redigieren. Die beschwipste AK-Sendung wird vernichtet. Ab 1977 ist er wieder zu sehen - auch wenn er hin und wieder, fernab der Fernsehkamera, zur Rede gestellt wird, dass die DDR nicht so aussieht, wie er es berichten muss. Als Feldmann einmal neue Reifen für sein Auto brauchte, fertigt ihn der Reifenhändle brüsk ab:

Ick hab keene Reifen. Gehen Sie doch dahin, Sie berichten doch immer, wo es alles gibt. Müssen Sie sich von da welche holen.

In den 80er-Jahren wird die Diskrepanz zwischen den glücklichen Fernsehbildern und der DDR Realität immer größer. Feldmann selbst ist kein Staatsgegner. Er hofft auf Veränderungen von innen und von oben, nicht durch ihn.

Ich gehörte zu denen, von denen man erwartete, dass er 1000%ig hinter diesem Staat steht, nicht nur 100, sondern 1000%ig.  Und man hat sich gar nicht gewagt, mich anzusprechen... du wir könnten da vielleicht was ändern, könntest du uns helfen. Ich gebe natürlich auch zu, dass ich wirklich vielleicht auch zu feige war, vielleicht wollte ich auch gar nicht was  ändern. Mir ging es gut, ich hatte nichts zu befürchten.

Die Wende kommt ohne sein Zutun. Ende 1989 ist Klaus Feldmann lange krank. Er ist froh darüber, nicht plötzlich diejenigen verdammen zu müssen, deren Lobhymnen er einst sang. Nach 1989 arbeitet er erst als Pressesprecher bei der Dekra. 1995 wird er Nachrichten-Sprecher bei Lausitz-TV, einem kleinen regionalen Sender. Klaus Feldmann:

Vor allem muss man hier wirklich bei der Wahrheit bleiben, weil, diese Berichterstattung ist vom Zuschauer überprüfbar. Bei der großen Weltpolitik kann er nur vertrauen.

Im März 2016 feierte er seinen 80. Geburtstag.

Zuletzt aktualisiert: 05. April 2016, 23:14 Uhr