Günther Krause
Günther Krause im Jahr 1990 Bildrechte: IMAGO

Die letzte DDR-Regierung Günther Krause - parlamentarischer Staatssekretär des Ministerpräsidenten

Einst galt er als politischer Shooting-Star der DDR. Er war Unterhändler der DDR bei der Ausarbeitung des Einigungsvertrages, dann Bundesverkehrsminister. Viele prophezeiten ihm eine große Zukunft. Doch schon 1993 fand die Karriere von Günther Krause ein jähes Ende.

von Inga Brantin

Günther Krause
Günther Krause im Jahr 1990 Bildrechte: IMAGO

1990 verhandelt Günther Krause mit Wolfgang Schäuble den Einigungsvertrag und unterzeichnet ihn für die DDR: 5.500 Regelungen zum "Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der deutschen Einheit". Krause ist damals 36 Jahre alt, politisch ein Shooting-Star. Am 3. Oktober 1990 morgens im Schloss Bellevue gehört er zu den fünf Politikern der letzten DDR-Regierung, denen Bundespräsident Richard von Weizsäcker die Aufgabe und Ehre zuteilwerden lässt, "Bundesminister mit besonderen Aufgaben" zu werden. Neben ihm sind das auch Sabine Bergmann-Pohl, Lothar de Maizière, Rainer Ortleb und Hansjoachim Walther. Im Bundestag macht Krause Karriere als Minister – eigentlich ein Politmärchen, so scheint es.

Stufe um Stufe auf der Karriereleiter

Mitglieder letzte Volkskammer
Günther Krause galt als politischer Shooting-Star der DDR Bildrechte: Bundesarchiv

Nach dem Abitur 1972 leistet der in Halle geborene Krause seinen Wehrdienst bei der NVA ab und schließt ein Studium an der Hochschule für Architektur und Bauwesen in Weimar an. Rechentechnik und Datenverarbeitung sind seine Schwerpunkte – Krause hat den Blick fürs Detail. Er arbeitet für das Wohnungsbaukombinat in Rostock und an der Ingenieurhochschule Wismar, promoviert in Architektur und Bauwesen in Weimar, 1987 folgt seine Habilitation. Eine Stufe nach der anderen erklimmt er auf der Karriereleiter, sehr sicher und souverän, wenn auch unauffällig. Wie viele seiner Weggefährten der letzten Regierung der DDR tritt auch er der DDR-Blockpartei CDU bei, mitten in der Studienzeit. Eine Flucht vor der SED sei es gewesen, sagt er später. Von 1987 bis 1989 ist er CDU-Kreisvorsitzender in Bad Doberan. Bei der Volkskammerwahl am 18. März 1990 wird er zum Vorsitzenden des neugegründeten Landesverbandes der CDU in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Einen Tag später meldet sich Lothar de Maizière am Telefon mit der eiligen Nachricht:

Komm nach Berlin! Wir müssen eine Regierung bilden.

Chefunterhändler der deutschen Einheit

Krauses Aufstieg geht weiter. Aber mit fortschreitender Zeit wächst auch der Druck. Krause als Chefunterhändler der DDR auf dem Weg in die deutsche Einheit sorgt wenige Tage vor dem historischen Datum des 3. Oktober für seinen ersten Skandal. Er schickt die anwesenden Reporter bei einer Beratung der Abgeordneten über die namentliche Nennung von Mitgliedern der Stasi aus dem Saal – nicht ohne ihnen zu drohen: Alle Mitschnitte seien zu löschen. "Wenn Sie das nicht machen, werde ich Sie verklagen!", ruft er ihnen zu. Zeitdruck, durchwachte Nächte, der politische Anspruch – für alle Beteiligten, auch für Krause, eine heftige Zeit:

Alle paar Tage eine neue Situation, einen klaren Fahrplan gab es nicht.

Nach 18 Verhandlungsrunden, am 31. August um 2:52 Uhr, unterschreiben Schäuble und Krause den Einigungsvertrag, der die Grundlage für die deutsche Wiedervereinigung bildet.

Unrühmlicher Abgang

Bei der anschließenden Bundestagswahl kann Krause 45,2 Prozent der Stimmen in seinem Wahlkreis holen und bekleidet ab 1990 das Amt des Bundesverkehrsministers. Drei Jahre später ist die so märchenhaft begonnene Karriere jäh zu Ende, Verkehrsminister Krause muss abdanken: Ihm wird unter anderem vorgeworfen, Einfluss auf die Vergabe von Tankstellen und Raststätten genommen zu haben. Außerdem gerät er mit der "Putzfrauenaffäre" in die Schlagzeilen, weil er Lohnkosten für seine Putzhilfe vom Staat kassierte.

Bis heute macht der einstige Shooting-Star aus der DDR vor allem mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam - millionenschwere Insolvenzen, dubiose Firmen. Gerade läuft eine Klage gegen ihn, weil er das Haus nicht bezahlt haben soll, in dem er seit einem Jahr wohnt. Es ist wohl so ähnlich, wie Krause es rückblickend vom Einigungsvertrag sagt: Dass der Vertrag nur zum Teil erfüllt worden sei.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Fernsehen: MDR-Dok: Die letzte DDR-Regierung | 18.03.2018 | 22:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2018, 21:11 Uhr