Manfred Krug (M., mit Gitarre) und Ruth Hohmann (r) beim Auftritt der "Jazz-Optimisten" am 31.10.1965 in der Kongresshalle am Berliner Alexanderplatz.
Manfred Krug (M., mit Gitarre) und Ruth Hohmann (r) beim Auftritt der "Jazz-Optimisten" am 31.10.1965 in der Kongresshalle am Berliner Alexanderplatz Bildrechte: dpa

Soundtrack für das Leben in der DDR Der Sänger Manfred Krug

Manfred Krug (M., mit Gitarre) und Ruth Hohmann (r) beim Auftritt der "Jazz-Optimisten" am 31.10.1965 in der Kongresshalle am Berliner Alexanderplatz.
Manfred Krug (M., mit Gitarre) und Ruth Hohmann (r) beim Auftritt der "Jazz-Optimisten" am 31.10.1965 in der Kongresshalle am Berliner Alexanderplatz Bildrechte: dpa

"Zu den schönsten Kulturerfindungen des amerikanischen Brudervolkes gehört für mich der Jazz", sagte Manfred Krug einmal. "Dafür braucht man ein gewisses Feeling. Das kann man nicht lernen, man erbt es. Und ich dachte, wenn du es schon hast, dann nutze es." Und so trat der junge Schauspieler bereits ab Ende der 1950er-Jahre auch als Jazz-Interpret in Erscheinung. Doch der Jazz war in jener Zeit, als ein hoher SED-Kulturfunktionär den Gesang von Louis Armstrong noch mit dem Geräusch von Wasser, das aus einer Badewanne abfließt, verglich, nicht eben wohlgelitten im sozialistischen Staat. Dekadentes, amerikanisches Gejaule, so hieß es damals. Krug ließ sich von den Kulturfeldwebeln der Staatspartei freilich nicht im Geringsten beirren – er jazzte unbekümmert und konnte 1964 schließlich eine erste Schallplatte einspielen.

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Soundtrack für das Leben in der DDR

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Ab Mitte der 1960er-Jahre war Krug dann freilich nicht mehr nur als Jazz-Sänger unterwegs. Der Gesangs-Autodidakt mit der rauen Bariton-Stimme sang fortan schlichtweg alles – Evergreens, Schlager, Chansons, Arbeiterlieder und sogar Opernpartien. Krug schrieb unter dem Pseudonym Clemens Kerber Liedertexte mit gnadenlosen Reimen ("Reizend war der Abend, // so erfrischend und labend") und ging mit Uschi Brüning, Günter Fischer und Klaus Lenz auf ausgedehnte Tourneen durch die DDR und die sozialistischen Bruderstaaten. In den Unterhaltungssendungen des DDR-Fernsehens war er Dauergast. Krug lieferte gewissermaßen den "Soundtrack zum Leben in der DDR", wie ein Kenner der Unterhaltungsszene einmal bemerkte. Bis zu seinem Weggang aus der DDR 1977 veröffentlichte Krug insgesamt zehn Schallplatten.

Die Wiederentdeckung des Sängers im "Tatort"

Im Westen kannte zunächst kaum einer den Sänger Manfred Krug, obgleich er von Peter Herbolzheimer gefördert wurde und mit Showgrößen wie Caterina Valente oder Joy Fleming auftrat. Eine 1979 veröffentlichte Schallplatte mit Chansons aus Krugs Feder fand kaum Käufer. Erst 1995, 15 Jahre später, wagte sich Krug wieder an die Veröffentlichung einer Platte – "Jazz und Lyrik", etwas für Insider. Der Durchbruch als Sänger gelang Krug erst als Kommissar Stöver im Hamburger "Tatort" Ende der 1990er-Jahre. In jeder Folge hatte Krug damals gemeinsam mit seinem Kollegen Charles Brauer alias Kommissar Brockmöller ein nostalgisches und meist leicht verjazztes Liedchen angestimmt. Der Sänger Manfred Krug war wiederentdeckt. Krug veröffentlichte eine CD mit Evergreens und Schlagern und ging in den folgenden Jahren – unter anderem begleitet von seiner Tochter Fanny und dem Jazztrompeter Till Brönner - wieder auf höchst erfolgreiche Konzertreisen, vor allem im Osten des Landes.

Über dieses Thema berichtete der MDR in "Brisant" 01.02.2017 | 17.15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Februar 2018, 11:11 Uhr