Interview mit einer Spielerin "Das war echter, harter Sport"

Kerstin Guderian war von 1986 bis 2001 Mittelfeldspielerin bei BSG Rotation Schlema und Erzgebirge Aue. Heute trainiert die Geografie- und Sportlehrerin die Fußballmädchen in Aue. Im Gespräch erinnert sie sich an den Frauenfußball in der DDR.

Wie sind Sie zum Fußball gekommen?

BSG Rotation Schlema
Kerstin Guderian Bildrechte: FC Erzgebirge Aue

Kerstin Guderian: Ich hab' als Kind schon immer Fußball gespielt. Später als Jugendliche war ich Leichtathletin, und wir haben jede Woche nach dem Training Fußball gespielt. Ansonsten habe ich jeden Tag mit den Jungs gebolzt - zu Hause auf der Wiese hinterm Block. Und die Jungs haben mich immer voll mitspielen lassen.

Wann begannen Sie "organisiert" zu spielen?

1986. Nach dem Studium in Potsdam wollte ich wieder Sport treiben. Und eine Freundin sagte mir damals: "Ich spiele Fußball bei der BSG Rotation Schlema, komm doch mal mit." Und ich bin mitgegangen und es hat mir sofort gefallen.

Wie oft war Training?

Wir haben dreimal die Woche trainiert. Und an den Wochenenden waren Punktspiele. Das war echter, harter Sport. Du musstest hart trainieren, um auch eine ordentliche Leistung zu bringen.

Kamen denn auch Zuschauer zu den Spielen?

Es waren schon immer welche da, ältere Herren vor allem. Ich sag mal: 100 Zuschauer waren schon immer da. Die Sensation war das Endspiel um die DDR-Meisterschaft 1988 gegen Potsdam hier in Aue. Da kamen 5.000 Zuschauer ins Stadion. Das war toll. Daran denke ich heute noch.

Können Sie sich noch an die Reaktionen der Zuschauer erinnern?

Am Anfang war’s schon so: Die Mehrzahl der männlichen Zuschauer wollte ganz einfach Frauen sehen. Die forderten dann auch Trikottausch … Aber als sie bemerkten, dass wir auch Fußball spielen können, wurden wir nicht mehr belächelt.

Frauenfußball führte in der DDR ein Mauerblümchendasein …

Spielszene BSG Rotation Schlema
Kerstin Guderian (li.) "köpfend" in Aktion Bildrechte: FC Erzgebirge Aue

Es war ja so, dass nur olympische Sportarten unterstützt wurden. Und der Frauenfußball war eben nicht olympisch. Hinzu kam, dass Fußball als eine reine Männersportart galt. Und da gab’s halt Viele, die von Frauenfußball nichts wissen wollten. Wir waren schon Exoten, ganz klar. Aber wir haben uns darüber keine Gedanken gemacht. Wir haben unsern Sport ernsthaft betrieben. Es war Leidenschaft. Und wichtig war für uns im Grunde auch nur, dass wir überhaupt Fußball spielen konnten.

Gab es finanzielle Unterstützung?

Nein. Wir haben unseren Sport nur in der Freizeit betrieben. Finanzielle Unterstützung gab es nicht. Es war schon 'ne harte Zeit.

Träumten Sie manchmal von Weltmeisterschaften oder internationalen Turnieren?

Über so was haben wir nie nachgedacht. Sicher, es gab hin und wieder mal Träume – Nationalmannschaft, internationale Turniere, das wäre doch was Feines. Aber letztendlich war das kein Thema für uns. Jedenfalls bis 1990 nicht. Und dann war’s ja auch zu spät gewesen ...

Bekamen Sie für Meistertitel oder Pokalsiege auch Anerkennungen: ein Geschenk oder eine Prämie?

Nein. Geschenke oder Prämien, das gab es nicht. 1987 bekamen wir eine Urkunde von der SED-Kreisleitung Aue zum Gewinn der Meisterschaft. Und ich kann mich erinnern, dass wir zum Essen eingeladen worden sind von unserm Bürgermeister. Darüber hatten wir uns damals schon sehr gefreut.

Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2011, 09:28 Uhr