Porträt in Filmausschnitten "Ich male bis zum letzten Atemzug"

Von der Partisanenzeit in Italien, den ersten Erfolgen im Ausland bis hin zu seinem Ruf als "Staatskünstler" und "Honeckerknecht" in der DDR – sehen Sie hier Filmausschnitte zu den wichtigsten Lebensetappen Willi Sittes.

Partisan in Italien

1944 kam Willi Sitte als Soldat der deutschen Wehrmacht nach Vicenza in Norditalien. Er bekam schnell Kontakt zu italienischen Widerstandskämpfern und versorgte sie mit Informationen über Einsätze der Wehrmacht. Als Sitte aufflog, drohte ihm ein Verfahren vor einem Kriegsgericht wegen Hochverrats. Sitte desertierte und schloss sich den Partisanen an. Für ihn war es ein Akt der Befreiung: "Ich habe ein gutes Gewissen gehabt, nicht mehr dazuzugehören zu denen, die gemordet, geplündert und zerstört haben."

Plötzlich reich

1946 präsentierte Willi Sitte zum ersten Mal seine Arbeiten einer breiteren Öffentlichkeit – in einer Galerie in Mailand. Und die Ausstellung des 25-jährigen Malers, der nach Kriegsende in Italien geblieben war und sich seinen Lebensunterhalt als Plakatmaler verdiente, war ein enormer Erfolg - fast alle Zeichnungen wurden binnen weniger Tage verkauft. "Ich war plötzlich reich", erinnert sich Willi Sitte gerührt. "Ich konnte mir Möbel kaufen, ein Radio und sogar einen alten deutschen Brockhaus ..."

Die frühen Gemälde sind unverkäuflich

Seine frühen, noch stark von Pablo Picasso, Renato Guttuso und Fernand Léger beeinflussten Gemälde aus den 1950er-Jahren stehen alle noch in Willi Sittes Atelier. Damals wollte die Bilder niemand haben, jetzt will der Maler sie nicht mehr verkaufen. Sie sind für ihn "Erinnerungen an eine schwierige Zeit", als er von den Kunstwächtern der SED als "Formalist", "Kosmopolit" und "Jünger der amerikanischen Unkultur" verschrien war und von knapp 450 Mark leben musste, die er als Zeichenlehrer an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle verdiente.

Die Arbeiter – wichtigster Partner der Künstler

Im November 1978 stellte das Fernsehen der DDR den Maler und Verbandspräsidenten Willi Sitte in einem 45-minütigen Film vor – "ein Beitrag des Fernsehens zum Kongress des Verbandes Bildender Künstler, der in Berlin stattfindet", wie es damals hieß. Sitte erzählt in dem Filmporträt von seiner Herkunft, seinen Bildern und den Arbeitern, die in seinem Werk einen großen Raum einnehmen. Sie stellen "einen bedeutenden Kraftquell für meine Arbeit" dar, erläuterte Sitte und fügte hinzu: Die Arbeiterklasse habe sich "zum wichtigsten Partner der Künstler herausgebildet".

"Staatskünstler" und "Honeckerknecht"

Als "Staatskünstler" will Sitte sich keineswegs bezeichnet wissen. "Ich habe nie Staatsaufträge gemalt", sagt er, "und als ich Ulbricht und Honecker porträtieren sollte, hatte ich das kategorisch abgelehnt. Ich habe nie aus Opportunismus irgendetwas gemalt." Freilich: Kommunist sei er immer gewesen. Und daran habe sich bis heute auch nichts geändert. Aber mich deswegen als "Honeckerknecht" zu bezeichnen, so Sitte, "ist wirklich dumm".

"Sitte gehörte zur ersten Garnitur"

Nach dem Ende der DDR verschwanden die Gemälde Willi Sittes in den Depots der ostdeutschen Museen. Der Maler aus Halle galt als "Staatskünstler" und "systemnah". Er orientierte sich nun verstärkt in Richtung Westen, wo seine Werke bereits vor 1989 in großen Ausstellungen präsentiert worden waren. "Sitte ist allererste Garnitur", sagt beispielsweise der renommierte Kunsthändler und Galerist S. N. Poorhosaini aus Seeheim-Jugenheim. "Die meisten, die ihn jetzt kritisieren, haben nie ein Bild von ihm gesehen ..."

"Ich male bis zum letzten Atemzug"

"Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?", fragte ein MDR-Reporter den Künstler 1996, der nach 1989 erleben musste, wie viele seiner Werke aus
Galerien und Museen in Ostdeutschland verbannt
wurden. "Ich denke, wie ich früher auch dachte und sage meine Meinung, ebenfalls wie früher", antwortete Sitte trotzig. Geblieben sei ihm das für ihn Wichtigste - die Kunst. Und malen werde er tatsächlich "bis zum letzten Atemzug".