Lexikon KSZE 1975

Helsinki-Konferenz | Helsinki-Schlussakte

Beim Zeitung lesen konnten sich die Bürger in den frühen 70ern an Schlagzeilen über außenpolitische Erfolge des "ersten deutschen Arbeiter- und Bauernstaates" erfreuen. 1973 wurde die DDR Vollmitglied der UNO und bald drängten sich über 100 Botschafter aus aller Welt beim alljährlichen Neujahrsempfang des Vorsitzenden des Staatsrates.

In großer Zahl wurden ausländische und bundesdeutsche Journalisten in der DDR akkreditiert und die westdeutschen Fernsehstationen eröffneten Büros in Ost-Berlin.

Honecker sonnte sich in solchen Triumphen, die seinem Vorgänger Ulbricht immer verwehrt geblieben waren. Er führte sie auf die gewachsene Stärke des "sozialistischen deutschen Staates" zurück.

Die Welle internationaler Anerkennung waren Ergebnis und Bestandteil wachsender politischer Entspannung in Europa, die durch ein Paket internationaler Verträge ermöglicht worden war. Viermächteabkommen über Berlin, Transitabkommen, Verkehrsvertrag und Grundlagenvertrag zwischen der DDR und der Bundesrepublik brachten Erleichterungen für die Transitreisenden von West-Berlin in das Bundesgebiet und Geld in die leere Staatskasse der DDR.

Die Teilnehmerstaaten sind der Auffassung, dass der Tourismus zu einer vollständigeren Kenntnis des Lebens, der Kultur und der Geschichte anderer Länder, zu wachsendem Verständnis zwischen den Völkern, zur Verbesserung der Kontakte und zur umfassenderen Freizeitgestaltung beiträgt. Sie beabsichtigen, die Entwicklung des Tourismus auf individueller oder kollektiver Grundlage zu fördern; insbesondere beabsichtigen sie:

• Reisen in ihre Länder zu fördern, indem sie zu geeigneten Erleichterungen, zur Vereinfachung und Beschleunigung der für solche Reisen erforderlichen Formalitäten ermutigen;

• auf der Grundlage geeigneter, gegebenenfalls erforderlicher Abkommen oder Vereinbarungen die Zusammenarbeit bei der Entwicklung des Tourismus zu verstärken, indem sie insbesondere bilateral Möglichkeiten zur Erweiterung der Information über Reisen in andere Länder, über die Aufnahme von und den Service für Touristen sowie andere diesbezügliche Fragen gegenseitigen Interesses fördern.

Aus der "Schlussakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa vom 1. August 1975" in Helsinki.

Ostdeutsche Familien konnten mit geringeren Schwierigkeiten als früher Verwandte empfangen, Westdeutsche durften nun auch zu kommerziellen, sportlichen, kulturellen und religiösen Zwecken in die DDR einreisen. Und DDR-Bürger durften "bei dringenden Familienangelegenheiten" in den Westen reisen. Die Reiseerlaubnis wurde allerdings nur einzelnen Personen gewährt. Der Rest der Familie musste gewissermaßen als Geisel zu Hause bleiben. So nutzen auch verhältnismäßig wenig DDR-Bürger solche Aufenthalte zur Flucht.

Unbestreitbar bedeuteten diese Änderungen ab 1973 eine Erleichterung des Lebens in der DDR. Gleichzeitig aber weckten sie die Sehnsucht nach mehr Reisefreiheit. Mit jedem Entspannungsschritt wurde die Absperrung der DDR absurder und anachronistischer. Die Menschen in der begannen, die Rechte und Freiheiten der Schlussakte von Helsinki auch einzufordern.

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2010, 11:25 Uhr