Fördern und Fordern Nachwuchsförderung im DDR-Sport

Mit Schwung durch die Gasse. Schüler der ersten Klasse der Käte-Duncker-Oberschule in Berlin-Friedrichshain am 1. Februar 1989 beim Sportunterricht in der Halle.
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Die verantwortlichen Stellen im Ministerium für Volksbildung und beim Staatlichen Komitee für Körperkultur und Sport erkannten bereits früh, dass die Wettbewerbsfähigkeit des DDR-Spitzensports unter den gegebenen Bedingungen nur durch eine möglichst frühzeitige und systematische Förderung im Nachwuchsbereich zu gewährleisten war.

Erste Sportschulen in den 1950er-Jahren

Mädchen und Jungen aus der DDR, der UdSSR, Polen, Ungarn und der CSSR erholen sich in den Sommerferien im Pionierlager in Seifhennersdorf.
"Sport frei!" hieß es in der DDR vielerorten - ob im Betrieb oder wie im Bild im Ferienlager. Bildrechte: dpa

Bereits 1952 wurden mit den ersten Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) in Berlin, Brandenburg an der Havel, Halberstadt und Leipzig Institutionen zur Ausbildung der zukünftigen Spitzensportler geschaffen. Die KJS sollten eine engere Verbindung von Unterricht und Training ermöglichen. Aufnahmevoraussetzungen waren daher neben entsprechenden sportlichen Leistungen auch gute Noten in den übrigen Schulfächern. Waren die KJS seit 1952 vorrangig allgemeinbildende und sportbetonte Schulen gewesen, so wurden sie spätestens 1962 zu Spezialschulen des sportlichen Nachwuchses der DDR umstrukturiert. Dies ging unter anderem mit einer Verschärfung der Aufnahmekriterien einher: Für eine Delegierung an die KJS waren nun nicht mehr allein die jeweiligen Schulnoten aus dem Sportunterricht maßgeblich, sondern vielmehr die individuellen Leistungen bei der Teilnahme an Wettbewerben des Breitensports.

Neben dem Leistungssport wurde daher ganz bewusst auch der Breitensport gefördert: Die Mitgliedsbeiträge der Sportvereine wurden stets niedrig gehalten, um allen Kindern den Zugang zu sportlichen Freizeitangeboten zu ermöglichen. 3,7 Millionen Freizeit- und Leistungssportler waren 1989 im Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB) organisiert. Das waren über zwanzig Prozent der damaligen Bevölkerung.

Systematische Auswahl und Sichtungswettbewerbe

Mit der Förderung des Breitensports wurde die Grundlage für eine systematische Auswahl und Förderung geeigneter Athleten für den Leistungsport geschaffen. Zu diesem Zwecke wurden regelmäßig Sichtungswettbewerbe abgehalten: Wer die Kleine Friedensfahrt im Radsport gewinnen konnte, als "Stärkster Lehrling" ausgezeichnet wurde oder sich beim Wettbewerb um die Urkunde des Staatsratsvorsitzenden hervortat, der empfahl sich für die weitere Förderung in den Trainingszentren der Sportclubs oder an einer KJS. Der Leichtathlet Andy Dittmann aus Gotha erinnert sich in einem Interview an seine Teilnahme am Wettbewerb um die Urkunde des Staatsratsvorsitzenden: "Das war ein Dreikampf mit 60-m-Lauf, Weitsprung und Schlagballwerfen. Ich beneidete alle, die sie schon hatten. Das in Gold gedruckte Staatswappen faszinierte mich darauf besonders. Und die Unterschrift von Erich Honecker. Die musste ich haben. So wurde mein sportlicher Ehrgeiz geweckt. Ich besitze diese Urkunde, die ich dreimal gewinnen konnte, heute noch."

Talentsuche im Schulsport

Auch in den Schulen fanden Sichtungen statt: 1973 wurde die Einheitliche Sichtung und Auswahl für die Trainingszentren und Trainingsstützpunkte des DTSB – kurz ESA – eingeführt. Fortan wurden nahezu alle Schüler eines Jahrgangs erfasst. Anhand standardisierter Tests wurde die individuelle Eignung für verschiedene Sportarten geprüft. Basierend auf den Ergebnissen und weiteren Werten, wie beispielsweise den Körpermaßen, sprachen die Auswahlkommissionen eine Empfehlung für die weitere Förderung der jungen Athleten aus.

Der Skispringer Hans-Georg Aschenbach erinnert sich 2010 im MDR-Interview: "Das war einmalig in der Welt, dieses Talentsichtungssystem. Und hier lag das ganz große Plus der DDR – mit diesem System überall in der Republik talentierte Kinder zu entdecken und zu erfassen, sie auf die Kinder- und Jugendsportschulen zu delegieren und dort, wie es damals hieß, 'allseitig' zu entwickeln. Es gab dort hervorragende Trainer und das war eindeutig die Grundlage für die Erfolge der DDR-Sportler."


Quellen: laptopwerk.de;Spiegel-online.de;mdr.de;deutschlandfunk.de

Zuletzt aktualisiert: 04. Januar 2016, 18:57 Uhr