Geboren am 25. Februar 1842 Karl May - der Geschichtenerzähler aus Ernstthal

Seine erzgebirgischen Dorfgeschichten wollte kaum einer lesen, seine phantasievollen Geschichten aus schier unerreichbarer Ferne schlugen dagegen die meist männlichen Leser über Generationen in ihren Bann. Am 3. August 1893 erschien der erste Band der Abenteuerromane von Karl May, die heute in mindestens 30 Sprachen übersetzt sind. Vor seiner Schriftsteller-Karriere saß er für vier Jahre im Zuchthaus. Geboren wurde der "Phantast aus Sachsen" heute vor 179 Jahren, am 25. Februar 1842.

Am 2. Mai 1874 öffneten sich die Tore des Zuchthauses in Waldheim für einen hageren Mann Anfang 30. Es ist der Hilfsschullehrer Karl May auf dem Weg in die Freiheit. "Herr Schließer, mich sehen Sie nie mehr wieder!", soll er einem Aufseher gesagt haben und sein Entlassungsattest vermerkt: "Will nach Amerika auswandern".

Eine Kindheit in bitterster Armut

Geboren am 25. Februar 1842 in dem damals sehr ärmlichen und kleinen Weberstädtchen Ernstthal hielt sich der junge Karl für "ein Lieblingskind der Not, der Sorgen und des Kummers". Er war das fünfte von 14 Kindern der Leineweberfamilie May. Neun seiner Geschwister starben schon im Kindesalter. Vielleicht war es die häusliche Armut, die ihn Zeit seines Lebens prägte und die er mit allen Mitteln vergessen machen wollte, die ihn zunächst zu kriminellen Bagatelltaten veranlasste. Diese Delikte brachten ihm siebeneinhalb Jahre in sächsischen Arbeits- und Zuchthäusern ein. Lehrer konnte er nun nicht mehr werden. May fristete sein Leben als Mitarbeiter von Provinz– und Unterhaltungsblättern, bevor 1875 erste Publikationen nachweisbar sind.

Erfolglos mit Heimatgeschichten, erfolgreich mit Abenteuerromanen

In diese Zeit fiel auch die Bekanntschaft mit Emma Pollmer, die er 1880 heiratete. Ab 1883 lebte er in Dresden, bis er 1896 die von ihm gekaufte Villa in Radebeul, der er den Namen "Villa Shatterhand" gab, bezog. Nach der Trennung von seiner ersten Frau lebte ab 1903 Klara Plöhn, die Witwe seines Freundes und zweite Frau Mays, mit ihm in der Villa. Hatte er zu Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit mit seinen Humoresken und erzgebirgischen Dorfgeschichten kaum Resonanz gefunden, setzte nach 1890 der außerordentlich große Publikumserfolg seiner Reise- und Abenteuerromane ein.

Winnetou-Trilogie macht Karl May berühmt

Obwohl Karl May über Sachsen bisher nie hinausgekommen war, verfasste er Reiseerzählungen. Seinen Träumen von Freiheit, Gleichheit, ewiger Freundschaft und edlen Menschen verlieh er in Fortsetzungs-Romanen Gestalt. Er erfand Winnetou und Old Shatterhand und ließ die Leser glauben, er habe alle beschriebenen Abenteuer selbst erlebt. Leidenschaftlich schrieb Karl May gegen den Zeitgeist an, entwarf ein romantisches Wildwestpanorama, das es so nie gegeben hatte.

Mays Rezept: Der ewige Kampf von Guten und Bösen

Seine spannungsvoll erzählten Fabeln folgen einer klaren Konfrontation von "Guten" und "Bösen". Freundschaft, vertieft in immer neuen Bewährungsproben, überwindet Gewalt. Die menschlichen Ideale, personifiziert im nobleen Charakteren wie Winnetou, Old Shatterhand, Old Surehand und Kara Ben Nemsi: Sie alle streiten für Gerechtigkeit, Ehre und Frieden. Karl Mays Helden agieren in Welten, die von der Zivilisation noch recht unberührt sind und so viel Raum für Phantasie und Abenteuerromantik bieten.

Sympathie mit den Schwachen

Karl Mays Sympathien galten den Benachteiligten und Schwachen in aller Welt. Darum kämpften viele seiner Helden gegen Sklaverei, Unterdrückung, Rassismus und für Toleranz. Beispielhaft ist die Aussage von Old Shatterhand, er habe "unter den schwarzen, braunen und roten Völkern ebenso viele gute Menschen gefunden wie bei den weißen, ... , wenigstens". Diese Ansichten fanden im kaiserlichen Deutschland nicht überall Anklang und Bewunderung. Gegen Schmähschriften und Anfeindungen prozessierte der Autor bis zu seinem Tod. 1899 und 1908 besuchte er mit dem Orient und Amerika erstmalig die Orte, an denen seine viel gelesenen Romane spielen.

Belächelt, verachtet und doch ein Star

Die allgemeine Hochachtung, die das literarische Schaffen Karl Mays lange Zeit begleitete, schlägt ins Gegenteil um, als bekannt wurde, dass er keinen der Schauplätze seiner Geschichten vor dem Schreiben je selbst gesehen hatte, vorbestraft war und er auch seinen Doktortitel nur erfunden hatte.

Indianer und Kinder tanzen bei den Radebeuler Karl-May-Festtagen im Jahr 2019.
Radebeuler Karl-May-Festtagen 2019 Bildrechte: Stadt Radebeul

Am 30. März 1912 starb der ebenso berühmte wie auch belächelte und sogar abgelehnte Autor in Radebeul bei Dresden. Seine Werke erzielen bis heute weltweit hohe Auflagen und erfreuen sich einer riesigen Fangemeinde. Jedes Jahr in den Sommermonaten werden Karl Mays Geschichten auf unzähligen Freilichtbühnen in ganz Deutschland inszeniert und ziehen das Publikum in ihren Bann. In Radebeul kommen jedes Jahr tausende Besucher in die "Villa Shatterhand" und tauchen ein in das Leben des großen Erzählers Karl May.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Zeitreise | 17. Januar 2021 | 22:20 Uhr