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Karl May - der Geschichtenerzähler aus Ernstthal

Seine erzgebirgischen Dorfgeschichten wollte keiner lesen, seine phantasievollen Geschichten aus schier unerreichbarer Ferne schlugen dagegen die Leser über Generationen in ihren Bann. Am 3. August 1893 erschien der erste Band der Abenteuerromane von Karl May.

Karl May
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Geboren am 25. Februar 1842 in dem damals sehr ärmlichen und kleinen Weberstädtchen Ernstthal hielt sich der junge Karl für "ein Lieblingskind der Not, der Sorgen und des Kummers". Er war das fünfte von 14 Kindern der Leineweberfamilie May. Neun seiner Geschwister starben schon im Kindesalter. Vielleicht war es die häusliche Armut, die ihn Zeit seines Lebens prägte und die er mit allen Mitteln vergessen machen wollte, die ihn zunächst zu kriminellen Bagatelltaten veranlasste. Diese Delikte brachten ihm siebeneinhalb Jahre in sächsischen Arbeits- und Zuchthäusern ein. Lehrer konnte er nun nicht mehr werden. May fristete sein Leben als Mitarbeiter von Zeitungen und Zeitschriften, bevor 1875 erste Publikationen nachweisbar sind.

Erfolglos mit Heimatgeschichten, erfolgreich mit Phantastereien in der Ferne

In diese Zeit fiel auch die Bekanntschaft mit Emma Pollmer, die er 1880 heiratete. Ab 1883 lebte er in Dresden, bis er 1896 die von ihm gekaufte Villa in Radebeul, der er den Namen "Villa Shatterhand" gab, bezog. Nach der Trennung von seiner ersten Frau lebte ab 1903 Klara Plöhn, die Witwe seines Freundes und zweite Frau Mays, mit ihm in der Villa. Hatte er zu Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit mit seinen Humoresken und erzgebirgischen Dorfgeschichten kaum Resonanz gefunden, setzte nach 1890 der außerordentlich große Publikumserfolg seiner Reise- und Abenteuerromane ein.

Karl-May-Museum Radebeul - Villa Bärenfett - ein Blockhaus, davor einem Totempfahl
Karl-May-Museum Radebeul - Villa Bärenfett. Bildrechte: MDR SACHSEN

Mays Rezept: der ewige Kampf von Guten und Bösen

Karl-May-Museum Radebeul - Indianerfigur, die Ausschau hält
Im Karl-May-Museum Radebeul. Bildrechte: MDR SACHSEN

Seine spannungsvoll erzählten Fabeln folgen einer klaren Konfrontation von "Guten" und "Bösen". Freundschaft, vertieft in immer neuen Bewährungsproben, überwindet Gewalt. Die menschlichen Ideale, personifiziert im nobleen Charakteren wie Winnetou, Old Shatterhand, Old Surehand und Kara Ben Nemsi: Sie alle streiten für Gerechtigkeit, Ehre und Frieden. Karl Mays Helden agieren in Welten, die von der Zivilisation noch recht unberührt sind und so viel Raum für Phantasie und Abenteuerromantik bieten.

Sympathie mit den Schwachen

Karl Mays Sympathie galt den Benachteiligten und Schwachen in aller Welt, darum kämpften die Helden gegen Sklaverei, Rassismus und für Toleranz. Beispielhaft ist die Aussage von Old Shatterhand er "habe unter den schwarzen, braunen und roten Völkern ebenso viele gute Menschen gefunden wie bei den weißen,..., wenigstens". Derartige Ansichten fanden im kaiserlichen Deutschland nicht überall Anklang. Gegen Schmähschriften und Anfeindungen prozessierte der Autor bis zu seinem Tod. 1899 und 1908 besuchte er mit dem Orient und Amerika erstmalig die Orte, an denen seine viel gelesenen Romane spielen.

Der ebenso berühmte wie auch belächelte oder gar abgelehnte Autor starb am 30. März 1912 in Radebeul. Seine Bücher sind bis heute in mehr als 30 Ländern und in fast ebenso vielen Sprachen erschienen. Jedes Jahr in den Sommermonaten werden Karl Mays Geschichten auf unzähligen Freilichtbühnen in ganz Deutschland inszeniert und ziehen das Publikum in ihren Bann. In Radebeul kommen jedes Jahr tausende Besucher in die "Villa Shatterhand" und tauchen ein in das Leben des großen Erzählers Karl May.

Dieses Thema im Programm: artour TV | 09. Juli 2020 | 22:10 Uhr