Lexikon DFD - Demokratischer Frauenbund Deutschlands

Frauenorganisation

1947 entstand als einheitliche Frauenorganisation der "Demokratische Frauenbund Deutschlands" (DFD). So wurde noch vor der eigentlichen Gründung der DDR eine selbstbestimmte Frauenbewegung ausgeschaltet. Festgeschrieben waren der überparteiliche und
überkonfessionelle Charakter. Das Kriterium der Überparteilichkeit trat jedoch bald in den Hintergrund. Der DFD entwickelte sich schnell zu einer Massenorganisation im Gefolge der SED. Er war mit den anderen Parteien und Massenorganisationen in der Nationalen Front vereinigt.

Er war als eine der sechs mandatstragenden Massenorganisationen in der Volkskammer und ab 1952 in den Bezirks- und Kreistagen vertreten, wo er sich vordergründig für die Realisierung des Verfassungsgrundsatzes der Gleichberechtigung der Frau einsetzte. So wirkte er unter anderem an der Ausarbeitung des von der Volkskammer am 27. September 1950 verabschiedeten "Gesetzes zum Schutz von Mutter und Kind und über die Rechte der Frau" mit, vertrat ansonsten in der politischen Massenarbeit auch insgesamt die Politik der SED.

Stricken und Häkeln für den Sozialismus

In seiner sozialen und kulturellen Arbeit widmete er sich in Veranstaltungsreihen, Vorträgen und Foren verstärkt Problemen der Gesundheits- und Schwangerschaftsberatung und vermittelte überdies in Zusammenarbeit mit den anderen Organisationen der Nationalen Front ein vielfältiges Kulturangebot. Nach dem 1. Frauenkongress im Juni 1964 richtete er sich vor allem auch an nichtorganisierte und nichtberufstätige bzw. teilzeitbeschäftigte Frauen, die einerseits in das gesellschaftliche Leben integriert und andererseits für eine berufliche Tätigkeit gewonnen werden sollten.

Die DFD-Vorsitzende Ilse Thiele verkündete auf diesem Kongress schon den Abschluss der SED-Gleichberechtigungspolitik:

Mit Recht können wir also sagen: Wir Frauen haben unseren Arbeiter-und-Bauern-Staat mit geschaffen, wir gestalten das Leben seiner Bürger mit, wir haben ihn mit in unsere Hände genommen. Bei uns haben die Köchinnen gelernt, den Staat zu regieren!

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Auf Betreiben des DFD entstand seit 1967 ein Netz von Frauenakademien und an vielen Bildungseinrichtungen wurden zudem Frauensonderklassen eingerichtet. Seit 1971 schuf der DFD zur beratenden Unterstützung berufstätiger Mütter und zur Vorbereitung junger Menschen auf Ehe und Familie in den Bezirks- und Kreisstädten über 200 "Beratungszentren für Haushalt und Familie", die sich rasch zu praxisorientierter Haushalts-, Säuglingspflege- und Eheberatung entwickelten.

Keine wirklich unabhängige Frauenpolitik

Versuchte er freilich, die Frauen in das gesellschaftliche Leben einzubeziehen, so betrieb der DFD aber trotz vielfältiger Aktivitäten keine unabhängige Politik für Frauen. Er nahm sich zwar der Alltagsprobleme (Wohnungssuche, Gewalt gegen Kinder und Frauen, hohe Scheidungsraten, Alkoholismus) häufig sehr engagiert an, sorgte aber nicht dafür, dass deren Ursachen und Ausmaße ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangten.

Der DFD, vom Volksmund boshaft mit "Dienstbar-Folgsam-Dumpf" übersetzt, war nur noch ausführendes Organ der staatlichen Frauen- und Sozialpolitik.

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2010, 14:40 Uhr