Keine deutschen-deutschen Spiele

Ungeachtet der politischen Koordinaten vereinbarten DFB und DFV die Termine für die beiden deutsch-deutschen Begegnungen. Das Hinspiel sollte im November 1990 in Leipzig stattfinden, das Rückspiel ein Jahr darauf, 1991, in München. Die TV- und Werberechte wurden zügig und höchst lukrativ verkauft.

Der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Hermann Neuberger (r), und der Präsident des deutschen Fußballbundes der DDR, Hans Georg Moldenhauer.
Hermann Neuberger (rechts) Bildrechte: dpa

Auch aus diesem Grund hatte DFB-Chef Hermann Neuberger kein gesteigertes Interesse an einem schnellen Zusammenschluss der beiden deutschen Fußballverbände. "Vereinigung ja. Aber nichts überstürzen", lautete seine Devise. Eine Vereinigung plante er für 1992, nach der Euromeisterschaft.

Zu den mit Spannung erwarteten Spielen "Wir gegen uns" kam es aber schließlich doch nicht mehr. Am 19. Juli 1990, in Erwartung der nahe bevorstehenden Vereinigung der beiden deutschen Staaten, erging in Frankfurt/Main der gemeinsame Beschluss des DFB und des DFV, die Mannschaft der DDR aus der EM-Qualifikation zurückzuziehen. Stattdessen sollte am 19. November 1990 statt des EM-Qualifikationsspiels ein Freundschaftsspiel zwischen der DDR und der BRD in Leipzig ausgetragen werden. Ein Spiel gegen Belgien sollte es im Herbst allerdings noch geben. Ursprünglich ein wichtiges Qualifikationsspiel für die EM-Endrunde, jetzt nur noch ein allerletztes Länderspiel.   

Abgesang der letzten Aufrechten

Kapitän Matthias Sammer, Torhüter Jens Schmidt, Andreas Wagenhaus
Kapitän Matthias Sammer, Torhüter Jens Schmidt, Andreas Wagenhaus vor dem Spiel in Brüssel Bildrechte: dpa

Als Eduard Geyer zum letzten Auftritt der DDR-Nationalmannschaft am 14. September 1990 in Brüssel lud, sagten ihm 24 Spieler ab, darunter die Stars Andreas Thom, Ulf Kirsten, Thomas Doll und Rico Steinmann, die Angst davor hatten, sich in einem bedeutungslosen Spiel für ein ohnehin bald von der Landkarte verschwindendes Land zu verletzen. Als einziger namhafter Spieler stieß Matthias Sammer, damals bereits beim VfB Stuttgart angestellt, zur Mannschaft. Als er in die Runde seiner Kollegen, allesamt jung und unerfahren, blickte, wollte er sogleich wieder heimfahren, doch es ging kein Flugzeug mehr und Geyer konnte ihn überreden, mitzuspielen.

Am Ende gewannen die "14 letzten Aufrechten", wie Geyer seine Nottruppe bezeichnete, mit 2:0, beide Tore schoss Matthias Sammer. Das Ergebnis war eine kleine Sensation und das "Neue Deutschland" resümierte einen Tag später: "Wenn in der DDR-Sportära oft von Teamgeist gesprochen wurde, hier wurde er von den Fußballern in der allerletzten Minute der internationalen Ära noch einmal anschaulich gemacht. Die 14 Spieler im DDR-Dress trotzten mannhaft dem großen Favoriten. Und auch wenn es um nichts mehr ging, dieses Resultat wird haften und festgeschrieben bleiben."       

"Auf Jahre hinaus nicht mehr zu besiegen"

Franz Beckenbauer bei der Fussball Weltmeisterschaft WM 1990 in Italien
Franz Beckenbauer nach dem WM-Sieg 1990 in Rom Bildrechte: dpa

Einen Monat zuvor war die bundesdeutsche Nationalmannschaft in Rom Weltmeister geworden. Bundestrainer Franz Beckenbauer verstieg sich nach dem Triumph zu einer Prophezeiung. Es täte ihm zwar leid für die Nationalmannschaften dieser Welt, verkündete "der Kaiser", doch die künftig mit den Spielern aus dem Osten verstärkte deutsche Nationalmannschaft werde "auf Jahre hinaus nicht mehr zu besiegen sein".

Die Euromeisterschaftsqualifikation gewann die bundesdeutsche Mannschaft tatsächlich souverän und erreichte bei der Endrunde 1992 in Schweden sogar das Finale. Dort unterlag die mit den einstigen DDR-Auswahlspielern Doll, Sammer und Thom verstärkte DFB-Auswahl dem krassen Außenseiter Dänemark allerdings mit 0:2.

Das Freundschaftsspiel zwischen der BRD und einer DDR-Auswahl im November 1990 hatte ausfallen müssen, nachdem ostdeutsche Hooligans damit gedroht hatten, das Spiel mit Randalen zu begleiten. Die wollten die Fußballfunktionäre lieber nicht erleben. Erst zwanzig Jahre später fand die Begegnung statt - im sogenannten "Spiel der Legenden" schlugen die DDR-Altstars die Weltmeistertruppe von 1990 in Leipzig mit 2:1.

(Quellen: Neues Deutschland, 18.09.2010; www.zeit.de "Eine Nationalmannschaft wird abgewickelt", Zeit Online 13.09.2010; dpa, 2.2.1990

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2018, 11:46 Uhr

DDR-Fußballnationaltrainer Eudard Geyer am 12.09.1990 im Brüsseler Constant-Vandenstock-Stadion. Die DDR-Fußballnationalmannschaft gewinnt vor 10.000 Zuschauern das letzte ihrer insgesamt 293 Länderspiele. Belgien wird mit 2:0 bezwungen
DDR-Fußballnationaltrainer Eudard Geyer am 12.09.1990 im Brüsseler Constant-Vandenstock-Stadion. Die DDR-Fußballnationalmannschaft gewinnt vor 10.000 Zuschauern das letzte ihrer insgesamt 293 Länderspiele. Belgien wird mit 2:0 bezwungen Bildrechte: dpa