#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 3. Oktober

1912: Deutsche Bücherei in Leipzig gegründet

Am 3. Oktober 1912 wird in der Buchstadt Leipzig mit der "Deutschen Bücherei" die erste und bis 1947 einzige deutsche Nationalbibliothek gegründet. Sie ist ein Archiv für alle Medienwerke in Schrift, Bild und Ton, die seit 1913 in und über Deutschland oder in deutscher Sprache veröffentlicht werden. Da Leipzig nach dem Zweiten Weltkrieg in der sowjetischen Besatzungszone liegt, wird im Jahr 1947 in Frankfurt am Main die "Deutsche Bibliothek" als Gegengründung errichtet. Im Einigungsvertrag wird 1990 die Zusammenführung der Leipziger und der Frankfurter Institution geregelt, die seit 2006 den Namen "Deutsche Nationalbibliothek" trägt. Inzwischen zählt das Archiv über 43,6 Millionen Medienwerke in seinem Bestand (Stand Oktober 2022).

Deutsche Nationalbibliothek Leipzig - Bauphase der Deutschen Bücherei am Deutschen Platz, April 1915
Die Deutsche Bücherei in Leipzig während ihrer Bauphase im April 1915. Das Hauptgebäude am Deutschen Platz wird am 2. September 1916 eingeweiht. Bildrechte: Landbauamt Leipzig

1951: Harte Urteile gegen sächsische Schüler

Am 3. Oktober 1951 verurteilt das Landgericht Zwickau 19 Oberschüler aus Werdau zu insgesamt 130 Jahren Zuchthaus. Die sächsische Widerstandsgruppe hat unter anderem mit Flugblättern und Plakaten gegen das SED-Regime protestiert. Ihr Vorbild ist die Widerstandsgruppe "Weiße Rose", die sich im Dritten Reich gegen die NS-Diktatur gestellt hat. Die DDR-Staatsführung wirft den Jugendlichen "Boykotthetze" laut Strafgesetzbuch vor – also einen Angriff gegen die Einrichtungen und Organisationen der DDR. Der Prozess gegen die Oberschüler dauert nur 14 Stunden. Noch in der Nacht spricht das Landgericht die Urteile: zwischen zwei bis 15 Jahre Zuchthaus. Sechs der Angeklagten sind noch minderjährig.

Gitter vor den Fenstern der Justizvollzugsanstalt Bautzen
Die verurteilten Werdauer Schüler müssen ihre Haftstrafen in der Justizvollzugsanstalt Bautzen absitzen. Bildrechte: IMAGO / Stefan Hässler

1961: Zwangsumsiedlung aus Sperrgebieten

Am 3. Oktober 1961 werden 3.175 DDR-Bürgerinnen und Bürger, die an der Staatsgrenze zur Bundesrepublik wohnen, zwangsumgesiedelt. Die DDR-weite Räumung wird "Aktion Festung" oder auch "Aktion Kornblume" genannt. Die Betroffenen sind aus Sicht der SED "politisch unzuverlässig". Sie müssen ihre Häuser ohne Vorwarnung und innerhalb kürzester Zeit verlassen. Die Vertriebenen erhalten zwar neue Unterkünfte im Inneren des Landes, häufig sind diese aber sehr klein und verwahrlost. Die Zwangsumsiedlung im Rahmen der "Aktion Kornblume" ist nicht die erste ihrer Art. Das Sperrgebiet an der deutsch-deutschen Grenze ist bereits 1952 unter der Bezeichnung "Aktion Ungeziefer" geräumt worden, um einen 500 Meter breiten Schutzstreifen zwischen der DDR und den westlichen Besatzungszonen Deutschlands zu schaffen. Nach dem Bau der Mauer will das SED-Regime die Sicherheitsmaßnahmen jedoch noch mal verstärken.

1990: Neue Behörde gewährt Blick in Stasi-Unterlagen

Am 3. Oktober 1990 wird der Rostocker Pfarrer Joachim Gauck zum "Sonderbeauftragten der Bundesregierung für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes" ernannt. Seine Behörde, damals auch Gauck-Behörde genannt, soll Bürgerinnen und Bürgern Zugang zu den Akten ermöglichen, die die Stasi über bespitzelte Personen gesammelt hat. Dies dient der Wiedergutmachung und Rehabilitierung sowie der Verfolgung von Straftaten.

Mitarbeiterin 2013 im Archiv der Stasi-Unterlagenbehörde.
Über 111 Kilometer Schriftgut hat die Stasi-Unterlagen-Behörde aufgearbeitet. Nun lagern die Akten im Bundesarchiv in Koblenz, 15.000 Säcke mit Papierschnipseln müssen noch rekonstruiert werden. Bildrechte: imago/photothek

Einen Monat vor der Behördengründung haben 20 Bürgerrechtler die ehemalige Stasi-Zentrale in der Berliner Normannenstraße besetzt. Sie wollen verhindern, dass die Akten nach der Wiedervereinigung vernichtet werden oder im Bundesarchiv verschwinden, wie es die Bundesregierung vorhatte. Joachim Gauck handelt eine Lösung aus: Die Akten werden von einer eigenen Bundesbehörde verwaltet und der Deutsche Bundestag entscheidet über den Umgang mit ihnen. Im ersten Jahr der Akteneinsicht gehen über 520.000 Anträge zur persönlichen Akteneinsicht ein, bis Ende 2021 über 3,4 Millionen. Zusätzlich zur Behörde in Berlin werden 13 Außenstellen geschaffen. Seit dem 17. Juni 2021 ist das Stasi-Unterlagen-Archiv Teil des Bundesarchivs.

Stasi-Unterlagen
Seit die Stasi-Akten kurz nach der deutschen Wiedervereinigung geöffnet wurden, können ehemalige DDR-Bürgerinnen und Bürger ihre Unterlagen einsehen. Doch nicht alle haben die Möglichkeit der Akteneinsicht genutzt. Bildrechte: imago/epd

2010: Deutschland begleicht Kriegsschulden

Am 3. Oktober 2010 zahlt Deutschland die letzte Reparationsrate in Höhe von 200 Millionen Euro für den Ersten Weltkrieg. Die Gesamtsumme ist ursprünglich 1919 im Versailler Vertrag festgelegt, 1953 aber im Londoner Schuldenabkommen neu geregelt worden. Die Bundesrepublik erklärt sich in dem Abkommen dazu bereit, den Großteil der Forderungen aus dem Ersten Weltkrieg und Auslandsschulden aus der Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieg zu bezahlen – 14,5 Milliarden DM. Hinzu kommen Zinszahlungen aus Anleihen aus den Jahren 1945-1952. Diese soll der deutsche Staat jedoch erst zurückzahlen, falls es zur deutschen Einheit kommt. Mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 werden die Restschulden fällig. Genau 20 Jahre später begleicht Deutschland schließlich seine finanzielle Kriegsschuld mit der finalen Überweisung.

Eine Seite des Versailler Vertrags mit Unterschriften amerikanischer und britischer Bevollmächtigter.
Eine Seite des Versailler Vertrags mit Unterschriften amerikanischer und britischer Bevollmächtigter. Bildrechte: MDR/LexiTV

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 16. Juni 2022 | 21:45 Uhr