Geschichte der Bad(e)kultur Baden mit und ohne

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde öffentliches Baden zu einem Freizeitspaß für alle. Man traf sich zum gemeinschaftlichen Bad, doch es ging auch um körperliche Ertüchtigung und ums schlichte Sauberwerden. Die meisten Deutschen mussten zu Hause bis ins 20. Jahrhundert hinein ohne Dusche oder Wanne auskommen. Nur einer der Gründe, warum man gerne in Bäder und Schwimmhallen ging. Wie ging das eigentlich los mit der Geschichte der Badekultur?

 Römer und Griechen als Erfinder der Badekultur

 Die öffentliche Badekultur beginnt in der Antike. Die alten Griechen und Römer gelten als Väter der Badehäuser. Sie empfanden das Bad nicht nur als praktisch zur Reinigung des Körpers, sondern entdeckten es auch als gesellschaftlichen Treffpunkt. Schon damals kamen zur sozialen und hygienischen Bedeutung außerdem auch medizinische Aspekte hinzu. Das Bad sollte heilen und für Wohlbefinden sorgen. Diese gesellschaftliche Badekultur ging jedoch im Laufe der Jahrhunderte verloren. Das Bad kam zu Zeiten von Krankheiten und Seuchen in Verruf, eine Krankheitsschleuder zu sein. Sittenwächter beklagten zudem die Anzüglichkeiten des Badens. Viele Badeanstalten wurden geschlossen, das Waschen galt lange Zeit als verpönt. 

 Körperhygiene für die Massen - Heilbäder für die Reichen

 Im 19. Jahrhundert erlebte das öffentliche Baden ein Comeback. Zu Zeiten der Aufklärung setzte auch bei der Bevölkerung ein Umdenken ein. Der Aspekt der Hygiene wurde in den Ballungsräumen als immer wichtiger erachtet, um aufkommenden Epidemien und Krankheiten zu Zeiten der Industriellen Revolution entgegenzuwirken. Viele Hautärzte empfahlen zur Jahrhundertwende, wöchentlich wenigstens ein Bad zu nehmen. Es entstanden öffentliche Wasch- und Badehäuser, sowohl für die individuelle Körperhygiene als auch zum Wäschewaschen. Im Laufe der Jahrzehnte kamen Schwimmbecken dazu, vorerst genutzt als große Badewannen. Auch der therapeutische und wohltuende Aspekt des Wassers gelangte wieder in den Fokus. Die Heilquellen und Bäder, die es schon seit dem 18. Jahrhundert wieder gab, wurden allerdings zunächst nur von Adligen und Gutbetuchten besucht.

Körperliche Ertüchtigung in Hallenbädern mit dem "Sportgerät Wasser"

Begünstigend kam hinzu, dass Mediziner dem Volk empfahlen, sich in der Freizeit körperlich zu ertüchtigen. Die Badeanstalten sollten somit nicht nur der Hygiene dienen — dieser Aspekt wurde mit Zunahme der privaten Badezimmer zu Hause unwichtiger, sondern auch, um den Körper durch Sport in Schwung zu bringen. Wassersport war für jeden Stadtbewohner leicht zugänglich und Schwimmen wurde zunehmend beliebter. Die erste öffentliche Badeanstalt mit einem Schwimmbecken gab ab 1860 in Magdeburg. Nach und nach entstanden in vielen anderen Städten auch Hallenbäder und die schon vorhandenen Schwimmbäder beschränkten sich zumeist auf sportliche Angebote.

 Eine Frage der Moral: Getrennte Schwimmbecken für Männer und Frauen

Badehaus Bad Muskau um 1915
Badehaus im Fürst-Pückler-Park bei Görlitz Bildrechte: Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“

Die Moralvorstellungen Anfang des 20. Jahrhunderts forderten — genau wie anderswo in Europa — auch in Deutschland eine strikte Geschlechtertrennung beim öffentlichen Baden: Herren hier, Damen dort. Wie in den Seebädern am Meer galt es auch in Hallenbädern als unschicklich, wenn eine Frau in der Nähe von Männern baden ging. Die Geschlechtertrennung wurde, sofern es keine separaten Becken gab, durch Stundenpläne zum Baden eingehalten. Erst in den 1920er-Jahren durften zum Beispiel Ehepaare überall gemeinsam baden.

Badekleidung bei den Damen: Hauptsache, der Körper ist verhüllt

Auch bei der Badekleidung machten die Moralvorstellungen der Zeit keinen Halt. Die Damenwelt sollte ihre Körper mit Badekostümen verhüllen. Die Frauenkleider behinderten sie im Wasser, doch es blieb lange Zeit dabei: Wichtig war nur, dass die Kleidung im Wasser nicht plötzlich transparent wurde und zu viel preisgab. Daher mussten anfangs auch Badeanzüge aus Woll- oder Baumwollstoff in Kauf genommen werden, die im nassen Zustand schwer waren und nur langsam trockneten. Nicht verwunderlich, dass Damen oft wegen zu schwerer Kleidung aus dem Wasser gerettet werden mussten. In vielen Badeanstalten mussten die Frauen über den einteiligen Badeanzügen noch einen Rock tragen, damit nicht zu viel Bein zu sehen war. Die ersten zweiteiligen Badeanzüge, bestehend aus Pumphose und hemdartigem Oberteil, gab ab den späten 1920er Jahren in den USA.

Badekleidung bei den Herren: Weniger ist mehr

Die Männer hatten in Deutschland bis ins 19. Jahrhundert in ihren separaten Badeanstalten meist nackt oder in Unterwäsche gebadet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es nun auch für die Herren einteilige Badeanzüge, meist mit kurzen Beinen aus gestreiftem Trikot. Skandalös empfanden viele die Badebekleidung der Männer ab den 1920er Jahren. Die Badehosen wurden plötzlich immer knapper und „endeten“ schließlich in der so genannten Dreiecksbadehose.

Nacktbaden als Gegensatz: Der FKK-Skandal

Im starken Kontrast zu der damals noch verhüllenden Badekleidung der Damen stand die Freikörperkultur, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand. Ärzte hatten schon lange die Empfehlung ausgesprochen, nackt zu baden, um die heilenden Aspekte des Wassers zu unterstützen. Die FKKler empfanden die unbeschwerte Nacktheit als Rückkehr zur Natur, als Streben nach dem ursprünglichen Naturzustand (die so genannte Lebensreform-Bewegung). Auch sahen sie die Möglichkeit, einer Verweichlichung entgegenzuwirken. Oft gehörten die Nacktbader dem rechten Lager an. Für Sittenwächter war das FKK-Baden freilich ein Skandal, auch wenn das Nacktsein nur am Meer und an Seen ausgelebt wurde. In den Hallenbädern blieb es bei der jeweils vorgeschriebenen Badebekleidung.