Bärenplage in Rumänien?

Während in Deutschland immer wieder über den allzu strengen Schutzstatus von Wölfen gestritten wird, ist in Rumänien eine hitzige Debatte um den EU-weit geschützten europäischen Braunbären entbrannt.

Bildkomposition aus Braunbär, daneben symbolischer Speiseplan mit Strichmännchen, rechts blonde Moderatorin in blauem Kleid mit Messer und Gabel in der Hand 2 min
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Do 30.11.2017 15:00Uhr 01:45 min

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Fast täglich berichten die rumänischen Medien über Bärenangriffe auf Menschen, Nutztiere und Bauernhöfe. Doch ihr Abschuss ist strengstens verboten. Im Oktober 2016 hat das Umweltministerium in Bukarest verboten, das größte Raubtier Europas zu jagen. Zur Begründung hieß es, Jagdverbände hätten die Zahl der Bärenpopulation bewusst höher angegeben, um hohe Abschussquoten zu erhalten und mehr lukrative Bärenjagden durchführen zu können.

Braunbär in rumänischer Wildnis
Braunbären - seit Menschengedenken in Rumänien beheimatet Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Naturschützer feiern das Jagdmoratorium als großen Sieg, doch die Problembären sind nicht wegzudiskutieren. Jäger, Bauern und Lokalbürgermeister protestieren. Sie wollen die Aufhebung des Jagdverbots und warnen davor, dass die Attacken der Braunbären noch weiter zunehmen werden.

Osteuropa

Der Bär geht um!

Patient liegt mit Kopfverletzungen auf Trage
2017 wurden allein im rumänischen Kreis Harghita in Südostsiebenbürgen 268 Angriffe von Braunbären auf Menschen gemeldet. Dabei wurden sieben Menschen verletzt. Besonders häufig betroffen von Bärenattacken: Pilz- und Waldfrüchtesammler sowie Schäfer. Die Verletzungen können tödlich sein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Patient liegt mit Kopfverletzungen auf Trage
2017 wurden allein im rumänischen Kreis Harghita in Südostsiebenbürgen 268 Angriffe von Braunbären auf Menschen gemeldet. Dabei wurden sieben Menschen verletzt. Besonders häufig betroffen von Bärenattacken: Pilz- und Waldfrüchtesammler sowie Schäfer. Die Verletzungen können tödlich sein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
zwei Jäger in Jagdhütte vor Bärenschädel
Vor dem Jagdmoratorium gab es eine jährliche Abschussquote von rund 500 Bären. Ein lukratives Geschäft für die Jagdverbände. Jäger aus aller Welt kamen nach Rumänien und bezahlten bis zu zehntausend Euro für den Abschuss eines Bären. Jäger Benke und sein Kollege präsentieren hier den größten Stolz des Jagdverbandes. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
zwei Braunbären liegen auf dem Boden
Das Argument der Jäger, mit dem Abschuss der Bären die Bevölkerung zu schützen, halten Umweltschützer für einen Vorwand. Schließlich würden Jäger Prachtexemplare für ihre Trophäensammlung schießen wollen und nicht verhaltensauffällige Problembären. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
József Benke, Jäger mit Gewehr
Bisher waren in Rumänien die Jäger für die Zählung der Bären zuständig. Umweltschützer zweifeln aber an der Richtigkeit: Die Jäger, die die Population erheben, hätten ein finanzielles Interesse, denn von ihren Zahlen hingen bisher die genehmigten Abschussquoten ab. Jäger József Benke bestreitet das und verweist auf sein "handfestes" Argument: die Problembären. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
gejagter Rothirsch, neben Rothirschschädel
Statt dem Bären geht es nun wohl vermehrt dem Rothirsch an den Kragen. Will der Jagdverband die finanzielle Lücke schließen, die das Jagdmoratorium gerissen hat, müssten für jeden der vorher rund 500 genehmigten Bären 2,5 Hirsche gejagt werden.

(Über dieses Thema berichtete HEUTE IM OSTEN auch im TV: MDR Aktuell | 18.11.2016 | 17:45 Uhr)
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Von einem Braunbären gerissene Kuh liegt auf Weide
Auf der Suche nach Nahrung greifen die Bären vorwiegend Nutztier-Herden an. Diese Kuh weist die typischen Wunden eines Bärenangriffs auf: Erst krallt der Bär in Schulter und Rücken, um ihr einen tödlichen Schlag zu versetzen, dann macht er sich über das Euter her. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Rumänische Berglandachaft
In den rumänischen Karpaten ist die größte Bärenpopulation Europas (außerhalb Russlands) beheimatet. Nach Angaben des rumänischen Umweltministeriums sollen es ca. 6.500 Tiere sein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Blick auf rumänisches Dorf am Fuße der Karpaten
Die meisten Braunbären leben in den siebenbürgischen Kreisen Mures, Harghita und Covasna. Die dortigen Behörden melden eine starke Zunahme von Bärenangriffen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Jäger József Benke von hinten
József Benke ist Vorsitzender des Jagdverbandes von Harghita und ist überzeugt, dass es mehr Bären gibt als die rumänischen Behörden meinen. Deshalb hat er kein Verständnis für das Jagdverbot, das vor einem Jahr für Bären ausgesprochen wurde. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Braunbärenschädelknochen
Das ist der Schädel des "Weltrekordbären" - des weltweit größten Bären, der jemals geschossen wurde und das in József Benkes Jagdrevier! Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Bärenretter Csaba Domokos
Csaba Domokos ist einer von jenen, die sich für das Jagdverbot eingesetzt haben. Er will die Bären retten, sie in menschferne Gegenden umsiedeln und hat kein Verständnis dafür, dass Jagdvereine mit Bären Geld verdienen, obwohl sie EU-weit unter strengem Schutz stehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Jäger sucht liegend unter Felsvorsprung nach Eingang von Bärenhöhle
Der Biologe arbeitet für eine unabhängige Umweltschutzorganisation, die zu gefährdeten Tieren forscht und sich für deren Schutz einsetzt. Csaba Domokos kartographiert und vermisst hier Bärenhöhlen. Er will die Waldarbeiter über die Standorte informieren, damit sie später nicht den Winterschlaf der Bären stören. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Mann überprüft Stacheldrahtzaun
Die zentrale Frage im Streit um die Abschussquote: Gibt es tatsächlich zu viele Bären, wie die Jäger behaupten oder nicht? Deswegen sammelt Bärenschützer Csaba Domokos mit Hilfe von Stacheldrahtfallen Bärenhaare. Nach deren Genanalyse lässt sich zweifelsfrei belegen, welcher Bär wo war. Doppelte Zählung ausgeschlossen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Smartphone mit Bärenfoto
Dieser hier wurde "Goliath" getauft, weil er so riesig ist. Auf jeden Fall über zwei Meter groß. Goliath hat ein Schaf gerissen. Kurz vor dem Winterschlaf sind Bären besonders hungrig. Für die finanziellen Verluste können die Schäfer und Bauern mit viel Bürokratie Entschädigung beantragen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Umweltministerin Gratiela Gavrilescu
Auf den Druck von Jägern, Bauern und Lokalbürgermeistern hat Umweltministerin Gratiela Gavrilescu im August reagiert und eine "Interventionsquote für Notfälle" erlassen. Seitdem dürfen 140 Bären abgeschossen werden. Aber nur jene, mit denen es Probleme gibt und nur, wenn es keine andere Lösung gibt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Jäger Benke sitzt in seinem Wohnzimmersessel umgeben von vielen Jagdtrophäen an der Wand
Auch mit der neuen Regelung ist Jäger Benke unzufrieden. Bären zu jagen bleibt letztlich weiter verboten und das will er nicht akzeptieren. Doch die Diskussion geht weiter. Im August 2018, kurz vor Beginn der neuen Jagdsaison, soll erneut über die geltende Jagdquote entschieden werden. Solange werden die Jäger auf jeden Fall nach finanziellen Alternativen suchen müssen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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József Benke, Jäger mit Gewehr
Bisher waren in Rumänien die Jäger für die Zählung der Bären zuständig. Umweltschützer zweifeln aber an der Richtigkeit: Die Jäger, die die Population erheben, hätten ein finanzielles Interesse, denn von ihren Zahlen hingen bisher die genehmigten Abschussquoten ab. Jäger József Benke bestreitet das und verweist auf sein "handfestes" Argument: die Problembären. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
József Benke, Jäger
Jäger Benke Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Davon ist auch Jäger József Benke überzeugt. Er fordert sogar eine Präventionsquote, nur so könne man der Überpopulation der Braunbären Herr werden. "Es muss klar sein, dass jeder Bär zum Problembär werden kann", sagt Benke. Doch Rumäniens Umweltministerin schließt eine Jagdquote für Bären weiterhin aus.

(zuerst veröffentlicht am 07.11.2017)

Über dieses Thema berichtete HEUTE IM OSTEN auch im TV: MDR Aktuell | 18.11.2016 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juli 2018, 15:50 Uhr