Wer, Wie, Was? Fakten zum ESC-Finale in Kiew

Die K.O.-Runden sind entschieden. 26 Finalisten singen um die Krone. Auch Deutschlands Auftritt ist gesetzt, weil es zu den "Big Five" gehört.

Eurovision Song Contest Logo auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew
Logo des Eurovision Song Contests auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew. Bildrechte: IMAGO

Warum findet der Wettbewerb in Kiew statt?

Die Opernsängerin Jamala hat den ESC nach Kiew geholt: Im vorigen Jahr gewann die ukrainische Künstlerin den Wettbewerb in Stockholm. Die Ukrainer haben übrigens Erfahrung in der Austragung des Eurovision Song Contests. Im Jahr 2005 durften sie schon einmal den ESC veranstalten.

Austragsort ESC ist zum zweiten Mal in Kiew

Die Sängerin Jamala gewann im Mai 2016 den ESC mit ihrem Song "1944", der für viel Kritik aus Russland gesorgt hatte.

Die ukrainische Sängerin Jamala gewinnt in Stockholm den Eurovision Song Contest
Diese Aufmerksamkeit verdanken Kiew und die Ukraine der Opernsängerin Jamala. Die auf der Krim aufgewachsene und inzwischen in Kiew lebende Künstlerin gewann am 15. Mai 2016 den Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm. Der weltweit größte Musikwettbewerb wird damit zum zweiten Mal in seiner Geschichte in der Ukraine ausgetragen. Bildrechte: IMAGO
Die ukrainische Sängerin Jamala gewinnt in Stockholm den Eurovision Song Contest
Diese Aufmerksamkeit verdanken Kiew und die Ukraine der Opernsängerin Jamala. Die auf der Krim aufgewachsene und inzwischen in Kiew lebende Künstlerin gewann am 15. Mai 2016 den Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm. Der weltweit größte Musikwettbewerb wird damit zum zweiten Mal in seiner Geschichte in der Ukraine ausgetragen. Bildrechte: IMAGO
Ukrainische Sängerin Jamala und ihr Songtitel "1944" - hier bei einem Konzert in Palast in Kiew am 24.05.2016 kurz nachdem sie den Eurovision Song Contest gewonnen hatte.
Jamalas Song - "1944" - rührt an alten Wunden: In jenem Jahr wurden mehr als 180.000 Krimtataren nach Zentralasien deportiert - auf Befehl von Stalin, der die Tataren kollektiv als "Nazi-Kollaborateure" verfolgen ließ, weil sich ein kleiner Teil von ihnen nach der deutschen Besatzung der Krim für die Wehrmacht gemeldet hatte. Mehr als ein Drittel der deportierten Tataren überlebte den Abtransport nicht. Immer wieder betonte Sängerin Jamala, sie habe mit dem Song das persönliche Schicksal ihrer Familie erzählen wollen. Bildrechte: IMAGO
Außenpolitiker und Duma-Abgeordneter Alexej Puschkow
Schon im Vorfeld des ESC im Mai in Stockholm hatten russische Abgeordnete gefordert, Jamala zu disqualifizieren - wegen des politischen Kontextes ihres Beitrages. Politische Songs sind beim Wettbewerb laut Regelwerk verboten. Die ESC-Veranstalter lehnten jedoch ab, den Beitrag aus dem Wettbewerb zu nehmen. Nach dem Sieg der Ukrainerin erklärte der einflussreiche Außenpolitiker und Duma-Abgeordnete Alexej Puschkow, der ESC verwandle sich in ein politisches Schlachtfeld. Bildrechte: IMAGO
Die Sängerin Jamala kommt nach ihrem ESC-Sieg in Kiew auf dem Airport an.
Jubel löste die 32-jährige Sängerin unterdessen in ihrer Heimat Ukraine aus. Fans bedrängten sie bei ihrer Rückkehr auf dem Flughafen von Kiew. Bildrechte: IMAGO
Sängerin Jamala zu Gast bei ihrem ukrainischen Präsidenten Poroschenko
Auch der ukrainische Staatspräsident Petro Poroschenko twitterte : "Alle Ukrainer danken dir von ganzen Herzen, Jamala“. Im Mai ehrte der Staatschef die Sängerin als "Volkskünstlerin der Ukraine" und dankte ihr, dass sie das Krim-Thema wieder auf die Titelseiten der internationalen Presse gebracht habe. Bildrechte: IMAGO
Jamala bei einem Konzert für ukrainische Soldaten
Politisch umworben wurde die Musikerin aber auch von russischer Seite. Ein Mitglied der Verwaltung in Krim forderte Jamala nach ihrem ESC-Sieg auf, die russische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Die Sängerin lehnte ab. Sie habe schon die ukrainische, sagte sie. Auf dem Foto gibt Jamala Autogramme am Rande eines Auftritts vor ukrainischen Soldaten am 25. Mai 2016. Bildrechte: IMAGO
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Wie oft war der ESC bislang in Osteuropa?

Der weltweit größte Musikwettbewerb findet zum 62. Mal statt, sieben Mal nur wurde er in seiner Geschichte in Osteuropa ausgetragen. Die Musikauswahl der Region schien die Jury nicht gerade begeistert zu haben. Erst 1989, 34 Jahre nach Erstausstrahlung des ESC, schaffte es ein osteuropäisches Land auf das Siegertreppchen - mit Riva aus dem damaligen Jugoslawien.

Die osteuropäischen Gewinner im Überblick: Jamala (2016, Ukraine), Dima Bilan (2008, Russland), Marija Serifovic (2007, Serbien), Ruslana Lyzhichko (2004, Ukraine), Marie N (2002, Lettland), Tanel Padar, Dave Benton und 2XL (2001, Estland), Riva (1989, Jugoslawien).

Was kostet das Ereignis?

Die ukrainischen Organisatoren greifen für das Millionenpublikum, das die ESC-Ereignisse verfolgt, tief in die Tasche. Für die Infrastruktur stellt die Stadtverwaltung von Kiew etwa sieben Millionen Euro bereit. Knapp 15,5 Millionen Euro muss das Staatsfernsehen per Regierungserlass für das Mega-Ereignis reservieren. Das sind rund 40 Prozent des Jahresbudgets des Senders.

Wie viele Musiker nehmen teil?

Beim ESC-Finale treten am Samstag insgesamt 26 Länder gegeneinander an. Die mussten sich vorher in jeweils zwei Halbfinalen behaupten. Geschaftt haben es unter anderem Polen, Belarus und Rumänien. Alle Finalisten gibt's hier im Überblick.

Julia Samoilowa
Die russische Sängerin Samoilowa. Bildrechte: IMAGO

Die russische Kandidatin - die Sängerin Julia Samoilowa - sollte im zweiten Halbfinale antreten, doch Kiew wollte ihr die Einreise verweigern. Grund: Die Künstlerin war in der von Russland annektierten Krim aufgetreten.

Die Europäische Rundfunkunion - ein Zusammenschluss von 73 Rundfunkanstalten - versuchte zwischen beiden Streitparteien zu vermitteln, doch vergeblich. Moskau trotzte, zog seine Kandidatin aus dem Wettbewerb zurück und will sie 2018 erneut ins Rennen schicken. Parallel zum ersten Halbfinale in Kiew trat Samoilowa sogar noch einmal auf der Krim auf, anlässlich zum Tag des Sieges am 9.Mai. Tausende Zuschauer verfolgten den Live-Auftritt trotz starken Regens.

Wer kommt ins Finale?

Levina auf dem Roten Teppich
Die deutsche ESC-Kandidatin Isabella Levina Lueen auf dem roten Teppich in Kiew. Bildrechte: IMAGO

Die jeweils besten zehn Acts aus den zwei Halbfinalen qualifizieren sich für die große Show am Samstag. Das macht zusammen 20 Finalisten. Hinzu kommen dann noch die Ukraine als Vorjahresgewinner sowie die fünf größten Geldgeber der Musikshow: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien. Für Deutschland geht Levina mit dem Song "Perfect Life" an den Start.

Wie wird der Sieger ermittelt?

Alle Länder, die in den Halbfinalen antreten, sind in der jeweiligen Runde auch stimmberechtigt. Die Abstimmung erfolgt per Jury- und Televoting, zu jeweils 50 Prozent. Im Finale stimmen alle Teilnehmerländer ab, auch wenn ihre eigenen Künstler bereits ausgeschieden sind. Für das eigene Land allerdings kann weder in den Halbfinalen, noch im Finale gestimmt werden.

Wo kann man den ESC sehen?

Das Finale findet am 13. Mai 2017, 21 Uhr, statt und wird live in der ARD gezeigt.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im: Radio | 09.05.2017 | 11:48 Uhr