Osteuropa

Georgien - Ruinen in schönen Landschaften

Die Legende hört man ständig: Gott hat den Georgiern ein Stück von seinem Land abgegeben, weil sie auf sein Wohl Wein getrunken haben. Daher also die majestätischen Landschaften. Die Probleme hat der Mensch beigesteuert. Autorin: Anastasia Vinokurova

Eine alte, verfallene Villa im Wald
Villen wie diese lassen die frühere Pracht von Shovi erahnen. Die Einheimischen nennen sie "Stalin-Villa" und "Romanow-Villa". Ob die Gebäude wirklich eine Verbindung zu Stalin und zur Zarenfamilie haben? Wahrscheinlich handelt es sich einfach um zwei Sanatorien aus der Anfangszeit. Doch die Georgier lieben ihre kleinen und großen Legenden. Bildrechte: MDR/Osteuropa Medienservice
Bergige Landschaft
Wenn man Georgien besucht, hört man von jedermann – egal ob Busfahrer oder Professor – diese Legende: Als Gott die Erde aufteilte, kamen die Georgier zu spät. "Warum kommt ihr so spät?", fragte Gott. "Wir waren beschäftigt ...", antworteten die Georgier. "Wir haben in deinem Namen Wein getrunken!" "Na gut", sagte Gott, "dann gebe ich euch ein Stück von meinem eigenen Land ab". So erhielten die Georgier das schönste Stück der Erde. Bildrechte: MDR/Osteuropa Medienservice
Zwei alte Frauen auf einem Balkon
Typisch für die Altstadt von Tbilissi sind Straßen und Innenhöfe mit vielen Balkonen. Hier findet das soziale Leben statt. Bis heute ist die Bevölkerung von Tbilissi heterogen. Auch in der Architektur der Stadt spielen viele Einflüsse mit. Im 7. Jahrhundert von den Arabern erobert, ging die Stadt später in persischen und byzantinischen Besitz über und wurde erst 1121 von den Georgiern zurückerobert. Im Mittelalter lag Tbilissi an einem der sieben Handelswege von Europa nach Asien und Indien. Bildrechte: MDR/Osteuropa Medienservice
Wohnblöcke in Tiblissi
Nach der sogenannten Rosenrevolution im Jahr 2003, die zum Rücktritt des langjährigen Staatspräsidenten Eduard Schewardnadse führte, wurden in Tbilissi viele moderne Gebäude gebaut. Bestehende Bausubstanz wie diese Wohnblöcke verfiel dagegen. Seit dem Zerfall der Sowjetunion ist der Lebensstandard in Georgien, einst eine der reichsten Sowjetrepubliken, sehr niedrig. Beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt Georgien auf Platz 114 von 192 Ländern. Bildrechte: MDR/Osteuropa Medienservice
Eine alte, verfallene Villa im Wald
Villen wie diese lassen die frühere Pracht von Shovi erahnen. Die Einheimischen nennen sie "Stalin-Villa" und "Romanow-Villa". Ob die Gebäude wirklich eine Verbindung zu Stalin und zur Zarenfamilie haben? Wahrscheinlich handelt es sich einfach um zwei Sanatorien aus der Anfangszeit. Doch die Georgier lieben ihre kleinen und großen Legenden. Bildrechte: MDR/Osteuropa Medienservice
Blick auf Häuser in Tbilissi, Georgien.
Die Hauptstadt Georgiens ist Tbilissi. Den alten Namen Tiflis findet man bereits auf deutschen Karten aus dem 13. Jahrhundert. Heute ist er allerdings nur im Deutschen, Türkischen, Griechischen und Persischen üblich. Bis 1936 lautete so auch die offizielle sowjetische Bezeichnung. In Georgien selbst und in den meisten anderen Ländern nennt man die Stadt "Tbilissi". So hieß die Stadt offiziell auch in der DDR und den anderen sozialistischen Ländern. Bildrechte: MDR/Osteuropa Medienservice
Blick von oben auf Häuser in einem Wald
Verfall in schöner Landschaft - das lässt sich auch im früheren sowjetischen Kurort Shovi in der Bergregion Racha studieren. 1929 eröffnet, wurde Shovi zu einem der schönsten Bäder-Kurorte der Sowjetunion. Auch die Kreml-Elite pflegte hier gerne ihre Gesundheit. Heute sind von den alten Sanatorien nur noch Ruinen übrig. Dennoch machen viele Georgier hier weiter gern Familienurlaub. Bildrechte: MDR/Osteuropa Medienservice
Ein großes weißes Haus
In einem verfallenen Plattenbau aus den 1960er-Jahren wurde jüngst eine Etage mit neuen Fenstern versehen. Ein Zimmer kostet hier um die 13 Euro pro Nacht. Im Sommer sind alle Zimmer besetzt und niemanden scheint abzuschrecken, dass das Gebäude jederzeit einstürzen könnte. Bildrechte: MDR/Osteuropa Medienservice
Gebirgslandschaft mit schneebedeckten Gipfeln in Wolken
Georgien hat vielfältige und wunderschöne Naturlandschaften zu bieten. Wer sich nach unberührter Natur jenseits der Zivilisation sehnt, ist hier richtig - ob im Kaukasus oder am Schwarzen Meer. Bildrechte: MDR/Osteuropa Medienservice
Blick von oben auf einen Strand
Am Schwarzen Meer liegt auch Georgiens "Sommerhauptstadt" Batumi. Ein Strandurlaub dort ist ein Muss für jede georgische Familie. Auch viele Touristen aus Armenien, Aserbaidschan, Russland und der Ukraine besuchen gern die Kieselstrände nahe Batumi. Dann werden die politischen Konflikte zur Seite gelegt, nicht zuletzt dank der berühmten georgischen Gastfreundschaft: hier heißt man jedermann willkommen. Bildrechte: MDR/Osteuropa Medienservice
Blick auf Batumi
Die Umbrüche der jüngeren Zeit sind aber auch an Batumi nicht spurlos vorübergegangen. Der ehemalige georgische Präsident Michail Saakaschwili wollte Batumi zum Las Vegas Europas machen. So ließ er namhafte europäische Architekten einige ungewöhnliche Wolkenkratzer entwerfen. Nach dem Ende seiner Amtszeit wurden die Bauarbeiten teilweise gestoppt. Einige Gebäude stehen leer und sind vom Verfall bedroht. Dennoch ist Batumi populär bei Casino-Touristen. Türkische Besucher zum Beipsiel kommen gerne nach Batumi, denn in der Türkei sind Glücksspiele um Geld verboten. (man/pkl)
(Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell auch im TV: 09.10.2018 | 19:30 Uhr.)
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