Polnische Kohlegruben: veraltet und gefährlich

Bei einem Unglück in einer polnischen Kohlegrube im schlesischen Jastrzebie -Zdroj sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Die betroffene Grube gehört zu den ältesten des Landes und gilt als besonders gefährdet. Trotzdem wird sie ausgebaut.

Ein Rettungswagen steht vor Zofiowka-Kohle-Mine
Zu dem Unglück kam es in der Kohlegrube "Zofiówka" im südpolnischen Jastrzębie-Zdrój. Auslöser war ein leichtes Erdbeben, das laut Geoforschungszentrum Potsdam eine Stärke von 4,0 auf der Richterskala erreichte. Am Sonntag wurden zwei verschüttete Arbeiter tot geborgen, drei weitere werden immer noch vermisst. Bildrechte: dpa
Ein Rettungswagen steht vor Zofiowka-Kohle-Mine
Zu dem Unglück kam es in der Kohlegrube "Zofiówka" im südpolnischen Jastrzębie-Zdrój. Auslöser war ein leichtes Erdbeben, das laut Geoforschungszentrum Potsdam eine Stärke von 4,0 auf der Richterskala erreichte. Am Sonntag wurden zwei verschüttete Arbeiter tot geborgen, drei weitere werden immer noch vermisst. Bildrechte: dpa
Der Präsident der polnischen Kohlegesellschaft JSW, Daniel Ozon, bei einer Pressekonferenz in Jastrzebie-Zdroj
"Die Rettungsarbeiten laufen auf Hochtouren", erklärte der Chef des Grubenbetreibers "Jastrzębska Spółka Węglowa" (JSW), Daniel Ozon, bei einer Pressekonferenz. Jedoch können die Rettungskräfte durch austretendes hochgiftiges Methangas derzeit nicht weiter zu den Vermissten vorstoßen: "Wir haben es geschafft, das Niveau auf acht Prozent zu senken. Wir lassen die Retter aber erst rein, wenn die Methankonzentration unter fünf Prozent liegt", sagte Ozon. Bildrechte: dpa
Gebäude einer Kohlemine in Polen.
Das Bergwerk Zofiówka ist eines der ältesten des Landes. 1961 wurde mit dem Bau begonnen. Seit 1974 wird dort Kokskohle gefördert, in der direkt benachbarten Grube "Borynia" bereits seit 1971. Kokskohle wird zur Stahlherstellung benötigt. JSW ist der größte Kokskohleproduzent in der EU. Doch durch den Kohleboom in China sind die Weltmarktpreise gefallen. Daher werden in einer Tiefe von 1080 Metern derzeit neue Schächte angelegt. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Eine Reihe veralteter Spinde in einem dreckigen Raum. Rechts ein Mann in gelber Bergbaukluft und Helm.
Nur wenige Kilometer entfernt baut JSW mit "Dębina" das größte Kokskohlebergwerk Europas. Das Projekt soll insgesamt bis zu 750 Millionen Euro kosten. Geld, das in den bestehenden Bergwerken eingespart wird, wie ein Blick in die überirdischen Anlagen von Zofiówka zeigt. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Arbeiter in gelbem Anzug an einer Ausgabe für Stirnlampen.
Bei einem Zwischenfall kann es bis zu einer Stunde dauern, die Ausgänge zu erreichen. So lange sollen Notatemgeräte die Männer am Leben erhalten, die vor dem Abstieg in die Grube ausgeteilt werden, genau wie Grubenleuchten. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Metallene Sauerstoffgeräte in einem Raum.
Die Notgeräte versorgen die Männer im Zweifelsfall bis zu 90 Minuten mit Atemluft. Außerdem stehen an verschiedenen Stellen größere Atemgeräte bereit, die mehrere Stunden halten. Währenddessen können die bergwerkseigenen Rettungskräfte mit solchen Lufttanks ausgestattet zu den Verschütteten vordringen. Die Geräte selbst sind mehrere Jahrzehnte alt. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Orangenes Kohleabbaugerät mit zwei Abbaurädern vor einem hellen Bürogebäude.
Untertage kommen moderne Fördermaschinen zum Einsatz, wie diese fahrbare Schrämmaschine, die sich durch das Gestein arbeitet. Hier ein Modell vor dem JSW-Firmensitz in Jastrzębie-Zdrój. Die Investition in die Technik beschränkt sich jedoch auf den direkten Abbau. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Drei Bergleute in einem Schaltraum.
Denn ein Blick in den Schaltraum der Grubenaufzüge zeigt, in welchem Zustand sich der Rest von Zofiówka befindet, so wie viele polnische Bergwerke. Weil die polnische Regierung die Kohleförderung aber mit Millionenzuschüssen subventioniert, bleiben selbst die ältesten Anlagen in Betrieb. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Polnisches Warnschild in einem Bergbauschacht.
Unter Tage lauern diverse Gefahren: So kann es jederzeit zu Wasser- oder Gaseinbrüchen kommen. Auch Einstürze in Folge von Erdverschiebungen sind eine allgegenwärtige Gefahr, so wie beim jüngsten Erdbeben. 200 Bergleute sind in Polen in den vergangenen 45 Jahren bei Unglücken ums Leben gekommen. In Zofiówka kam es 2011 zum letzten tödlichen Zwischenfall. Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
Bergbauarbeiter in einem dunklen Abbauschacht.
Aber auch die Arbeitsbedingungen an sich sind lebensgefährlich. In den Abbaustrecken können die Männer kaum aufrecht gehen. Durch den allgegenwärtigen Kohlestaub kann man nur wenige Meter weit schauen. Außerdem steht das Wasser  kniehoch.
Über dieses Thema berichtet der MDR auch in der Reportage:
"Dicke Luft und schwarze Zukunft - Polen und die Kohle" | 16.11.2016 | 18:00 Uhr
Bildrechte: MDR/Alexander Hertel
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