"Europas größter Wissenschaftspark" Skolkowo - das russische "Silicon Valley"?

Im Innovationszentrum Skolkowo vor den Toren Moskaus treffen sich vom 26. bis 29. Oktober Tausende hochkarätige Unternehmer, Ingenieure, Wissenschaftler und Investoren aus aller Welt auf dem Forum "Open Innovations". "Innograd", wie der Standort auch genannt wird, soll das russische "Silicon Valley" werden. Doch das soll es schon eine ganze Weile.

Es ist jetzt sechs Jahre her, dass Dmitri Medwedew, damals russischer Präsident, derzeit Ministerpräsident, ankündigte, Russland bekomme sein eigenes "Silicon Valley". Damals wurde die Stiftung für die Entwicklung der "Innograd Skolkowo" offiziell eingetragen. Das Innovationszentrum, ein russisches Forschungs- und Industriegebiet nach dem US-Vorbild befindet sich im Moskauer Vorort Skolkowo. Das Forschungszentrum konzentriert sich vor allem auf fünf High-Tech-Bereiche: Energie, Informationstechnologie, Telekommunikation, Biomedizin und Atomtechnologien. Die Start-up-Unternehmen, die in diesen Bereichen arbeiten, werden staatlich gefördert und bekommen Steuervergünstigungen.

Arbeiten und wohnen in der Wissenschaftlerstadt

Das Projekt ist, wie alles in Russland, monumental. Innograd soll der größte Wissenschaftspark in Europa werden. Verschiedenen Quellen zufolge ist geplant, dass bald bis zu 50.000 Menschen in Skolkowo arbeiten werden. Die Gesamtfläche des Zentrums beträgt 400 Hektar. Bis Ende 2016 sollen sich noch weitere 250 Start-up-Unternehmen dort ansiedeln. Ungefähr 1.500 Start-up-Unternehmen mit rund 20.000 Mitarbeitern wurden schon in Skolkowo gegründet. Die Wissenschaftlerstadt ist zugleich auch als Wohnort konzipiert. Die Wohnkosten liegen bei ungefähr 1.000 Rubel pro Quadratmeter, also um etwa ein Drittel niedriger als im Moskauer Stadtgebiet.

Kooperationen auch mit Siemens und DLR

Das Forschungszentrum Skolkowo arbeitet mit vielen großen internationalen Firmen aus den USA, Finnland, Österreich und auch Deutschland zusammen. Siemens zum Beispiel ist ein offizieller Partner und eröffnete dort im Jahr 2011 ein wissenschaftliches Forschungszentrum. Im Juni 2016 unterzeichneten das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das "Skolkovo Institute of Science and Technology" (SkolTech) ein Abkommen zur Wissenschaftskooperation.

Die Idee des Projektes ist, dass Wissenschaftler, Erfinder, Ingenieure und Unternehmer mit Ausbildungsprojekten kooperieren. Skolkowo ist als eine Schnittstelle gedacht, die neue Technologien – von der Akademie der Wissenschaften, von Universitäten, von Forschungszentren - industriell umsetzt. Nach Angaben der Pressestelle hat schon die Hälfte der Teilnehmer ihre Projekte auf dem Markt realisiert. Und jeden Tag gibt es einen neuen Patentantrag auf eine Erfindung.

Großunternehmer Wekselberg leitet Projekt und Stiftung

Das Projekt "Innograd" leitet der russische Milliardär Viktor Wekselberg (mit 14,2 Milliarden US-Dollar auf Platz 4 der russischen Forbes-Liste im Jahr 2015). Er ist zugleich der Präsident der Skolkowo-Stiftung. Aufsichtsratspräsident ist Russlands Ministerpräsident Medwedew. Die Wissenschaftlerstadt gilt als eines seiner Lieblingsprojekte.

Innograd bei den Russen umstritten

In Russland ist das Projekt umstritten, wie fast alle anderen Projekte Medwedews. Und es gilt längst auch als Paradebeispiel für Korruption. So wurde im Februar 2013 ein Verfahren gegen das Skolkowo Forschungszentrum eröffnet. Denn für das Projekt Innograd wurden 55 Milliarden Rubel aus dem Staatsbudget ausgegeben, es kam aber weniger als die Hälfte an (24 Milliarden Rubel).

Überprüfungen und Durchsuchungen haben den Ruf der Skolkowo-Stiftung wesentlich beschädigt. Auch die Sanktionen und der Verfall des Rubels haben in Skolkowo Spuren hinterlassen. Angeblich hat Viktor Wekselberg eigene Finanzmittel (100 Million Dollar) in das Projekt investieren müssen, um es zu "reparieren".

Keine Alternative für Startups

Viele Experten meinen jedoch, dass Skolkowo trotz allen Problemen immer noch der einzige Ort im Land ist, in dem ein Start-Up-Unternehmen die Chance hat, an Geld zu kommen. Immerhin hat Skolkowo mehrere Projekte von Nobelpreisträgern finanziert. In den letzten drei Jahren haben 180 Empfänger aus dem Stiftungsfonds Förderungen in Höhe von mehr als fünf Milliarden Rubel erhalten. Das meiste Geld ist dabei in die IT-Branche geflossen. Diese Ausrichtung dürfte Medwedew freuen.

Weniger erfreulich fiel der Start des Forums aus. Denn aufgrund einer Panne musste der große Veranstaltungssaal geräumt werden - Schirmherr inklusive. Wie russische Medien berichten, sorgte ein Kabelbrand nach einem Kurzschluss an einer Lautsprecherbox für einen Feueralarm.