Ukraine Vor fünf Jahren: Der Sturm auf die Präsidentenvilla

Seine Villa, sein Zoo, seine Luxusautos: Seitdem der ukrainische Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch im Februar 2014 die Flucht ergriffen hat, kann man sich in seinem ehemaligen Anwesen ein Bild von Gier und Korruption machen.

von Marius Emsel

23. Februar 2014, Meschyhirja-Residenz vor den Toren Kiews: Der Journalist Sergej Leschtschenko macht es sich auf dem luxuriösen Präsidentenbett gemütlich, durchstöbert dessen private Video-Sammlung und schlendert durch unzählige Luxusräume, die normalerweise nur der Präsidenten-Familie vorbehalten sind.

Noch vor zwei Tagen wäre das unmöglich gewesen. Doch der Präsident Viktor Janukowitsch wurde gestürzt. Das Volk hat seine Villa eingenommen, darunter Anti-Regierungsaktivisten, Neugierige und Journalisten wie Leschtschenko.

Sergej Leschtschenko, Politiker
Sergej Leschtschenko im Schlafzimmer des gestürzten Präsidenten. Bildrechte: Sergej Leschtschenko

"Unverhüllten Korruption"

Etliche Male hatte der Journalist und heutige Politiker selbst über diese "märchenhafte Immobilie" berichtet, über das "Symbol der unverhüllten Korruption", wie er in einem Artikel für die ukrainische Online-Zeitung Ukrajinska Prawda schrieb. Nun erlebt er diesen "exorbitanten Luxus" hautnah - ein Reichtum der von der Wirtschaftskrise und Armut des Landes nichts erahnen lässt: "Ich dachte, nun bin ich also an dem Ort, wo all das gestohlene Geld der ukrainischen Bevölkerung ausgegeben wurde", erinnert sich Leschtschenko.

Einblicke in die Präsidenten-Villa Janukowitschs Disneyland

Exzessiver Wohlstand auf Staatskosten: Längst ist das Luxus-Anwesen von Viktor Janukowitsch ein Symbol der Korruption - und ein Touristenmagnet.

Villa Meschyhirja
Marmor, Gold und Edelholz: Dieses Anwesen 30 Kilometer nördlich von Kiew ist an Prunk und Protz wohl kaum zu überbieten. Bildrechte: Marius Emsel
Villa Meschyhirja
Marmor, Gold und Edelholz: Dieses Anwesen 30 Kilometer nördlich von Kiew ist an Prunk und Protz wohl kaum zu überbieten. Bildrechte: Marius Emsel
Haus auf einem Berg, die Janukowitsch-Villa.
In dieser Luxus-Villa lebte der ehemalige Präsident der Ukraine, Viktor Janukowitsch. Doch als Ende Februar 2014 die Gewalt auf dem Maidan eskalierte und die Regierung gestürzt wurde, floh Janukowitsch und ließ nicht nur sein fünfstöckiges Multi-Millionen-Euro-Anwesen zurück,... Bildrechte: Marius Emsel
Ein altes Automobil neben weiteren in einer Garage.
sondern auch seine sowjetischen Oldtimer, Militärfahrzeuge, nagelneuen Sportwagen, Motorräder, Boote... Bildrechte: imago/Eastnews
Zwei Straussenvögel in einem Gehege.
und seinen Privatzoo samt Straußenfarm. Bildrechte: imago/Eastnews
Verschneiter Golfplatz auf Janukowitsch-Anwesen.
Ein riesiges Parkgelände mit 18-Loch Golfplatz umgibt die Luxus-Residenz des einstigen Präsidenten - in der nun ein anderer das Sagen hat. Bildrechte: Marius Emsel
Menschen in einem Raum
Die rot-schwarze Flagge der ukrainischen Nationalisten trägt er auch heute noch bei seinen Führungen für Touristen durch "das Museum der Korruption", wie Petro die Residenz nennt. Denn das Geld für seinen exzessiven Wohlstand nahm sich Janukowitsch aus der Staatskasse. Bildrechte: Marius Emsel
Ein Mann mit einem roten Umhang
Petro hat seine schwarzen Stiefel gegen Lederpantoffeln eingetauscht, die er in der Präsidenten-Garderobe gefunden hat. Zusammen mit seinem Schutzschild sind sie im Eingang des ehemaligen Wellness-Bereichs ausgestellt. Hier beginnt seine Tour durch den Luxus,... Bildrechte: Marius Emsel
Janukowitsch Villa Spa
vorbei an Massageliegen, Solarien, einer künstlichen Salzgrotte, einem Indoor-Tennisplatz, einer Bowlinghalle,... Bildrechte: MDR/Marius Emsel
Sportraum im Janukowitsch-Anwesen. Boxring.
und einem Sport-Komplex mit Boxring. Bildrechte: Marius Emsel
Ein Mann mit einem roten Umhang
Das sei aber noch alles der Spa-Bereich, Janukowitschs luxuriöses Privathaus komme erst noch, so Petro, und zeigt in Richtung eines dunklen Ganges. Bildrechte: Marius Emsel
Menschen in einem langen Gang
Der Weg zur Villa führt durch einen unterirdischen Tunnel - 114 Meter lang.
Einst hingen hier teure Gemälde, die mittlerweile an das Kiewer Kunstmuseum übergeben wurden.
Bildrechte: Marius Emsel
Raum im Janukowitsch-Haus.
Angekommen im Janukowitsch-Reich: Eilig führt Petro die Gruppe durch das Gästezimmer mit Minibar, das Ritterzimmer (im Bild) und weiter zum TV-Raum mit Massageliegen. Bildrechte: Marius Emsel
Schuhe sind mit Plastiktüte überzogen, Bild im Fahrstuhl.
Über einen mit Mosaiken verzierten Aufzug geht es von Etage zu Etage. Damit auch nichts von den hochwertigen Materialien beschädigt wird, trägt jeder Besucher blaue Schuh-Überzüge. Bildrechte: Marius Emsel
Kronleuchter, von unten gesehen, im Janukowitsch-Haus.
Allein der Eingangsbereich der dritten Etage lässt erahnen, warum der Umbau mehrere Millionen Euro verschlungen hat. Petro zeigt auf einen Kronleuchter, der allein ein paar hunderttausend Euro gekostet habe. Bildrechte: Marius Emsel
Villa Meschyhirja
Im Wohnbereich der Familie Janukowitsch hängen noch mehr davon. Das Herzstück der Villa ist ausgestattet mit einem prunkvollen Mosaikboden aus 17 verschiedenen Holzarten, kostbaren Teppichen, teurer Kunst... Bildrechte: Marius Emsel
Villa Meschyhirja
und einem Steinway-Flügel, handsigniert von Elton John. Bildrechte: Marius Emsel
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Architekten aus der ganzen Welt waren mit dem Umbau der 2.600 Quadratmeter Luxus-Residenz beauftragt. An Marmor, Gold, Kristall-Kronleuchtern, teuren Teppichen und Edelhölzern fehlt es nicht. Es gibt einen Mittelaltersaal mit Ritterrüstungen, ein TV-Zimmer mit Massagesitzen, ein Gästezimmer mit Bar, mehrere Billard- und Esszimmer, ein Wohnzimmer mit einem von Elton John handsignierten Steinway-Flügel und eine pompöse Privatkapelle. Hier ließ Janukowitsch Geistliche für private Gottesdienst kommen.

Janukowitsch hat sich hier sein persönliches Paradies aufgebaut, in einem armen Land, mit Geld, das er sich vom Staat genommen hat.

Sergej Leschtschenko Journalist und Politiker

Undurchsichtige Besitzverhältnisse

Die Kapelle erinnert an ein Kloster, das bis 1935 auf dem Gelände stand. Danach wurde es als Residenz für Gäste genutzt. In seiner Zeit als Ministerpräsident wohnte Janukowitsch erstmals 2002 hier. 2007 sei das Anwesen privatisiert und über dubiose Briefkastenfirmen an Hintermänner des Präsidenten verkauft worden, so erklärt es Leschtschenko.

Menschen fischen verschiedene Dokumente und Unterlagen aus einem See.
Aktivisten fischen belastende Akten aus dem Wasser. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Über die Jahre baute Janukowitsch das Anwesen und den hölzernen Palast aus. Sein Reichtum versteckte er hinter fünf Meter hohen Zäunen und sicherte sich sogar ein Überflugverbot für das Areal. Hinweise, aus welchen dunklen Kanälen das Geld für seinen Luxus stammte, fanden Journalisten der Kiew Post in den Akten, die Janukowitsch im Wasser versenken ließ. Das belastende Material fischten Aktivisten nach seiner Flucht aus dem angrenzenden Stausee und trockneten die hochbrisanten Beweise in der Sauna. Die Dokumente sind heute als "Janukowitsch Leaks" bekannt und umfassen mehr als 22.000 Seiten.

Privatzoo und Piratenschiff

Das Anwesen rund um die Luxus-Villa ist umgeben von einem riesigen Parkgelände. Fast 140 Hektar umfasst das ganze Areal: samt Jachthafen und Piratenschiff, Zoo, Treibhaus, Wellness-Bereich, Bowlinghalle, Tennisplätzen, Golfplatz, Molkerei, Tankstelle, Hubschrauberlandeplatz und gewaltiger Autoflotte. Es gab sogar ein Labor, in dem das Essen getestet wurde, bevor es der Präsident bekam.

Ein Schiff.
Janukowitschs "Palast auf dem Wasser" (Leschtschenko), eine Art Piratenschiff mit Banketsall, Kristallkronleuchtern, Marmor und reichlich Gold zur Erholung für die Familie und Gäste des Präsidenten. Bildrechte: imago/Eastnews

Touristenziel Meschyhirja

Etwa eintausend Angestellte waren zu Janukowitsch-Zeiten auf dem Gelände beschäftigt: Sicherheitskräfte, Gärtner, Techniker, Putzkräfte und Köche.

Menschen machen Fotos vor dem Eingang zum Janukowitsch-Anwesen.
Touristen machen Fotos vor dem Eingang des Meschyhirja-Anwesen. Bildrechte: Marius Emsel

Einige von ihnen arbeiten auch heute noch auf dem Anwesen, das nun jedoch zum begehrten Ausflugsziel für Ukrainer und Touristen geworden ist. Denn nach dem Machtwechsel wurde der Park wieder in den Staatsbesitz überführt und die Villa zu einem Museum umgewandelt.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im TV: MDR | 22.02.2014 | 22:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2019, 17:29 Uhr