Osteuropa

Geschichtsschreibung Im Fokus: Gedenken an die Rettung von Juden in Polen

In Polen ist Geschichte etwas Hochpolitisches - insbesondere, wenn es um den Holocaust geht. Die Helden, denen unter der PiS-Regierung die meiste Aufmerksamkeit gilt, sind Menschen wie die Familie Ulma. Die Ulmas waren am 24. März 1944 hingerichtet worden, weil sie jüdischen Familien Unterschlupf gewährt hatten. An diesem Datum begeht Polen seit 2018 den nationalen Feiertag für Judenretter im Zweiten Weltkrieg. Die Geschichte der Ulmas wird in einem neuen Museum in Markowa erzählt.

Wiktoria und Jozef Ulma
Nur Fotos sind von der Familie Ulma übrig geblieben: Wiktoria, Jozef und alle ihre Kinder wurden im Zweiten Weltkrieg erschossen, weil sie Juden bei sich versteckt hatten. Heute sind sie in Polen die neuen Helden, für die ein eigenes Museum in Markowa gebaut wurde. Bildrechte: Muzeum Ulmow
Wiktoria und Jozef Ulma
Nur Fotos sind von der Familie Ulma übrig geblieben: Wiktoria, Jozef und alle ihre Kinder wurden im Zweiten Weltkrieg erschossen, weil sie Juden bei sich versteckt hatten. Heute sind sie in Polen die neuen Helden, für die ein eigenes Museum in Markowa gebaut wurde. Bildrechte: Muzeum Ulmow
Ulma Family Museum
Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten im polnischen Dorf Markowa fast 4.500 Menschen, darunter 30 jüdische Familien. Mit roten Plakaten wurden die Einwohner von den Nazis gewarnt: "Auf Hilfe für Juden steht der Tod". Dessen ungeachtet versteckten neun polnische Familien weiter Juden bei sich. Bildrechte: dpa
jüdische Familie Goldmann
Auch Wiktoria und Jozef Ulma gewährten zwei jüdischen Familien Zuflucht, den Goldmans - die auf dem Foto zu sehen sind - und den Szalls. Bildrechte: Muzeum Ulmow
das Haus vor dem dem Familie erschossen wurde
In der Nacht des 24. März 1944 drangen deutsche Gendarmen zusammen mit der polnischen Hilfspolizei, der sogenannten "Blauen Polizei", in das Haus der Ulmas ein. Heute steht an dieser Stelle das "Museum der Familie Ulma". Bildrechte: Muzeum Ulmow
sechs Kinder der Familie Ulma
Vor den Augen einiger Dorfbewohner wurden die Ulmas und acht Juden erschossen. Jozef und Wiktoria hatten sechs Kinder. Außerdem war Wiktoria im neunten Monat schwanger. Bildrechte: Muzeum Ulmow
Polen bei der Feldarbeit
Das Besondere an der tragischen Geschichte: Vater Jozef hat viele Fotos gemacht. Als Hobbyfotograf dokumentierte er das Leben seines Heimatdorfs. Viele seiner Aufnahmen sind gut erhalten. Sie zeigen das tägliche Leben im Dorf, die Ernte auf dem Feld und die Gartenarbeit. Bildrechte: Muzeum Ulmow
Ein mt Blut beflecktes Bild der jüdischen Nachbarn
Unter den Bildern findet sich auch eins von seinen jüdischen Nachbarn – mit Blut befleckt. Bildrechte: Muzeum Ulmow
Polnische Familie Ulma
Viele der von Jozef Ulma gemachten Fotos sind heute im Museum in Markowa zu sehen, werden aber auch auf Wanderausstellungen gezeigt. Bildrechte: Muzeum Ulmow
Leeres Bett der Ulma-Kinder
Im Museum in Markowa stehen u.a. die Betten der Ulma-Kinder. Bildrechte: Muzeum Ulmow
Ulma Family Museum
Die Geschichte der Familie Ulma ist nur eine von vielen. Ihr Heldentum will die polnische Regierung stärker in den Vordergrund rücken. Bislang seien die negativen Aspekte viel zu stark betont worden, so der Tenor. Bildrechte: dpa
Museum Familie Ulma in Markowa Polen
Dabei sind die großen Zusammenhänge unstrittig: Über drei Millionen Juden lebten vor dem Krieg in Polen - kaum einer von ihnen überlebte die deutsche Besatzung. Seit vielen Jahren wird in Polen heftig darüber diskutiert, inwieweit auch Polen vereinzelt Schuld auf sich geladen haben – sei es, weil sie ihren Nachbarn nicht halfen; sei es, weil sie deren Notlage ausnutzten, um sich zu bereichern; weil sie sie an die Deutschen auslieferten oder in einigen Fällen auch selbst zu Mördern wurden. Bildrechte: dpa
Museum Familie Ulma in Markowa Polen
In den Augen einer nationalkonservativen Geschichtsbetrachtung verwischen solche Debatten die Schuld der Deutschen. Die meisten Polen seien anständig gewesen, manche sogar heldenhaft, wie die Familie Ulma. Schätzungen zufolge waren es allein in der Vorkarpaten-Region rund 1.600 Polen, die etwa 2.900 Juden versteckt hatten. Bildrechte: dpa
Milos Zeman und Andrzej Duda
Dass die positive Geschichtsdeutung der polnischen Regierung sehr wichtig ist, zeigt, dass Präsident Andrzej Duda im Sommer 2017 das Ulma-Museum in Markowa persönlich eröffnete. Für manche Polen geht diese Akzentverschiebung allerdings zu weit. Sie sei genau so einseitig wie die rein negative Darstellung der Ereignisse. Bildrechte: dpa
Plakat mit "Die Samariter von Markowa"
Wenn es nach der PiS-Partei geht, soll die mutige Haltung der Familie Ulma zum Symbol für die Opferbereitschaft aller Polen werden. Dafür sind in anderen Städten "Filialen" des Museums geplant, etwa nahe des einstigen KZ Auschwitz ein Museum für polnische Fluchthelfer - also Polen, die Juden bei der Flucht aus Konzentrationslagern geholfen haben. Bildrechte: Alicja Malinowski/MDR
Die Direktorin des Ulma Museum
Die Ausstellung "Die Samariter aus Markowa" war auch in Leipzig zu sehen. Die Direktorin des "Familie Ulma Museums", Dr. Anna Stroz, kam persönlich: "Statt den Sinn des ihnen gewidmeten Museums in Frage zu stellen, sollte man lieber darüber nachdenken, warum es so spät entstanden ist. Wir wollen keine Denkmäler setzten, dafür aber eine wunderbare menschliche Geschichte erzählen - auf schlichte und minimalistische Art und Weise. Ich finde, das ist auch die richtige Form, um Helden zu würdigen."

(Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell auch im TV: 23.03.2018 | 17:45 Uhr)
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