Personen mit schwarzen Mänteln und mit schwarz-weiß-bemalten Totenkopf-Masken haben in Formation einen Fuß nach vorn gesetzt und beugen den Körper nach hinten.
Der Ballettabend in Plauen erzählt von Macht und Gefahr der Verführung. Bildrechte: André Leischner

Einblicke ins menschliche Seelenleben Chemnitz und Zwickau: Fünf besondere Theaterstücke im März

01. März 2024, 04:00 Uhr

Rund um Chemnitz und Zwickau gibt es im März 2024 wieder spannende Theaterstücke zu erleben: In Chemnitz wird über Geld gestritten und in die Hölle gefahren. In Plauen gibt es ein Tanzstück über die Gefahr von Verführung und Gruppenzwang. In Döbeln wird währenddessen eine intensive Geschichte über Krieg und Flucht erzählt. Hier finden Sie eine Auswahl der besten Theaterstücke im März mit Terminen und Service-Infos. Jeweils zu Beginn des neuen Monats wird diese Übersicht aktualisiert.

Schauspiel in Chemnitz: "Nein zum Geld" am Fritz Theater

Seit Monaten wird der Mensch gesucht, der im Lotto auf die richtigen Zahlen gesetzt hat und 162 Millionen Euro gewonnen hat. Als Richard Carré seinen Freunden und Verwandten gesteht, dass er der gesuchte Gewinner ist, beginnen alle Beziehungen zu bröckeln: Die Mutter verlangt Schadensersatz, für den schon im Mutterleib verstorbenen Zwilling von Richard und der beste Freund Hardy kann nicht aufhören, sich zu beschweren.

Doch Richard wüsste gar nicht, wozu er so viel Geld braucht, auch auf Weltverbesserungsvorschläge seiner Frau will er nicht eingehen. Die Stärke des Stücks "Nein zum Geld" der französischen Autorin Flavia Coste liegt in der Perfektion, in der die vier Figuren umeinander kreisen und niemand die Oberhand gewinnt. Das Team des Chemnitzer Fritz Theaters verkörpert die Charaktere gekonnt und läuft zur Hochform auf, erklärt der Kritiker Matthias Zwarg in der "Freien Presse": "Ein großartiges Stück, Unterhaltung auf höchstem Niveau, hervorragend umgesetzt."

Eine Schauspieler fällt rücklings auf eine Couch, hinter der drei weitere Personen wütend ihre Arme in die Höhe heben.
Ein möglicher Lotto-Gewinn stellt alle Beziehungen auf den Kopf. Bildrechte: Josefin Kuschela

Weitere Informationen "Nein zum Geld" von Flavia Coste

Adresse:
Fritz Theater
Kirchhoffstraße 34-36
09117 Chemnitz

Dauer: 90 Minuten, keine Pause

Termine:
1. März, 20 Uhr
2. März, 20 Uhr
3. März, 20 Uhr
7. März, 20 Uhr
8. März, 20 Uhr
9. März, 20 Uhr

Schauspiel in Döbeln und Freiberg: "Zeit im Dunkeln" am Mittelsächsischen Theater

Das Mittelsächsische Theater ist ein großes Risiko eingegangen: Henning Mankells Stück "Zeit im Dunkeln" ist wegen seiner vielen Dialoge nicht leicht zu inszenieren und auch die Themen Gewalt im Krieg und Flucht sind immer schwierig, aber aktuell besonders aufgeladen. Umso wichtiger, dass das Haus diese Geschichte erzählt: Ein Vater und seine Tochter sind nach dem Tod der Mutter nach Schweden geflohen. In der Asylunterkunft drängt es den Vater immer wieder zur Sprache, er will über die Geschehnisse reden. Doch seine Tochter möchte sich auf die Zukunft konzentrieren und lässt sich nur gelegentlich zu wütenden Ausbrüchen hinreißen. Die beiden sächsischen Ensemble-Mitglieder Urs Schleiff und Natalie Heiß füllen diese schwierigen Rollen grandios aus, meint der Kritiker Hagen Kunze in der "Leipziger Volkszeitung", der in Döbeln "Theater in Bestform!" gesehen hat.

Weitere Informationen "Zeit im Dunkeln" von Henning Mankell

Dauer: 80 Minuten, keine Pause

Adresse:
Theater Freiberg
Borngasse 1
09599 Freiberg

Termine:
8. März, 18 Uhr

Adresse:
Theater Döbeln
Theaterstraße 7
04720 Döbeln

Termine:
10. März, 17 Uhr
11. März, 18 Uhr

Figurentheater in Chemnitz: "So glücklich, dass du Angst bekommst" im Spinnwerk

Lange blieben sie unsichtbar: Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter, die aus Vietnam in die DDR kamen. Selbst nach der Wiedervereinigung versuchten sie meist unter dem Radar zu bleiben und so wissen die wenigsten um diese Schicksale. Miriam Tscholl, die ehemalige Leiterin der Dresdner Bürgerbühne und somit sehr erfahren in der Arbeit Laien auf der Theaterbühne, hat drei Frauen eingeladen ihre Geschichten zu erzählen. Es sind Geschichten, die rühren und die erschrecken. Jeder sollte diese Stimmen hören.

Eine Frau in roter Kleidung sitzt an einer Bühnenkante, neben ihr wird eine Puppe, die ihr ähnelt, bewegt.
Mit Puppen können Menschen mit vietnamesischen Wurzeln ihre Geschichten auf die Chemnitzer Bühne bringen. Bildrechte: Dieter Wuschanski

Weitere Informationen "So glücklich, dass du Angst bekommst"
Geschichten von Chemnitzer Frauen aus Vietnam

Adresse:
Spinnbau
Altchemnitzer Straße 27
09120 Chemnitz

Dauer: 105 Minuten, keine Pause

Termine:
9. März, 20 Uhr
16. März, 20 Uhr

Tanztheater in Plauen: "Masken" am Vogtlandtheater

Nur die wenigsten Menschen zeigen im Alltag ihr wahres Gesicht. Stattdessen verstecken wir uns hinter verschiedenen Masken, der Maske der Angestellten, der Maske der guten Nachbarschaft, der Maske der guten Schwiegerkinder. Das ist in der Regel gesund und nur manchmal ein Problem. Der Tanzabend "Masken" in Plauen verhandelt genau diese Alltagspraxis.
Dabei sticht für die Kritiker Katharina Leuoth vor allem der zweite Teil des Abends von Ballettchef Sergei Vanaev heraus, der ganz ungeschönt zeigt, wie sich Menschen bereitwillig die gleichen Masken aufsetzen, sich einer unheilvollen Gruppendynamik unterordnen. "Sein Stück ist klar, unnachgiebig, vehement, böse und brutal und doch mit so vielfältigen tänzerischen Bewegungen versehen, dass man gebannt zuschaut. Vanaev zeigt, wie Manipulation und Gleichschaltung funktionieren und welchen Preis wir dafür zahlen", schreibt Leuoth in der "Freien Presse". Begleitet wird dieser Vorgang von Ravels "Bolero", der sich in diesem Fall gnadenlos wiederholt und im Kreis dreht.

Eine Person mit schwarzen Mantel und Maske springt mit einer Drehung in die Luft. Im Hintergrund sind mehrere Personen in weißlicher Kleidung zu sehen.
Eine Person lockt in der Choreografie "Masken" alle Menschen in den Abgrund. Bildrechte: André Leischner

Weitere Informationen "Masken"
Ballettabend von Mário Radačovský und Sergei Vanaev

Adresse:
Vogtlandtheater
Theaterplatz
08523 Plauen

Termine:
28. März, 19:30 Uhr

Oper in Chemnitz: "Orpheus in der Unterwelt" im Opernhaus

Diese Geschichte begleitet die Oper und das Musiktheater in Europa schon von Anfang an: Kaum verheiratet, stirbt Eurydike. Ihr Mann ist glücklicherweise ein begnadeter Sänger und kann die Götter erweichen. Jacques Offenbach hat diese Geschichte Mitte des 19. Jahrhunderts schon ordentlich auf links gedreht – mit vergnügungssüchtigen Göttern, die sich auch gerne mal als Fliege verkleiden.
Regisseur Johannes Pölzgutter hat die komische Oper mit der neuen Textfassung von Thomas Winter noch mehr auf das heute gedreht und hebt die freie Entfaltung des Individuums als ein Erfolg der Neuzeit hervor. Matthias Zwarg ist in der "Freien Presse" voll des Lobes: "Das ist intelligentes Unterhaltungstheater vom Feinsten, nicht überpolitisiert, aber mit Seitenhieben in alle Richtungen, vor allem in die der 'öffentlichen Meinung', die sich erpresserisch auch schnell mal ändert. Das Stück schwelgt in Farben und Kostümen in dem prächtigen Bühnenbild von Manuel Kolip, dessen vier rote Vorhänge schon darauf hindeuten: Das ist Theater, nicht das wirkliche Leben."

Im Bühnenhimmel hängen zahlreiche nachgebildete Planeten, darunter stehen und sitzen mehrere Personen im bläulichen Halbdunkel.
Die Reise in die Unterwelt ist nicht nur in Chemnitz voller Überraschungen und Wunder. Bildrechte: Nasser Hashemi

Weitere Informationen "Orpheus in der Unterwelt"
Opéra Bouffon in zwei Akten von Jacques Offenbach

Adresse:
Opernhaus
Theaterplatz 2
09111 Chemnitz

Dauer: 135 Minuten, eine Pause

Termine:
3. März, 15 Uhr
14. März, 19:30 Uhr
30. März, 19:30 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. April 2023 | 08:10 Uhr

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